ESC 2017 Download-Charts: Die Achterbahnfahrt von Blanche aus Belgien

Welche ESC Songs 2017 entwickeln sich zu kommerziellen Hits und treten damit in die Fußstapfen z.B. der Common Linnets oder Frans? Wir betrachten die Auswirkungen der beiden Semifinals auf die iTunes Download-Charts. Wie charten die beiden Topfavoriten aus Italien und Portugal in Europa im Vergleich und gibt es vielleicht einen lachenden Dritten?

Warum ziehen wir für den Vergleich die iTunes-Charts heran? Die Seite ESCtracker.com bietet sich hier als übersichtliche Quelle für den Vergleich an. Allerdings muss bedacht werden, dass die Relevanz der iTunes-Charts in den europäischen Musikmärkten sehr unterschiedlich ist. In manchen Ländern dominieren andere Musikportale oder es werden Streamingdienste bevorzugt.

Nichtsdestotrotz kann ein Erfolg in den Download-Charts ein Indikator sein, dass der Song beim TV Publikum schnell zündet und als Folge eben zum Download animiert. Schön zu sehen war dies 2014 bei den Common Linnets. „Calm after the storm“ hatten zunächst weder die Buchmacher noch die ESC Experten auf der Rechnung. Direkt nach dem Semifinal schossen die Common Linnets in zahlreichen Ländern Europas in die Top 5 der Download-Charts. Als Konsequenz stieg „Calm after the Storm“ auch bei der Siegwette ganz nach oben und nach dem fantastischen 2. Platz beim ESC 2014 in Kopenhagen wurde der Song auch noch zum Radio- und Charthit in mehreren Ländern Europas.

 

Semifinal 1

Im ersten Halbfinale am Dienstag hatten die beiden führenden Länder der Wettbüros ihren Auftritt: Salvador Sobral aus Portugal und als ‚Snippet‘-Einspieler für das Grand Final auch Francesco Gabbani aus Italien. Für viele überraschend ausgeschieden ist Finnland. Qualifiziert für das Finale haben sich: Schweden, Australien, Belgien, Aserbaidschan, Portugal, Griechenland, Polen, Moldawien, Zypern und Armenien.

Hier nun die iTunes Downloadcharts vom Mittwoch 10.5.2017 (16 Uhr):

Überraschung! Den größten Chart-Impact landete Blanche aus Belgien und konnte sich gleich in 21 Ländern platzieren. Darunter zwei Länder mit Platz 1 (Belgien und Estland) sowie weitere zwei Länder in der Top 10 (Schweden und Niederlande). Die vergangenen Tage waren für Blanche eine verrückte Achterbahnfahrt. Nach der Songpräsentation im Frühjahr noch als einer der 3 Top-Favoriten gehandelt, stürzte sie nach etwas missglückten Proben und Outfitversuchen zunächst stark ab, um jetzt nach der Halbfinal-Show mit neuer Power wieder nach den Sternen zu greifen.

Belgien – Blanche

Die zweitbeste Download-Performance legte Topfavorit Salvador Sobral hin und landete ebenfalls in 4 Ländern in den Top 10, darunter in Portugal und Litauen auf der 1. Wo landete Konkurrent Francesco Gabbani aus Italien?

Die drittmeisten Downloads verzeichnete überraschend SunStrokeProject aus Moldawien. Da hat das Internet-Phänomen „Epic Sax Guy“ gut lachen. „Hey Mamma“ chartete in 13 Ländern, allerdings nirgends in der Top 10.

Moldawien – SunStroke Project

Etwas überraschend im Hintertreffen ist Francesco Gabbani. Von „Occidentali’s Karma“ war zwar nur ein Ausschnitt in der Live-Show zu sehen, aber der erzeugte wohl weniger Spontanimpulse, die zum Download animierten. Er chartete in 10 Ländern und landete dabei einmal in der Top 10 (Finnland). So richtig tanzt der Gorilla noch nicht in den Download-Charts.

