ESC 2017: Verkündung der Gastgeberstadt erneut verschoben

Kiew Dnipro OdessaDas ukrainische TV hat versucht, die Auswahl der Gastgeberstadt für den nächsten Eurovision Song Contest so transparent wie möglich zu gestalten. Im Laufe der vergangenen Wochen sieht es nun aber eher danach aus, als würde man sich in Details verzetteln und um eine Entscheidung drücken!

Die erst heute Vormittag angekündigte Pressekonferenz, auf der die sog. Host City 2017 präsentiert werden sollte, wurde nur Minuten vor ihrem Beginn wieder abgesagt – durch die ukrainische Regierung höchstpersönlich.

Offiziell heißt es, es seien noch letzte kleine Details zu klären, bevor man sich ganz sicher sei, dass man auch die richtige Wahl getroffen habe. Details, die ziemlich kurzfristig aufgetaucht sein müssen und zumindest einem Verdacht Nahrung geben, dass hinter den Kulissen doch nicht alles harmlos und einvernehmlich abläuft. Vielleicht läuft auch nicht alles mit lauteren Mitteln ab, wenn sich die Regierung zum Einschreiten genötigt sieht! Die Absage ist aber auch deswegen mehr als seltsam, weil auch die EBU die Pressekonferenz auf ihrer Homepage und über die sozialen Netzwerke angekündigt hatte. Dies wiederum bedeutet eigentlich, dass man dort das Ergebnis kannte und auch nichts einzuwenden hatte.

Insgesamt steht das Organisationskomitee nun als ziemlich unprofessionell da, denn schließlich ist dies bereits die zweite Absage der Bekanntgabe. Gegenüber der EBU sicher alles andere als eine vertrauensbildende Maßnahme. Die wiederum sollte langsam mal in ihren Schubladen nach einem Plan B kramen, zumal nach der heutigen Entwicklung auch nicht mehr ausgeschlossen werden kann, dass die Ukraine die Austragungsrechte noch von sich aus zurückgibt, um sich ihren gravierenden innen- und außenpolitischen Problemen zu stellen.

UPDATE: Ganz aktuell soll der Chef des ukrainischen TV kommentiert haben, dass es einfach unfassbar knapp zwischen Kiew und Odessa sei und das Organisationskomitee beide Bewerbungen noch einmal ganz genau ansehen müsse. Damit wäre Dnipro aus dem Rennen und der Verdacht erhärtet sich, dass die ukrainische Regierung mit dem ursprünglichen Ergebnis nicht einverstanden gewesen sein könnte.

Aus politischen Kreisen war jedoch später am Abend zu vernehmen, dass wohl Odessa heute als Austragungsort verkündet werden sollte. Ein populärer Abgeordneter im ukrainischen Parlament machte indirekt die Stadtverwaltung von Kiew für die Verzögerung verantwortlich, die angeblich aus finanziellen Gründen massiv gegen eine Entscheidung am gestrigen Tag votiert haben soll. Der Vize-Premier wies zudem darauf hin, dass es hier um viel Geld, auch Steuergeld gehe, und man deshalb sicher sein will, dass man keine falsche Entscheidung treffe.