ESC 2017: Pressekonferenzen mit OG3NE, Joci, Anja, Brendan und Valentina & Jimmie

Wir starten ins Wochenende mit einem Fünferpack an Pressekonferenzen und komplettieren damit das zweite Halbfinale. Dicht getaktet im 20 Minuten- Rhythmus folgen die Niederlande, Ungarn, Dänemark, Irland und San Marino.

Niederlande – OG3NE

Den Reigen der PKs eröffnen die drei sympathischen Schwestern aus den Niederlanden: Lisa (blond), Amy (brünett-blond) und Shelley (dunkel), deren Freund „Lights and Shadows“ mitkomponiert hat.

Mit der zweiten Probe sind OG3NE fast 100% zufrieden. Es werden nur noch Kleinigkeiten optimiert (der Soundmix und das Interagieren mit der Kamera).

OG3NE haben ja bereits bei Junior Eurovision teilgenommen und werden nach den Unterschieden gefragt. Klar nennen die 3 Schwestern die Größe der Veranstaltung, aber ansonsten ist das Level der Organisation fast gleich hoch.

Der große Vorteil mit seinen Schwestern gemeinsam auf der Bühne zu stehen ist in ihren Augen, dass sie genau wissen, was die jeweils andere gerade fühlt. Nachteile gibt es in ihren Augen keine. Alle 3 sind aber sehr unterschiedlich:
– Lisa ist ein Murgenmuffel und ist auch mal schlecht gelaunt.
– Amy ist die Verrückte und benutzt immer viel zu viel Parfum und nebelt damit alle anderen ein.
– Shelley redet sehr viel und sehr schnell

Die funkelnden Kleider wurden extra für ihren ESC Auftritt sie auf den Leib geschneidert und sind wohl überraschend leichter und bequemer als sie aussehen. Die Bewegungsfreiheit ist überhaupt nicht eingeschränkt.

OG3NE werden dann gebeten die Gesangstechnik „Echoing“ zu präsentieren und wir hören von Ed Sheeran „Sing“. Es gibt viel Applaus. Musikalisch geht es weiter, denn „Lights and Shadows“ wird gerne mit „Hold on“ verglichen. OG3NE berichten, dass der Wilson Philipps Song tatsächlich eine Bedeutung für die Schwestern hat. Es war der erste Song mit dem sie jemals ihren Harmoniegesang geübt haben. Natürlich stimmen sie den 90iger Jahre Hit von Wilson Philipps an.

Die Idee nach Junior Eurovision nun beim großen ESC teilzunehmen kam nicht von ungefähr. Die Schwestern berichteten, dass sie in den vergangenen Jahren und Monaten etwa 20x täglich von Fans gefragt wurde, wann sie denn nun endlich Holland beim ESC vertreten.

Zum Abschluss haben uns die 3 Grazien dann noch ihre Lucky Routine verraten, bevor sie auf die Bühne gehen: sie machen das OG3NE Zeichen und recken die Armen in die Höhe (beim OG3NE Zeichen formen Daumen und Zeigefinger ein O – sieht genauso aus wie das ‚Freaking Beautiful‘-Zeichen von Robin)

 

Ungarn – Joci Papai

Joci hat Lorenz, seinen Head of Delegation, zur Pressekonferenz mitgebracht ebenso sowie seine attraktive Tänzerin (Alexandra) und die Violinistin. Sie haben gestern ein Konzert im EuroVillage geben und sind von den Reaktionen und Support der Fans überwältigt.

Joci erzählt, dass es ihm noch schwer fällt direkt in die Kamera zu schauen, aber dass er mit jeder Probe mehr und mehr aus sich herauskommt. Auch muss er sich an die Größe der Arena erst noch richtig gewöhnen.

Ein Journalist wirft ein, dass die bisherigen Beiträge beim ESC gesungen von Sinti &Roma ja nicht besonders erfolgreich gewesen seien. Was dies denn für seine Teilnahme bedeutet? Joci erklärt, dass er sehr stolz darauf ist, dass seiner Kultur der Raum gegeben wird, sich zu präsentieren. Der Head of Delegation ergänzt, dass bei einer Finalteilnahme von Joci, dies doch in das „History Book of Gypsies“ aufgenommen wird.

