ESC 2017: Pressekonferenzen mit Slavko, Norma John, DiHaj, Luísa und Demy

Nun folgt Teil 2 der schneller getakteten Pressekonferenzen von Montenegro quer über den Kontinent und wieder zurück bis Griechenland. Schauen wir, ob Montenegro zufrieden ist mit seiner zweiten Probe und ob Luísa Neuigkeiten von ihrem Bruder preisgeben wird.

 

Slavko und seine drei Chorsänger starten mit einem kleinen acapella-Schnipsel in ihr zweites Presse-Meeting. Klingt noch nicht ganz sauber, aber eine gute Einstimmung. Akklimatisiert hat sich die Delegation auch schon. Sie haben Kiew besichtigt, Slavko hat sich in Parks und die ukrainische Küche verliebt.


Die zweite Probe lief wesentlich besser als der Montag. Technische Probleme mit den In-Ears und Echos aus der Halle sind weitgehend überwunden, scheint es. Seine Erfahrung auf Bühnen auf dem Balkan hilft ihm dabei. Er erzählt, dass er eigentlich Schauspieler, nicht Sänger oder Tänzer sei. Obwohl dies eine der größten Bühnen sei, und technisch eine der aufwendigsten der Welt.

Sein Choreograph und die Backings sind alle aus Serbien. Und er wird auch gefragt, ob er viel Unterstützung aus den Nachbarstaaten erwartet. Natürlich hofft er auf eine Finalteilnahme, und dort auf den Support aus Serbien, Kroatien und anderen Ländern.


Seinen Dank an die Journalisten verpackt er in eine zopfschwingende Choreographie, die er extra für die PK vorbereitet hat. Sehr experimentell, die Leute klatschen aber und die Moderatorin ist „speechless“. Das ist wirklich „Celebrate Diversity“. Slavko ist sehr wandlungsfähig – erzählt von seinen bisher sechs Filmrollen und auch von seinem aktuellen Outfit. Um es klarzustellen: Es sind extensions (ach was). Support bekommt er von allen Seiten – am wichtigsten sind ihm seine Mutter und seine vier Schwestern.

 

Norma John kommen ohne weiteren Begleitsupport aus der Delegation. Auch sie sind natürlich schon herumgekommen, und auch sie sind von den Parks sehr angetan. Kiew soll eine der grünsten Städte Europas sein.

An der Präsentation haben sie vor allem etwas am Licht geändert. Die Garderobe ist dieselbe, und auch die Farben – erklärt Lasse – bleiben unverändert. Eine schöne Mischung aus kaltem Blau und warmen Rot.


Sie werden gefragt, ob sie Marion Rung schon mal getroffen haben – was aber nicht zutrifft. Die beiden brauchen aber auch nicht wirklich viele Ratschläge, scheint mir. Sind sehr sicher und haben eine tolle Ausstrahlung zusammen. Obwohl das Lied und auch der Text mit dem Blackbird sehr traurig sind. Traurigkeit ist einfach ein Teil, eine der Episoden des Lebens, und dennoch wohnt in ihr immer etwas Positives inne, meint Lasse.

Ob es schon Pläne für hinterher gibt? Momentan stehen sie noch ohne Plattenlabel da (Lasse schaut augenzwinkernd in die Menge). Aber sie wollen versuchen, dies zu ändern und ihre Musik weiter zu verbreiten. Inspiration bekommen sie aus vielen Dingen des Lebens, auch Filmen oder TV-Shows, wie Leena meint.


Joni Mitchell und Tori Amos sind ebenfalls große Quellen der Inspiration für die beiden, sie gehen ganz offensichtlich mit offenen Augen und Ohren durchs Leben und nehmen viele Eindrücke auf.

Interessanterweise erwarteten sie, dass der ESC nur superhektisch und stressig würde, aber es sei tatsächlich so schön und freundlich, dass ebendas eher überwiege. Sie schaffen die ganzen Termine wohl ohne gestresst zu sein, freuen sich über sehr viele der anderen Beiträge. Portugal allerdings sei der Song, der Lasse fast zum Weinen bringt, sagt er. Wenn er weiter drüber spreche, könnte es feuchte Augen geben. Das wollen wir ihm jetzt hier nicht wünschen.

 

DiHaj mit einer der ausgefeiltesten Bühneninszenierungen dieses Jahrgangs ist als Nächste am Zug. Die Probe lief gut – und es wurden nur ein paar Dinge minimal verändert. Sie sind superhappy.

