ESC 2017: Pressekonferenzen mit Kasia, SunStroke Project, Svala, Martina und Hovig

Der letzte Block der Pressekonferenzen ging eben zuende. Den Anfang machte die Polin, die uns mit der Taschenlampe leuchtet. Dann folgten die Künstler aus Moldawien, Island, Tschechien und zum Schluss Hovig aus Zypern.

Kasia Moś war zufrieden mit der Probe, vor allem der zweite Durchgang sei gut gelaufen. Gegenüber der ersten Probe habe man die Kameraeinstellungen ein wenig verändert – und natürlich habe man das Kleid gewechselt. Die Visuals seien jetzt auch etwas dunkler.

Das Kleid sei femininer, sagte Kasia – sie fühle sich darin auf der Bühne besser, darum werde es das dann wohl für das Semifinale werden. Ihre Mutter habe dabei geholfen, das Kleid zu schneidern – ihre Mutter habe quasi das Design gezeichnet und danach wurde es entsprechend hergestellt, sagte Kasia.

Sie mache immer wieder gern mit – letztes Jahr war sie beim polnischen Vorentscheid ja auch schon dabei – weil sie den ESC als wichtige Plattform sieht, um ihre Musik zu verbreiten und eine größere Zuhörerschaft zu gewinnen. In ihrer Kindheit hörte sie viel Pop: von Michael Jackson bis Backstreet Boys. Aber vor allem Alicia Keyes war ein wichtiges Vorbild als Jugendliche.

Sie findet es etwas schade, dass jetzt alle Künstler in verschiedenen Hotels wohnen. Bei den Pre-Shows habe sie sich mit einigen ESC-Teilnehmern von diesem Jahr angefreundet, zum Beispiel Alma. „Aber ich hoffe, dass wir uns doch noch mal alle treffen und nett zusammensitzen.“

Wo der ESC in Polen stattfinden würde, falls Kasia gewinne? Da fängt man auf der Bühne an zu diskutieren. Einer von der Delegation schlägt das Stadion in Warschau vor. „Nein, nein, bloß nicht das Stadion“, widerspricht Kasia. Ihr Bruder meint: „Es gibt eine große Arena in Katowice, wo man das gut machen könnte.“ Das Delegations-Mitglied: „Wir haben uns da natürlich nicht festgelegt, aber seid sicher: Wenn wir gewinnen, werden wir einen tollen Ort für das Event finden. Und es wird großartig werden!“

Kasia wird natürlich nach ihrer Zusammenarbeit mit ihrem Bruder gefragt. Es ist offenkundig eine recht fruchtbare Arbeit, „er hat natürlich große Erwartungen und ich hab immer Angst, dass er mir mit seinem Geigenstab über den Kopf haut, wenn ich die Töne nicht treffe“, sagt Kasia scherzend. „Ich hoffe, er macht das nicht mitten in der Show hier auf der Bühne“, lacht sie.

Spür sie gewissen Druck, nachdem Michal Szpak letztes Jahr so gut für Polen abgeschnitten hat? „Ja, in gewissem Sinn schon. Michal hat eine tolle Stimme, er ist ein toller Künstler. Ich will mich nicht mit ihm vergleichen, weil wir zwei völlig unterschiedliche Künstler sind. Aber klar, ich weiß, wie erfolgreich er voriges Jahr war. Mein Ziel ist erst mal,ins Finale zu kommen. Und ich weiß, das wird schwer, denn hier sind so viele gute Künstler. Und ein paar müssen nun mal im Semifinale ausscheiden und verlieren…. Obwohl“ – sie überlegt kurz – „Verlieren ist das falsche Wort. Hier ist niemand Verlierer, wir sind alle Gewinner, weil wir hier sind und unser jeweiliges Land vertreten.“ Dafür gibt’s dann Applaus im relativ leeren Pressekonferenz-Saal.

