ESC 2017: Pressekonferenzen mit Artsvik, Omar, Triana Park und Tijana

Der längste Probentag beginnt im Saal der PKs heute mit Armenien. Es folgen Slowenien, Lettland und Serbien. Für die Probe und Pressekonferenz von Nathan Trent und Österreich gibt es erneut ein Special. Hier die Eindrücke mit Fotos von den ersten vier Pressekonferenzen.

Guten Morgen von OLiver, der heute den ersten PK-Slot mit einem Viererpack aus Osteuropa gezogen hat. Hoffen wir mal, dass das WLAN, das Matthias gestern im Saal der PKs zur Verzweiflung gebracht hat, besser funktioniert. Da unser Fotograf Volli heute weiterhin in der Halle fotografiert und die Taktung extrem eng ist, greife ich selbst zur Linse, auch wenn mein Equipment nicht ganz mit dem von Volli mithalten kann.

Timoschenko-Haarschnecken wie hier bei der PK-Moderatorin sind anscheinend immer noch en vogue in der Ukraine, auch wenn Taxifahrer die ehemalige Regierungschefin abschätzig als „Madame Zappzarapp“ bezeichnen…

Armenien: Artsvik

Unsere heutige Moderatorin sieht tatsächich wie Julia Timoschenko aus. Arstvik wird zunächst an der Fotowand abgelichtet. Sie ist casual gekleidet mit High Heels und kommt mit David, ihrem Head of Press, und der von Armenien engagierten Stage Directorin Sacha Jean-Baptiste. Artsvik spricht armenisch und lässt sich vom Head of Press übersetzen.

Sie ist schon ein wenig durch die Stadt flaniert und findet es sehr schön in Kiew. Außerdem hätten sie beim Hotel einen Adler gefunden (sie meint wohl eher gesehen). Artsvik bedeutet Adler – hallo, ein Zeichen! Artsvik fühlt sich sicher auf der Bühne und kann es kaum erwarten bis zum Semifinale. Sie ist überwältigt vom Feedback der Fans und in der Tat macht sie einen recht entspanten Eindruck.

Der Head of Press erklärt, der schwarze und silberfarbene Halsschmuck hätte traditionelle armenische Elemente und sei als Kontrast gedacht. Zum Backdrop sagt Sacha, die auch schon letztes Mal die Bühnenshow für Armenien entwickelt hat, der Song ist sehr originär mit sehr zeitgemäßen Elementen ausgestattet. Idee für die Performance war es daher, Traditionen von gestern und morgen zu mischen und für viel Kontrast auf der Bühne zu sorgen. Sie ist superhappy mit dem Ergebnis. Auf den LEDs sind zahlreiche armenische Ornamente zu sehen.

Fragen und Antworten dauern immer etwas wegen der Übersetzung, meines Wissens ist Artsvik neben Joci Pápai die einzige, die sich eines Übersetzers bedient. Nun werden die Ornamente näher erklärt. Darunter sind auch alte Zeichnungen von Vögel, darunter auch ein Adler. Eine Weißrussin im Schlauchkleid und mit Haarschmuck (Miss Belarus?) fragt auf Russisch und hat auch einen eigenen Übersetzer dabei (!), man fühlt sich nun wie bei den UN. Fragen auf Russisch, Antworten auf Armenisch und am Ende Lost in Translation… es geht wohl um den Werdegang des Pressemenschen, der zuvor in einem Restaurant gearbeitet hat. Aber dann hätte die Musik gesiegt…

Etwa 50 Fanjournalisten und die armenische Delegation bevölkern den für mehrere Hundert ausgelegten Saal. Artsvik spricht nun über Essai Altounian, Mitglied von Genealogy, der sie beraten und betreut hat seit der Vorentscheidung und ihr auch bei der Liedauswahl geholfen hat (ich habe es aber so verstanden, dass er ihr Songs geschickt hat, die sie abgelehnt hat). Mit der Nervosität auf der Bühne kann sie gut umgehen, meint sie.