Italien – Francesco Gabbani

Robin Bengtsson aus Schweden und Isaiah aus Australien konnten sich jeweils in 9 Ländern platzieren. Die siebtmeisten Downloads der ESC Beitrag generierten Norma John aus Finnland. Der „Blackbird“ flog zwar nicht ins Grand Final, aber immerhin noch in die Charts von 5 Ländern, darunter in die Top 10 im Heimatland Finnland. Die neuntmeisten Downloads generierte die ebenfalls ausgeschiedene Svala aus Island.

Finnland – Norma John

Fazit nach Semifinal 1:

Mit Blanche aus Belgien und Salvador Sobral (Foto unten) aus Portugal konnten nur 2 Songs auf breiter Front die Charts entern und in höhere Regionen vordringen. Auf den folgenden plätzen ist die Charts-Ausbeute schon sehr dünn. Obwohl sich Finnland und Island nicht qualifizieren konnten, liegen sie bei den Downloads vor Aserbaidschan, Griechenland, Polen und Armenien.

 

Semifinal 2

Spannend wird es nun, wie sich die TV Ausstrahlung des Semifinal 2 auswirkte, denn nun kamen weitere 18 Songs hinzu sowie Ausschnitte von Alma (Frankreich), Levina (Deutschland) und O.Torvald (Ukraine). Kristian Kostov aus Bulgarien, der ebenfalls zu den Topfavioriten gehört, greift erstmals ins Geschehen ein. Können sich Blanche und Salvador ganz oben halten oder werden sie vom Thron gestoßen und wenn ja, von wem?Qualifiziert für das Finale haben sich: Österreich, Rumänien, Niederlande, Ungarn, Dänemark, Kroatien, Norwegen, Weißrussland, Bulgarien und Israel.

Hier nun die iTunes Downloadcharts vom Freitag 12.5.2017 (16 Uhr):

Gähn… niemand aus Semifinal 2 konnte Belgien und Portugal die beiden Plätze an der Sonne wegnehmen. Allerdings hat Salvador Sobral mit seiner gefühlvollen Interpretation seines Chansons „Amar pelois dos“ nun sogar die Pole Position bei den ESC Songs übernommen. Es ist noch in 18 Ländern in den Charts, allerdings im Vergleich zum Mittwoch nur noch einmal auf der 1 (Portugal) und nirgends mehr in den Top 10.

Portugal – Salvador Sobral

Blanche hingegen konnte die 1 in Belgien und Estland halten und ist zudem Top 10 in den Niederlanden. Ihr Erfolg mit „City Lights“ scheint etwas nachhaltiger zu sein.

Nun endlich ein Song aus dem 2. Semifinale: Auf dem Bronzerang schob sich Mitfavorit Kristian Kostov aus Bulgarien vor. Allerdings schaffte er es mit „Beautiful Mess“ nur in Schweden in die Top 10, aber insgesamt ist sein Song in 12 Ländern platziert.

Bulgarien – Kristian Kostov

Topfavorit Francesco Gabbani musste erneut Federn lassen. „Occidentali’s Karma“ ist zwar weiterhin der ESC Song mit den viertmeisten iTunes Downloads, aber er ist nur noch in 11 Ländern vertreten und überall aus der Top 10 gefallen.

Die kühle Dressman-Show von Robin Bengtsson verteidigt hartnäckig Rang 5 bei den ESC Downloads. Im Heimatland Schweden reicht es für „I can’t go on“ sogar noch für die Top 10. Insgesamt ist Robin in 10 Ländern platziert.

Schweden – Robin Bengtsson

Hey Mamma“ von SunStrokeProjekt aus Moldawien musste hingegen gehörig Federn lassen. Nach Semifinal 1 noch der ESC Song mit den drittmeisten Downloads, reicht es nun nur noch für Rang 6.