 

Sunstroke Project aus Moldawien sind mit ihren drei „Bräuten“ zum Pressetermin gekommen. Die drei haben auch schon ein bisschen was von Kiew gesehen, anders als die Jungs, wie sie verraten. Sie fühlen sich gut auf der Bühne, sagen sie: „Naja, wir waren ja schon beim ESC in Oslo 2010 – wir kennen das ganze ja schon, und da macht uns eine so große Bühne keine Angst mehr“, so Sergej.

Der Unterschied zu 2010? „Ach, da ist keiner so richtig. Klar, damals waren es zwei Acts, die sich zusammentaten – Olia Tira und wir – und diesmal machen wir das allein. Aber wir sind ja nicht allein auf der Bühne… wir haben doch diese drei Schönheiten mit dabei“, sagt Sergej auf die drei Mädels neben ihm zeigend.

Die Standardfrage nach dem Lieblingslied von ESC wird unterschiedlich beantwortet: Sergej nennt „Euphoria“, die anderen beiden geben „Molitva“ und „Fairytale“ als Antwort. Von diesem Jahr hat Sergej vor allem „I can’t go on“ im Kopf: „Das geht einem ja auch sofort in die Ohren und bleibt hängen… I can’t go on, I can’t go on…“

Dann werden die sechs aufgefordert zu einem Wettkampf: die Mädels gegen die Jungs. Erst singen die drei Bräute wunderbar zusammen „Mamma“, aber Sergej beweist, dass er auch sehr gut bei Stimme ist. Damit endet die PK auch schon.

 

Nun ist Svala aus Island an der Reihe. Sie fühlt sich gut und die Probe sei gut verlaufen. „Ich bin total zufrieden.“ Das Kleid soll Hoffnung und Zuversicht ausstrahlen – genau wie das Lied – und sie hatte darum ziemlich genaue Vorstellungen darüber, was sie auf der Bühne tragen wollte. Ihre Musik und ihre Kleidung hingen durchaus miteinander zusammen. Sie sehe sich aber schon eher als Songwriter und Sängerin, obwohl sie auch eine eigene Modelinie habe.

Dann wird es etwas ernsthafter. Laufey aus Island fragt nach einem Unfall, den Svala vor ein paar Jahren hatte. „Ja, das war ein fast tödlicher Autounfall – und sowas verändert natürlich deine Sichtweise aufs Leben. Es war ziemlich dramatisch, wir waren schwer verletzt und im Krankenhaus. Es ist ein Wunder, dass wir überlebt haben. Es war ein Crash mit einem anderen Auto, wir mussten aus unserem Auto geschnitten werden… es war ziemlich schlimm. Das ändert dein Leben total. Ich nehme heute Sachen viel gelassener, denn im Grunde ist vieles in deinem Leben gar nicht so wichtig wie das Leben selbst.“

Sie macht sehr viel – Musik, Mode… woher hat sie all die Energie dafür? „Wenn du die Sachen liebst, die du machst, dann sind 24 Stunden fast nicht genug für einen Tag. Ich arbeite viel, wir sind Workaholics, aber es macht einfach so viel Spaß, dass ich es nicht als Mühe oder Arbeit empfinde.“

„Paper“ sei ein sehr persönliches Lied, sagt Svala. Auch das Video hätten sie und ihr Ehemann gemeinsam entwickelt. „Das ist im Grunde alles unser, und dieses Persönliche sticht natürlich irgendwie heraus. Mir haben beim ESC immer die Sachen gefallen, die durch Persönlichkeit herausstachen, bei denen man merkte, dass der Künstler total dahintersteht oder Teil des ganzen ist und nicht einfach nur ein Lied runtersingt.“

JP von Radio International fragt nach ihrer Arbeit als Judge bei The Voice. „Ach, das macht total Spaß“, sagt Svala. „Ich entscheide da einfach nach der Stimmfarbe, es ist egal, wie alt jemand ist oder wie man aussieht, es ist wichtig, dass man große Lust hat zu singen. Das spürt man, wenn jemand voll dahinter steht. Und da sind so viele tolle Talente. Es macht einfach Spaß, ein Teil von The Voice zu sein und die vielen jungen Leute zu sehen, die mit viel Begeisterung an die Sache rangehen.“

Eine spannende Info noch zum Schluss: Svalas Vater Björgvin („Bo“) Halldórsson, der Island 1995 beim ESC vertrat („Núna“), wird für Island die Jurypunkte verlesen.