Zum Schluss wird natürlich noch ein wenig gesungen.

 

Slowenien: Omar Naber

Omar kommt mit Head of Delegation, Head of Press und seinem Co-Komponisten.

Omar sagt, er war ja schon mal hier und die Stadt sei nun viel schöner geworden. Das ist der Moderatorin mit der Schneckenfrisur zu platt, er soll das etwas konkretisieren. Er spricht dann aber schnell darüber, wie sich der ESC entwickelt hat („Bigger and Bigger“). Nun geht es um die Probe. Omar ist zuversichtlicher als nach der erste Probe, er hatte wohl Probleme mit dem In-Ear, die nun abgestellt sind. Er sagt, er braucht die vielen Proben, es wird am Ende perfekt werden. Alles wird gut.

„Ich habe gelernt, je weniger ich mich bewege, desto besser ist es“, sagt er. Er hat tatsächlich die gleiche Kostümdesignerin wie vor 12 Jahren! Sie weiß alles über ihn und hat etwas Hübsches entworfen (da ich die Probe nicht gesehen habe, weiß ich nicht, worauf sie sich hier beziehen). Jemand fragt nach seiner Herkunft, sein Vater ist Jordanier und Omar ist wohl häufiger dort zu Gast. Er versteht Arabisch, kann es aber nicht gut sprechen, findet sich aber zurecht: „Mich kann niemand für Kamele verkaufen“.

Und jetzt singt er Arabisch. Klingt überraschend gut! OGAE Italia fragt nach dem Revamp. Die aktuelle Version ist moderner und dynamischer, antwortet Omar. So kann er mehr Emotion in drei Minuten packen, daher war die Wahl zwischen den Versionen nicht schwierig. „Ohne guten Song und Stimme kann man hier nichts erreichen, aber man braucht auch Selbstvertrauen. Ich wäre nicht hier, wenn ich nicht an meinen Song glauben würde.“ Ein slowenischer Journalist (Jan, den wir auch in unserer Presseumfrage hatten) fragt nach der slowenischen Version, die kürzlich veröffentlicht wurde. Der Text auf Slowenisch verändert wohl die Aussage etwas. Omar glaubt, dass die Slowenen die slowenische Version mehr mögen.

Und natürlich singt er sie nun auch an. Hübsch.

Der Song wurde schon vor zehn Jahren geschrieben, warum musste er so lange herumliegen? Er fühlte sich mit 25 Jahren einfach nicht reif genug für den Song und er hatte damals nicht das richtige Arrangement dafür. Jetzt mit 35 Jahren war die Zeit reif. Blair aus Australien fragt, welche Musicalrolle er gerne spielen würde, weil sein Song doch einen gewissen Broadway-Appeal ausstrahlt. Er hat das schon öfters gehört, hat aber ÜBERHAUPT NICHTS mit Broadway-Musicals am Hut. Kann daher auch nicht antworten… er mag Musicals und Disney-Soundtracks, aber er ist nicht daran interessert und er wird davon in keiner Weise beeinflusst oder inspiriert.

Werden die jungen Dinger gewinnen oder ein erfahrener gereifter Künstler wie Omar, fragt jemand aus der Ukraine. So alt bin ich doch noch nicht, sagt Omar. Wir sind hier auf dem gleichen Level mit dem Nachwuchs, meint er. Aber er sieht schon kleine Vorteile für die Erfahrung, denn er weiß ja, wie es geht. Und dann folgt noch eine dritte Gesangseinlage. Diesmal „On my way“. Wenn das so weitergeht singen die Interpreten in der Pressekonferenz glatt mehr als in der Probe.

Es geht wirklich Zack-zack hier, ohne Pause. Miss Belarus im Schlauchkleid kommt für die nächste Session auf dem Tretroller angerollt.