Endlich weitere Beiträge aus dem Semifinal 2 auf Rang 7 und 8: Joci Papai aus Ungarn konnte mit seinem Ethno-Song „Origo“ in gleich 3 Ländern in die Download-Top 10 einsteigen. Darunter Estland, Ungarn und die Ukraine. Insgesamt ist „Origo“ in 8 Ländern vertreten.

Ungarn – Joci Papai

Der Spaßbeitrag aus Rumänien „Yodel it“ scheint zwar 3 Minuten schön anzuschauen, aber zieht nicht wirklich viele Downloads nach sich. Zwar haben sich Ilinca und Alex Florea in 8 Ländern platziert, aber für die Top 20 reichte es nirgends.

Rumänien – Ilinca feat. Alex Florea

Die Top 10 der ESC Songs mit den meisten Downloads wird komplettiert von zwei weiteren Beiträgen aus dem zweiten Semifinal: JOWST aus Norwegen sind mit „Grab the Moment“ in 7 Ländern vertreten, aber immerhin Top 3 in Norwegen und Estland. Dahinter findet sich Imri aus Israel noch in 6 Ländern platziert. Im Heimatland Israel reichte es noch für die Top 10.

Norwegen – JOWST

Zur Vollständigkeit hier nun die weiteren Plätze der ESC Songs 2017:
Platz 11 Niederlande – OG3NE (in 5 Ländern platziert)
Platz 12 Irland – Brendan Murray (5 Länder)
Platz 13 Österreich – Nathan Trent (4 Länder)
Platz 14 Estland – Koit Toome & Laura (4 Länder)
Platz 15 Frankreich – Alma (3 Länder)
Platz 16 Mazedonien – Jana Burceska (3 Länder)
Platz 17 Schweiz – Timebelle (2 Länder)
Platz 18 Australien – Isaiah (2 Länder)
Platz 19 UK – Lucie Jones (2 Länder)
Platz 20 Kroatien – Jacques Houdek (2 Länder)

 

Fazit nach Semifinal 2:

Die Songs aus dem zweiten Semifinal sind durch die Bank schlechter platziert als die Songs von und nach Semifinal 1. Lediglich 3 Songs (Bulgarien, Ungarn und Rumänien) haben es unter die Top 10 der ESC Download-Charts geschafft. Im Moment herrscht noch Ruhe vor dem Sturm. Kein Song des diesjährigen ESC Jahrgangs drängt sich derzeit auf ein großer kommerzieller Erfolg zu werden. Am ehesten wäre dies im Moment noch Blanche aus Belgien zuzutrauen.

Auch im Vergleich zu den Vorjahren bewegen sich die Download-Platzierungen in den einzelnen Ländern auf eher niedrigem Niveau. An die Chartsnotierungen der Common Linnets kommt der aktuelle Jahrgang noch nicht im Ansatz heran, aber auch im Vergleich zum Vorjahr ist das mau. Zoë hatte es damals direkt nach dem Semifinal in zahlreichen Ländern in die Download-Top 10 geschafft und räumte im Grand Final dann ja auch im Televoting ab. Heuer hat sich Nathan zwar für das Finale qualifiziert, aber die Download-Platzierungen sind leider schwach.

Deutschland liegt mit Levina bei den iTunes Downloads an 27. Stelle im Ranking der 42 ESC Songs 2017. Sie ist nur in einem Land platziert, nämlich in Deutschland auf Platz 91.

Hoffnung für Italien? Francesco Gabbani ist überraschend etwas im Hintertreffen im Vergleich zu Salvador Sobral aus Portugal. Das ist die etwas überraschende Erkenntnis aus den Download-Charts. Italiens Trumpf könnte sein, dass sein Song ja noch nicht live und in voller Länge aufgeführt wurde und vielleicht erst ab Samstag Nacht mit voller Wucht in die Charts einschlägt. Es bleibt also spannend!

Anmerkung: Am Samstag 13.5.2017 folgt dann um die Mittagszeit noch das finale Wettquoten-Update.