ESC 2017: Zweite Probe Österreich – Der Mann im Mond

Als erster Teilnehmer aus einem deutschsprachigen Land absolviert Nathan Trent aus Österreich seine zweite Probe. Wir bekommen in drei Durchläufen seinen kompletten Auftritt präsentiert und als Bonbon gibt es im Anschluss einen 45 Sekunden Appetizer-Videoclip der TV-Bilder. Wir sind gespannt, wie Nathan seine Mission „Mondlandung“ abschließt.

Man merkt bei Team Austria, dass sich hier in den letzten Jahren etwas getan hat. Seit der Ausrichtung des ESC in Wien scheint es, als habe man ein besseres Gespür dafür, wie beim ESC der Hase läuft. Jedenfalls wirkt es heuer, als habe man dem netten Radiosong „Running on Air“ durch die Inszenierung einen Schub verleihen können. Dies ist zweilfelsohne auch dringend notwendig, muss bei der frühen Startnummer 2 doch ein besonderes Augenmerk auf den Erinnerungswert des Beitrags gelegt werden.

Das Outfit: Nathan erscheint Up to Date in knöchelfreier weißer Hose und kombiniert dies mit weißer Jacke und weißem Shirt. In seinen Flügelschuhen wirkt er wie ein Götterbote. Er soll damit ja auch durch die Lüfte wandeln. Am Handgelenk trägt er Armbänder. Nathan war auch frisch beim Friseur: Die Seiten sind etwas kürzer – steht ihm gut. Insgesamt wirkt er durch sein Outfit noch einen Tick kleiner, als er in Wirklichkeit ist. Die Assoziation zum ‚Kleinen Prinzen‘ kommt also nicht von ungefähr.

Das Bühnensetting: Im Zentrum sehen wir einen großen Halbmond in Spiegeloptik der auf sichtbaren schwarzen Stelzen steht. Der Backdrop (Bühnenhintergrund) besteht aus einer Wolkenlandschaft, die zwischen royalen Blautönen, süßlichem rosa und champagnerfarben changiert. Kritiker werden sagen: Hier besteht ein gewisser Kitschfaktor – aber es passt zum Song. Bei Zoë im vergangenen Jahr hat Österreich mit einem Bonbon-Setting ja bereits gute Erfahrungen gemacht.

Die Bühnenshow: Los geht’s im Dunkeln. Man sieht nur Nathans Silhouette im Close-Up. Er sitzt auf dem Mond und es wirkt sehr intim. Dann wird Sunnyboy Nathan angestrahlt und es wird ausgezoomt, so dass man den funkelnden Mond gut erkennen kann. Zum ersten Refrain springt Nathan auf und steht auf dem Mond. Nach dem ersten Refrain springt er hinunter und wenn der Song dann etwas Fahrt aufnimmt, wird auch Nathan auf der Bühne immer agiler und wirbelt umher. Er nimmt die Bühne für sich ein – das ist seine große Stärke. Zum Finale des Songs klettert er wieder auf den Mond und wir sehen einen blauen Nachthimmel. Die Sterne funkeln und im Hintergrund sehen wir die Weltkugel. Auch der weiß gekleidete Chor tritt nun voll in Erscheinung. Dem Kritikpunkt, der Song plätschere zu sehr vor sich hin, wird dadurch entgegengewirkt und dem Finale mehr Power verliehen.

Die drei Durchläufe: Gesanglich war es dreimal auf der Höhe und das obwohl er sagte, er wäre stimmlich etwas angeschlagen. Im ersten Durchgang gab es noch keinen Bodennebel. Im zweiten Durchgang hat er etwas mehr moduliert. Im dritten Durchgang haben wir dann den Nebel, allerdings nicht voluminös genug, damit die Stelzen des Mondes verdeckt sind. Im Unterschied zur ersten Probe agiert Nathan mehr auf dem Mond. Das bringt zusätzlich Dynamik.

Die Bühnenpräsenz: Nathan schafft es immer wieder genau im richtigen Moment mit der Kamera zu flirten. Sein Lausbuben-Charme ist sehr gut in Szene gesetzt und auch die Energie, die in ihm steckt, kann er vor allem im zweiten Part des Songs gut zur Geltung bringen.