Wenn sich doch nur alle Pressekollegen derart stilvoll kleiden würden. Die Farbe des Tretrollers hat Julia auf ihr elegantes Outfit abgestimmt. Großartig, I love Belarus!

 

Lettland – Triana Park

Agnese mit ihren Bandkollegen trifft ein und der Saal leert sich schlagartig, offenbar ist die Fanpressemeute an Lettland nicht sonderlich interessiert. Dabei bieten sie doch so attraktive optische Anreize.

Agnese erzählt, sie (die Delegation) wären insgesamt 15 Leute und stellt ihre drei Bandkollegen vor, darunter auch den sexy Drummer. Man hat ihr schon gesagt, man müsste das Spotlicht nicht so sehr auf sie werfen, weil sie langweilig sei und viel mehr den sexy Drummer inszenieren. Der räkelt sich neben ihr im Sessel und gibt ihr aber sofort das Sexy-Kompliment zurück. Wir hätten nichts dagegen, mehr von dem Drummer zu sehen.

Agnese trägt ein Nietenkleid und hochsohlige Stümpfe an den Füßen. Die zweite Probe sei prima verlaufen, es gab kaum Nachfragen seitens der Letten im Viewing Room. Colourful, spacey, alles wäre prima. Die Schuhe waren wohl umstritten, aber jetzt habe sie sich durchgesetzt. Die Message lautet einfach: Habt Spaß. Poor Joy. Das sei doch genug. Sie fühlen sich fertig und gut vorbereitet für die ESC-Bühne.

Fragen aus dem dezimierten Auditorium: Es geht um die Live-Erlebnisse. Sie sind ja eine Live-Band, die einzige in den Semifinals (? und eigentlich performen sie lieber live auf Konzerten, aber sie verstehen natürlich die speziellen Anfoderungen einer solchen großen Show. Sie connected sonst gern und animiert das Publikum, der Drummer meint „Stage Diving!“. Aber hier werde man das nicht tun.

Ihre fünf Versuche im lettischen Vorentscheid werden angesprochen. Aufgeben kam für uns nie in Frage, sagt Agnese. „Wenn ihr nicht mehr mitmacht, singe ich allein“, hieß ihr Motto. Sie ist wohl sehr hartnäckig und dickköpfig und hätte auch weitergemacht, wenn es diesmal nicht geklappt hätte (penetrante Vorentscheidungsheimsucher kennt man ja auch anderweitig aus dem Baltikum).

Diese Bilder benötigen eigentlich keine Bildunterschrift, aber wenn wir eine setzen müssten, würde sie „Rrrrrrrrr“ lauten

Hervorragende Frage von Miss Belarus: Wie viel Perücken hat Agnese eigentlich? Unzählige, sie weiß es nicht, sie hat aufgehört zu zählen (womöglich hat sie eine Lagerhalle dafür angemietet). Gelb, Pink und Schwarz gehören wohl zu ihren Favoriten. Agnese dominiert die PK, gelegentlich dürfen ihre Bandkollegen auch etwas einwerfen. Sie hat die Truppe im Griff.

Nun wird Marie N angesprochen und „Wir würden den ESC gern wieder nach Riga bringen“, sie selbst bezeichnen sich übrigens nicht als „alternative“, sie werden von allen möglichen Musikfans gemocht, sie denken eben nicht in Schubladen. Let’s celebrate diversity.

Die letzte Startnummer sehen sie als Ehre, es werde eine spektakuläre Semi-Show, und sie freuen sich, die Show zu beschließen. Das Staging sei fantastisch, sie lobt die Organisation in der ESC Bubble. Sie fühlen sich insgesamt sehr gut betreut.