Vom PrinzBlogger Marc kam dann die Frage nach dem außergewöhnlichen Outfit von Joci, sowohl in der Probe als auch jetzt in der PK? Wer ist der Designer und was hat es für eine Bedeutung? Die Jacken sind dem ungarischen Husaren-Stil nachempfunden und wurden früher auch in ähnlicher Form von Soldaten getragen. Sie sollen die Seele der Husaren widerspiegeln. Designer Schilling Kolos hat die Outfits extra für Joci maßgeschneidert. Im Laden würde so eine Jacke etwa 6000 Euro kosten. Beim Red Carpet dürfen wir uns auf eine goldfarbene Husarentracht bei Joci freuen.

Ein Journalist aus Frankreich möchte wissen, was das Geheimnis des großen Erfolgs vom ungarischen Vorentscheid ‚A Dal‘ ist. Der Head of Delegation und Joci begründen das mit der musikalischen Vielfalt, die hier vertreten ist. Die Sendung hat eine hohe Akzeptanz in der ungarischen Musikszene und so spiegelt sich auch die Pluralität im Teilnehmerfeld wieder.

Zum Abschluss erzählt Joci, dass sich sein Team schon überlegt hat, eine englische Version seines Beitrags „Origo“ in Kiew zu präsentieren, aber man habe das dann wieder verworfen. Der Refrain bestehe allerdings sowieso nur aus Fantasiewörtern und könne daher nicht übersetzt werden. Das Alleinstellungsmerkmal des Songs würde dann verloren gehen und sie glauben, dass die Botschaft des Songs sich eh durch die Bühnenshow und Jocis Emotionen erschließen lässt. Zu Beginn möchte er mehr melancholisch und zweifelnd rüberkommen und zum Ende hin geht es um die Erfüllung durch die Kraft der Liebe. Dies soll auch durch die Farben der Vögel ausgedrückt werden.

 

Dänemark – Anja Nissen

Anja hat ihre Backingsinger Julie, Linda, Jasmin, Trille und Andy zur Pressekonferenz mitgebracht. Sie haben gestern gemeinsam einen Ausflug gemacht und sind beeindruckt von den Höhenwegen der Stadt und haben die Aussicht auf Kiew sehr genossen. Ihr Team sei mittlerweile zu einer richtigen Familie zusammengewachsen.

Mit der zweiten Probe ist Anja sehr zufrieden. Sie haben das Zusammenspiel mit den Background-Sängerinnen verbessert und neue Kameraperspektiven ausprobiert.

Wichtigste Änderung ist aber das neue rote Kleid. Anja hat da tatsächlich auf die Reaktionen in den Social Media gehört. Das Outfit von der ersten Probe wurde mehrfach kritisiert und das hat sie sich zu Herzen genommen. Sie findet auch, dass die rote Farbe perfekt zu ihr und zum Song passt und sowohl Liebe als auch Reinheit symbolisiert.

Im Vergleich zu „Never alone“ (ihr MelodiGrandPrix Beitrag vom Vorjahr) fühlt sie sich mit „Where I am“noch wohler. Insbesondere der Refrain „Tonight I’m gonna show you…“ drückt ihr derzeitiges Lebensgefühl perfekt aus. Sie hat sich selbst gefunden und möchte das der Welt auch zeigen.

Der Weg zur Selbstfindung hat mit 18 Jahren mit ihrem „The Voice of Australia“-Sieg begonnen. Das war phasenweise wie eine Achterbahnfahrt in ihren Leben sagt Anja. Auch ihre Schwester habe ich sehr geholfen. Sie ist zwar in Australien in einem dänischen Haushalt aufgewachsen, aber ihre Eltern haben nur Englisch mit ihr geredet. Innerhalb von 10 Monaten hat sie dann aber dänisch gelernt … und fängt an ein dänisches Lied zu singen.

 

Irland – Brendan Murray

Auch Brendan hat seine Background-Sänger mit bei der PK. Diese verfügen schon über reichlich ESC Erfahrung und waren u.a. schon bei Linda Martin, Jedward oder Ryan Dolan am Start. Brendan liebt es zu feiern und hat in Kiew bereits das EuroVillage als auch den Euroclub unsicher gemacht.

Mit der zweiten Probe ist Brendan sehr zufrieden. Er hat vor allem an der Körpersprache gearbeitet. Es ist ihm wichtig mehr Emotionen zu zeigen.

Als Symbol der Liebe hat sich sein Team den Ballon ausgedacht: ein Ballon kann wie die Liebe jederzeit starten und einen beflügeln, außerdem kann er sich in alle Richtungen bewegen und entwickeln.