DiHajs andere Bandmitglieder sind da, um sie zu unterstützen (DiHaj ist eigentlich eine ganze Gruppe, hier tritt aber nur deren Frontfrau Diana auf). Sie sehen eine Inszenierung, wo jedes einzelne Stück perfekt ineinander greift. Alles funktioniert wie ein Uhrwerk, beschreibt DiHaj die Arbeitweise ihres Teams. Was auf der Bühne passiert, ist alles sehr ausgewogen, wird auf eine Frage von wiwibloggs reagiert. Das neue Album, nebenbei bemerkt, kommt demnächst raus.


Zu den Symbolen auf der Bühne: der Mann mit der Pferdemaske steht für einen bösen Charakter, mit einer tiefen psychischen Distanz zur Künstlerin. Auch wenn dies am Ende dann aufgelöst wird in einer Art Befreiung – insgesamt handele das Stück von einer selbstzerstörerischen Beziehung. Tiefere gesellschaftliche oder politische Bedeutung sollte man dieser düsteren Performance also nicht zumessen (komisch, dass man bei manchen Ländern unterschwellig immer solche Erwartungen hat….). Zuhause in Aserbaidschan sind die Reaktionen sehr positiv, viel gutes Feedback in den Social Media, und viel Unterstützung für diesen ausgefallenen Song.


Am Ende bekommt Deban von wiwibloggs auch den Preis für die beste Frage aus dem Plenum. In Wien war das ja noch der PRINZ-Blog gewesen 😉

 

Luísa Sobral ist wieder allein da, auch niemand sonst aus der Delegation. Sehr wenige Leute von der Presse im Raum (wundert mich). Sie hat sich schick gemacht, weil sie ja gefilmt und online gestellt werde. Props und Knalleffekte wird es keine geben – nicht dass dies eine Überraschung wäre, nur der Vollständigkeit halber.


Das Lied hat sie geschrieben, ohne einen Wettbewerb im Kopf zu haben, aber einfach für sich und ihren Bruder. Es trägt ihren Stil, passt aber besser auf seine Stimme sagt sie. „Wir hätten niemals gedacht, dass wir gewinnen“. Das Lied ging aber nach dem FdC viral, wurde ein Riesenerfolg, und „das Lied wurde dann zum Lied der Leute“, erläutert sie.

Es geht um unerwartete Liebe. Er liebt sie noch, sie ihn nicht mehr, aber seine Liebe ist so groß, dass er für beide lieben kann. Eurovision.de fragt, ob sie das Lied singen wird, wenn er am Montag zur Generalprobe nicht hier sein kann. Nein, das sei kein Thema, es gehe ihm aktuell gut, er könne einfach nur nicht 15 Tage weg sein aus Portugal.


Tjabe fragt, ob es hier Parallelen zu einer historischen Liebesgeschichte aus dem Portugal des 14 Jhd. gibt, doch das verneint sie und weist nochmal auf den Inhalt hin, den sie zur unerwiderten Liebe geschildert hatte.

 

Demy hat ihre Tänzer sowie Fokas und Dimitris mitgebracht (die brauchen wir wohl nicht mehr vorstellen!) Der Song beleuchtet alle Facetten, die Liebe bedeuten kann. Demy wird ganz emotional, als sie beschreibt, wie Fokas, Dimitris und sie an dem Lied und der Umsetzung gearbeitet haben.

Demys Bühnenname entstand eher zufällig, als zu Anfang ihrer Sangeskarriere ein youtube-Video hochgeladen werden sollte, und sie nicht wollte, dass es mit ihrem Jurastudium Probleme geben könnte. Spontan nahm sie also ihren Kosenamen und lud es als Demy hoch.


Sie ist sich bewusst, dass das Team um Sergey aus 2016 jetzt ihr Team sei, fühle aber deswegen keinen größeren Druck. Überhaupt kennt sie sich in Sachen ESC ganz gut aus, sie mag auch vergangene Beiträge aus Hellas, und erwähnt exemplarisch „I anixi“ von Sophia Vossou. Ein Duett würde sie aber lieber mit Bruno Mars singen!


Liebe sollte keine Grenzen kennen; man sollte die Menschen im Umfeld lieben, ohne Unterschiede zu machen – und sich selbst zu lieben, sei die Voraussetzung dafür. Es ist bekannt, dass Demy sich sehr gegen Diskriminierung einsetzt.


Sie spricht über die drei Lieder aus dem Vorentscheid, die sie alle für ESC-geeignet hält. #thisislove war aber, wen wundert’s, ihr Favorit. Den darf sie nun auch singen und damit beenden wir diesen PK-Block und melden uns wieder ab 16:40 mit Polen.