ESC 2017: Pressekonferenzen mit Kristian, Fusedmarc, Koit, Laura und Imri

Zeit für die allerletzten Pressekonferenzen der Halbfinalisten: Bulgarien, Litauen, Estland und Israel.

Kristian ist ja hier ein Mitfavorit. Dessen ist er sich sehr bewusst. Seine Managerin und der Head of Delegation betonen, dass man weiter am Aufbau von Kristians Karriere arbeiten wird – egal, wie es hier in Kiew ausgeht.

Die Probe sei prima verlaufen – Änderungen sind nicht mehr vorgesehen. Zur Zusammenarbeit mit ausländischen Komponisten kommt keine überraschende Antwort – Musik ist universell und kennt keine Grenzen. „Beautiful Mess“ sei für Kristian speziell geschrieben worden, behauptet Mit-Komponist Borislav.

Zus einer Zusammenarbeit bei „The Voice of Russia“ mit Dima Bilan sagte Kristian, dass er von dem ehem. ESC-Sieger wahnsinnig viel gelernt habe. Die Begegnung mit dem russischen Megastar sei von unschätzbarem Wert für seine weitere Karriere.

Ohne weitere Fragen geht die PK zu Ende. Kristian wundert sich über die Zurückhaltung gar nicht – er habe in den vergangenen Tagen und Wochen so viele Interviews gegeben, dass eigentlich keine Fragen mehr offen sein könnten. Stimmt auch wieder!

Weiter geht´s mit Fusedmarc aus Litauen. Die Standardfragen zu den Kiewer Sehenswürdigkeitn und dem ukrainischen Essen gehen einem langsam ein wenig auf die Nerven, weil eigentlich auch fast alle das Gleiche antworten…

Wird es eine litauische Fassung des Songs geben? Nein, das würde künstlich wirken – der Song sei in englisch geschrieben worden und einen Text könne man auch nicht so 1:1 übersetzen.

Jetzt eine seeeeeehr theoretische Frage nach einem möglichen Sieg in Kiew. Wenn man den ESC ausrichten müsste, würde man sich Tipps in der Ukraine holen und es dann noch besser machen. Nicht sehr nett…

Sängerin Viktorija wird zu ihren unglaublich langen Fingernägeln befragt. Sie hat sie sich nur für den ESC machen lassen – im richtigen Leben könne man ja wohl kaum mit sowas rumlaufen! Angst vor der großen Publikumsmenge hat sie nicht – sie hat nur Bedenken, dass sie mit ihrer Botschaft nicht genügend Menschen erreicht. Ja, das könnte wohl passieren, denke ich…

Der Song würde hier in Kiew neu geboren werden und nie mehr von dieser Welt verschwinden. Ein Song sei ein Prozess von Geurt und Wiedergeburt und Wiedergeburt usw.. Finde ich nur ich solche Aussagen verwirrend? Viktorija ist schon eine etwas merkwürdige Person. Entgegen ihrer Bühnenperformance doch eher introvertiert, leise und ein wenig entrückt. So richtig Spaß scheint sie hier nicht zu haben – aber vielleicht täusche ich mich auch nur und sie ist von der Pressekonferenz genervt.

Fusedmarc sind hier, um zu gewinnen, wie jeder andere auch. Falls das klappt, wäre die Band praktisch wiedergeboren (noch eine Wiedergeburt….). Also, Viktorija ist nicht ganz von dieser Welt, glaube ich. Bisweilen leicht merkwürdige Gedankengänge und lange Pausen zum Nachdenken. Eine solch schleppende Pressekonferenz habe ich lange nicht erlebt.

Wie auch immer – weiter zu den unglücklich Liebenden aus Estland. Laura trägt eine Blumenkranz aus Plastik im Haar, sehr hübsch! Beide sind sehr zufrieden. Alles sei viel besser gelaufen als beim ersten Mal. Laura hat im Viewingroom an ihre Oma denken müssen, die bestimmt weinen muss, wenn sie ihre Enkelin auf der Bühne sieht.

Manche Fragen sind wirklich seltsam. Natürlich sei „Verona“ keine Werbung für den intalienischen Song, meint Koit. Er sei entstanden, als der Komponist im vergangenen Jahr Urlaub in der Toskana gemacht hat.

Laura ist Vorsitzende der estnischen Jazz-Union und berichtet über ihre Tätigkeiten dort, die von Organisation von Jazz-Festivals bis zu eigenen kleinen Konzerten reichen.

Beide genießen es, bei ihrem zweiten ESC als Duett aufzutreten. Für Koit ist hier in Kiew alles doppelt so groß wie seinerzeit in Birmingham. Es kommt ihm vor, als sei das hundert Jahre her und der ESC habe sich so unglaublich weiterentwickelt, dass ein Vergleich fast unmöglich sei. Suntribe, mit denen Laura 2005 schon dabei war, gibt es nicht mehr. Aber sie trifft die Mädels von früher noch gelegentlich, Estland sei ja schließlich klein und man laufe sich ständig über den Weg.

Sie waren offenbar wirklich total überrascht, dass sie Eesti Laul gewonnen haben. Das berühmte Foto von der Siegerverkündung zeige das mehr als deutlich.

Als letzter war Imri dran. Er war heute ebenfalls zufrieden. Vieles lief besser als beim ersten Mal. An dieser Meinung ließ er auch nicht rütteln, als ein israelischer Journalist kritisch nachfragte. Böse Blicke aus der Delegation für den Landsmann waren die Konsequenz für den armen Mann…

Nach zwei Teilnahmen als Background-Sänger wollte Imri unbesingt als Leading Act zum ESC. Man könne süchtig nach diesem Wettbewerb werden. Und es sollte auf alle Fälle ein Partysong sein. „Golden Boy“ war ja auch ein größerer Erfolg als „Made of stars“ und er hoffe, auch die TOP 10 zu erreichen wie Nadav Guedj vor zwei Jahren.

Er fände es schade, dass so viele Länder ihren Chor verstecken. Man könne doch wunderbar interagieren und für ihn käme das gar nicht in Frage. Außer, man gebe sich mit der lebenslangen Rolle als Chorsänger zufrieden. Aber eigentlich möchte doch jeder ins Rampenlicht – bei ihm sei das jedenfalls so.

Zum Schluss lud Imri noch zur Israelischen Party am Montag in den Euroclub ein – die ist allerdings wirklich immer legendär und sehr gut besucht. Wir kommen gern!

Man muss sagen, dass die PK´s bisweilen wirklich etwas zäh sind. Das meiste ist zu diesem Zeitpunkt bereits gesagt und wird für neu angekommene Journalisten nochmals heruntergebetet. Man sollte sich mittelfristig vielleicht einmal überlegen, diese Termine auf eine PK pro Delegation zu beschränken. Der Erkenntnisgewinn ist nämlich oftmals ein sehr übersichtlich.