Brendan steht seit er 16 ist auf der Bühne. Seine außergewöhnliche Singstimme liegt in der Familie und ist auch bei seinem Vater und seinen Geschwistern vorhanden. Überraschenderweise ist Brendans Sprechstimme viel tiefer. Er erzählt, dass ihn sowohl seine früheren Boygroup-Kumpels von Hometown unterstützen, also auch seine Familie. Als er den Song das erste Mal seiner Mutter vorgesungen hat, hat diese vor Rührung geweint.

Dann blickt Brendan zurück. Wenn er kein Sänger geworden wäre, was wäre dann heute sein Beruf? Er kann weder tanzen, noch schauspielern. Mit 12 begann er zu singen und mit 13 Gitarre spielen. Außerdem habe er früher Leichtathletik gemacht, aber er kann sich beim besten Willen nichts anderes als Sänger vorstellen. Nun der Blick in die Zukunft. Wo steht er in 5 Jahren? Brendan will eine hübsche Frau finden und eine Familie gründen.

 

San Marino – Valentina Monetta & Jimmie Wilson

San Marino tritt als ganzes Team zur PK an und wird natürlich angeführt von Mister Grand Prix Ralph Siegel. Es gibt viel Applaus, schließlich gibt es ein ESC Jubiläum zu feiern: Ralph Siegel hat dieses Jahr seinen 25. ESC Beitrag am Start.

Die erste Frage geht dann auch gleich an Ralph Siegel: Er wird nach der Entwicklung des ESC im Laufe der Jahrzehnte gefragt. Als Hauptunterscheid nennt er, dass es früher komplett um den Ersteindruck der Songs ging. Kaum einen Song kannte man vor dem Grand Prix d’Eurovision.

Heute im Zeitalter von Internet und Social Media ist alles jederzeit verfügbar und Promotion ist viel wichtiger als früher. Besonders vermisst er das Orchester und die Dirigenten und erinnerst an ABBAs legendären Sieg, bei dem der Dirigent das Napoleon-Kostüm trug.

Ralph Siegel wundert sich, wie im Internetzeitalter die ESC-Zuschauerzahl zurückgehen konnte und das obwohl ja nun auch noch Australien teilnimmt. Er erinnert sich, dass früher Zuschauerzahlen von 600 Millionen genannt wurden und heutzutage sollen es ’nur‘ 200 Millionen sein.

Mit der zweiten Probe sind sowohl Valentina als auch Jimmie sehr zufrieden. Ihr Ziel ist es eine Discoatmosphäre in Kiew auf die Bühne zu zaubern. Sie wollen die Halle tanzen sehen. Die größte Schwierigkeit der Beiden sind nicht die Kameras oder die Interaktion, sondern sich auf den Sound im In-Ear zu konzentrieren.

Der Head of Delegation wird dann gefragt, ob man Valentina mit einem Dauervertrag ausgestattet habe und er antwortet schmunzelnd, man habe sich für einen revolvierenden 3-Jahres-Rhythmus entschieden. Immer 2 Jahre andere Künstler und im 3. Jahr dann Valentina. Wäre dem so, dann hätte Valentina 2020 den alleinigen Rekord der meisten ESC-Teilnahmen.

ESCtoday fragt, was Valentina aus ihren bisherigen 3 Auftritten für sich mitgenommen hat? Sie antwortet, dass das Leben für sie wie eine Evolution sei und sie sich mit jedem Jahr weiterentwickelt habe, bis zur Persönlichkeit, die sie heute ist.

Vom PrinzBlogger Marc kam dann noch die Frage, was denn die Vorteile und die Schwierigkeiten sind, wenn man als Solokünstler nun plötzlich im Duett auftritt? Valentina sagt, dass sie zwar auch mal unterschiedlicher Meinung sind, aber sie sehr von der Erfahrung des anderen profitieren und schließlich wäre Jimmie ja auch noch „So damn beautiful“ (ist auch gleichzeittig der Titel von Jimmies aktueller Single). Jimmie sagt, dass er keine Nachteile sieht und dass er sehr stolz ist – schließlich hat er die Ehre mit dem King of ESC (deutet auf Ralph Siegel) und der Queen of ESC (deutet auf Valentina) zusammen zu arbeiten.

Dann bekommt Ralph Siegel von einem Reporter eine CD mit allen seinen 25 Beiträgen in Afrikaans überreicht und ist sehr gerührt. (Anmerkung: Der ESC ist in Südafrika sehr beliebt und es gibt dort zahlreiche ESC Coverversionen).

Eine Frage zum Schluss darf natürlich nicht fehlen: ob Valentina 2018 wieder antritt? Sie macht es spannend und beginnt ihren ESC Song „Maybe“ zu singen … und damit verabschieden wir uns von diesem Mammut-PK-Vormittag.