Und nun wird gesungen – und zwar „Sons and Daughters“, einen aktuellen Song ihrer neuen CD, erhältlich über die lettische Delegation. Hihi, jetzt hat sie glatt den Text vergessen und lacht sich scheckig darüber… Prima Song, mehr Middle-of-the road als „Line“, die Jungs greifen in die Gitarre und der Drummer zuckt sehr ansprechend dazu mit seinen Oberschenkeln. Agnese singt mehr als eine Minute lang und hat richtig Spaß dabei. Kleine Jam-Session. Dafür überziehen wir doch gerne.

Zwischendurch muss die Moderatorin ihre Schneckennudelfrisur richten lassen, aber dafür gibt es natürlich einen willfährigen Helfer:

 

Serbien: Tijana

Nun eine unserer Enttäuschungen aus der ersten Probe: Tijana hat sich umgezogen und trägt etwas, was ich als metallhaltiges Folklore-Babydoll bezeichen möchte. Es wird voll, weil sie gleich sechs Personen mitgebracht hat: Backing Sängerinnen, Komponist etc. es gibt anscheinend keine Begrenzung für Menschen auf der PK-Bühne.

Tijana erzählt von einer City-Tour mit dem offenen Bus (sie meint wohl den Roll-on-roll-off-Hop-on-Hop-off-Touribus, der bei uns um die Ecke abfährt). Die Schneckennudelige fragt sie nun nach möglichen Änderungen in der Performance, offenbar sind Kameraeinstellungen geändert worden und Tijana musste neue Blickwinkel lernen. Ihre Eindrücke sind aber gut.

Zum Staging: Muss man doch gar nicht weiter erklären, meint der Stage Director Serbiens, es ist eben ein Love Song, also starten wir langsam und bauen dann mehr Emotion auf. Fertig. Tijana liebt ihren Song (Ach?), ihre Erwartungen sind natürlich eine Finalqualifikation. Sie wird sich dann in der Sieger-Semi-PK weiter äußern zu den Erwartungen im Finale. Na, da sehe ich sie aber noch lange nicht sitzen…

OGAE Serbien fragt nun nach dem Kleid und ob sie beabsichtigt habe, angesichts des Wasser-Settings wie eine Qualle auszusehen!!! Schöne Frage, sehr nüchtern und ernsthaft gestellt. Sie nennt den Namen einer bekannten serbischen Designerin und ist etwas indigniert, aber meint, nein, das sei nicht beabsichtigt. Mittlerweile hat sie ihr serbisches Fähnchen ganz eng zusammengerollt, ist sie doch nervös?

Hat sie noch Kontakt zu Nina, für die sie Backing in Düsseldorf war? Aber ja, sie hat ihr Glück gewünscht, Nina lebt mittlerweile in Australien, aber sie hat ihr gratuliert. Auch von Sanja Vucic habe sie Tipps bekommen. Ein deutscher Fanjournalist fragt, ob sie nicht etwas vorsingen möchte. Aber ja, wir warten schon auf diese Frage, sagt Tijana.

Sie singen „In Too Deep“ nun acapella und es hört sich harmonisch an. Hübsch, womöglich ist das PK-Setting mit den Sofas ein besseres Staging als das Qualle-im-Wasser-Konzept? Der Delegationschef erklärt nun, man habe Songs gesichtet und Tijana wäre mit Abstand die bestmögliche Wahl in diesem Jahr gewesen.

Jemand hat ausgegraben, dass Tijana vor 17 Jahren eine dunkle Hip-Hop-Vergangenheit hatte. Sie reagiert entzückt: „Wo hast Du das denn her?“ und bekennt, sie war als Teenager tatsächlich in einer Dance-Hip-Hop-Gruppe. Darüber sei sie aber lange hinausgewachsen. „Wenn Du Musik liebst, magst Du Dich nicht limitieren“, sie hat sich eben weiterentwickelt.

Das war der erste Block an PKs – hier folgt nun gleich Österreich mit unserem kleinen Prinz Nathan, aber dafür haben wir einen eigenen Blogbeitrag (Probe und PK zusammen) von Marc und zwar hier.