 

Martina Bárta aus Tschechien gestand, dass sie bei der zweiten Probe nervöser war als bei der ersten Probe. „Wir hatten genug Zeit, über das Staging zu sprechen, wie wir die Emotionen rüberbringen, und wir haben das Staging verbessert. Und das Kostüm… ach, ich LIEBE das Kostüm! Meine Idole sind David Bowie und Prince, und ich liebe es, wie sie mit Mode spielen, und genauso wollte ich das auch haben. Ich bin total zufrieden, wie es geworden ist. Sieht toll aus!“

Und ihre Jazz-Favoriten? „Ach, das sind so viele. Miles Davis, Ella Fitzgerald, Oscar Peterson, Chet Baker ….“ Martina gerät ganz ins Schwärmen und redet wie ein Wasserfall. „Ach, so viele tolle Künstler. Und der portugiesische Sänger, der erinnert mich total an Chet Baker. Ich freue mich so riesig, dass Salvador Sobral dabei ist. Er ist so toll. Seine Musik ist so großartig. Das passt zum Motto Celebrate Diversity.“

Es gebe in diesem Jahr viele Balladen beim ESC – was mache „My Turn“ speziell, fragt ein Journalist. Da weicht Martina eher aus und erzählt was von den drei Minuten, in denen man abliefern müsse: „Es ist dann egal,ob du gut geschlafen hast oder sonst was. Die drei Minuten zählen, du hast nur die eine Chance.“

Ich frage sie, warum sie nach Berlin gezogen ist und was ihr die Stadt gibt. „Ehrlich gesagt: Ich bin nach Berlin gegangen, weil ich mich in Prag beworben hatte fürs Studium und nicht angenommen wurde. Da hörte ich von einem Freund von der Universität der Künste (UdK) in Berlin, und dann hab ich mich da beworben. Berlin ist wirklich toll, eine unglaublich lebhafte Stadt. Und so wild, jede Ecke von Berlin ist anders. Ich entdecke eigentlich jedes Tag was Neues, und ziehe da Erfahrungen daraus. Berlin ist wahnsinnig spannend.“

 

Hovig ist mit seinem ganzen Team zur PK gekommen: mit den beiden Tänzern, mit Head of Press und natürlich der Delegationschefin. Er sagt, dass „Gravity“ speziell für den ESC von Thomas G:son geschrieben wurde (was anderes hätte uns auch überrascht… 😉 )

Thomas sei vom zyprischen Fernsehen gebeten worden, für Zypern den diesjährigen Beitrag zu schreiben – vermutlich auch, weil es voriges Jahr mit einem G:son-Lied ganz gut lief für die Mittelmeerinsel. Hovig glaubt, dass „Gravity“ heraussteche – „das Lied hat einen besonderen Sound, der ihn von anderen Uptempo-Songs hier beim ESC unterscheidet.“ Das Lied sei auch speziell für ihn geschrieben worden.

Sein großes Idol ist Joe Cocker. „Ich liebe ihn und seine Musik. Die hab ich schon als Kind gehört, die hat mich inspiriert.“ Außerdem die Musik von Michael Jackson und Stevie Wonder (zwei Namen, die hier bei den Pressekonferenzen immer wieder fallen). Er spüre durchaus auch griechische und armenische Elemente in seiner Musik (er hat ja armenische Wurzeln). Eine griechische Version von „Gravity“ gebe es bisher nicht, „aber eigentlich wäre das ne coole Idee“, meinte Hovig.

Damit endete der heutige Tag im Pressezentrum. Morgen geht es weiter mit den zweiten Proben von Semifinalisten – und endlich sehen wir auch die Big5 und die Ukraine auf der Bühne.