Das Fazit: Marvin Dietmann hat dem Auftritt von „Running on air“ eine ordentliche Dosis Wiedererkennungswert verpasst. Man kann es kitschig finden, aber es wurde aus dem Song einiges herausgeholt und so kann „Running on air“ auch von Startnummer 2 seine Wirkung entfalten. Nathan als ‚Everybodys Darling‘ ist auch gekonnt in Szene gesetzt, so dass seine Energie sich aus dem TV auch auf die Zuschauer übertragen könnte. Von mit gibt’s einen Daumen nach oben. Gut gemacht Nathan, Marvin und Team ORF!
Nathans Mondexpedition setzt zum Finalflug an.

 

Pressekonferenz mit Nathan Trent

Pünktlich um 12:45 Uhr startet Nathans Pressekonferenz. Er trägt einen lässigen Kapuzenpulli und Destroyed Jeans-Look. Mit dabei hat er seine Backing-Sänger-Team:
Vincent (ein Freund), Helena (aus Belgien), Florian (hat mit Nathan studiert) und Artem (aus Kiew).

Nathan erzählt von seinen ersten Eindrücken aus Kiew. Er war bei der St. Michaels-Kathedrale und im EuroVillage. Manche Viertel und Gebäude erinnern ihn ein bisschen an Italien. Kulinarisch hat ihn Bortsch beeindruckt (Anmerkung: eine Rote-Beete-Suppe).

Nathan berichtet, dass er heute morgen aufgewacht ist und deutlich nervöser war als sonst. Auch ist seine Stimme nicht zu 100% fit, weswegen er in der zweiten Probe an der ein oder anderen Stelle moduliert hat.

Ansonsten ist Nathan mit der zweiten Probe sehr zufrieden. Sobald er die Bühne betritt und sein Song läuft ist er nun doch mehr und mehr entspannt und kann den Auftritt inzwischen auch voll genießen.

Gibt es bis zur nächsten kompletten Semifinal-Durchlaufprobe noch Änderungen? Nathan sagt, dass einzelne Kameraeinstellungen noch optimiert werden und noch überlegt wird, eventuell seine Hose zu tauschen.

Was sind die Schwierigkeiten und Gefahrenpunkte bei seinem Auftritt? Nathan erklärt, dass der Mond sehr dünn wäre und er jeden Schritt genau setzen muss und jedwede Akrobatik da doch sehr schwierig wäre.

Der Mond soll die Botschaft seines Songs transportieren. Er verleiht Stärke, denn er ändert sich zwar im Aussehen, aber ist beständig da. Wichtig ist, dass man an sich selbst glaubt. Er bedankt sich in diesem Zusammenhang insbesondere bei seinen Eltern, die immer voll hinter ihm stehen.

Ein polnischer Journalist fragt nach Nathans ESC-Erinnerungen und dem Motto ‚Celebrate Diversity‘. Nathan hat seit 2010 und Lenas Sieg in Oslo alle weiteren Jahre den Contest verfolgt. Das Motto bedeutet ihm viel und er verweist auf sein Begleitteam: „Wir sind Diversity“.

„Schauspieler oder lieber Sänger?“ möchte ein holländischer Journalist wissen. Nathan sagt, er will sich nicht in Schubladen stecken lassen, aber derzeit würde er Sänger wählen. Er sieht seine Zukunft dabei im Pop-R’n’B-Bereich.

„Wann hat ein Sunnyboy wie Nathan einen schlechten Tag? Gibt es sowas?“ wird gefragt. Nathan sagt, dass seine Laune in Gefahr ist, sobald er Hunger bekommt und nichts zum Essen vorhanden ist. Auch wenn Leute nicht ehrlich zu ihm sind, ärgert ihn das sehr. Er versucht aber immer bestmöglich alles Negative von sich fernzuhalten.

Zum Abschluss der Pressekonferenz singt Nathan mit seinem Team und Gitarrenbegleitung eine sehr gefühlvolle Version von „Running on Air“ und zwar auf italienisch, deutsch, spanisch und französisch.