ESC 2017: Zweite Probe Deutschland – Silbern und perfekt inszeniert

Wie läuft die zweite Probe Levinas, zu der wir auch in die Halle dürfen? Wir schildern Euch hier unsere Eindrücke von den finalen Durchläufen, kurz bevor morgen die Generalproben beginnen.

 

Erster Durchlauf pünktlich um 11:15. Die Deckenkamera fährt wieder auf sie herab, dreht sich dabei. Der Boden, auf dem sie liegt, ist hellweiß überstrahlt. Den ersten Refrain singt sie im Liegen, dann steht sie auf. Das Oberteil ist wieder das gleiche helle, cremefarbene von Freitag, an den Schultern ausgeschnitten und komplett rückenfrei. Der silberne lange Rock geht bis zu den Knöcheln, sie steht barfuß. Und wieder die schicke hochgesteckte Frisur.

Tatsächlich hat man also dieses classy, unaufgeregte Setting und ihre Garderobe unverändert gelassen.


Die Kamerafahrten sind leicht abgewandelt, ich hatte den Eindruck, dass zwischendurch mal eine neue Einstellung von oben rechts eingebaut wurde. Die Körpersprache und Mimik ist ruhig, unaufgeregt, sehr souverän. Jan und ich fühlten uns telepathisch gleichzeitig an die frühe Sanna Nielsen erinnert. Sie strahlt tatsächlich aus: „Ich weiß, was ich hier tue, ich mach das jetzt einfach!“ Auch der Moment, an dem sie aufsteht, ist gelungen, es sieht überhaupt nicht gestakst oder unbeholfen aus – toll! Das Outfit ist elegant, und auch… dezent sexy.


Die Muster auf dem Boden um den Lichtkreis, auf dem sie liegt, sind weiß auf einem dunklen Himmel, das ist qualitativ und wirkungsvoll wie beim Mello oder bei Jamala letztes Jahr, sehr cool. Während des Songs wie Fahrten durch einen Kaleidoskop, wechselnde asymmetrische Formen in Silber und Weiß, später wie ein Nachthimmel, in dem Sterne in alle Richtungen aufsteigen.


Im zweiten von drei Durchgängen wird neben „Kometen“ (gezielte punktuelle Pyro-Schüsse), die von oben nach unten abgefeuert werden, und gegen Ende auch mit einem Kranz aus Pyros gearbeitet, der um den Bühnenrand herum angeordnet ist, was aber wie üblich die Sängerin zu hell ausleuchtet und das Bild stört. Ich finde, dieses Lied hat übermäßige Pyro auch überhaupt nicht nötig.

Vorhin waren Thomas Schreiber und Kollegen bei uns am Tisch, und erläuterten, dass zwar noch etwas ausprobiert werden soll – das waren jetzt wohl die Pyros am Bühnenrand -, Gold- oder Silberregen wird es aber nicht geben. Ich tippe mal, sie werden auch auf die Pyro auf der Bühne verzichten beim Finale, die dezenteren Kometen aber beibehalten. Und – die dominierende Farbgebung ist Silber, und nicht Grau, wie wir nach dem Farben-Overkill Italiens am Freitag noch wahrnahmen…. Vielleicht ist es ja auch anthrazit-mausgrau oder steingrau-funkelnd. Genau können wir das jetzt nicht sagen. Silber klingt gut!

Was mir wirklich gut gefällt, ist die flüssige, unhektische Kamera, die den eher gemächlichen Pop-Rhythmus von „Perfect life“ gut widerspiegelt. Selbst nach der „Klatschfalle“ mit dem lang gezogenen Ton wird nicht aufgeregt hin- und hergeschnitten, so dass die drei Minuten optimistisch, positiv, für manchen vielleicht ein wenig zu „gemütlich“ dahinfließen. Da sind keine Brüche, keine Knalleffekte, aber der Song ist eben auch fließend und nicht treibend angelegt.


Zusammenfassend kann man wohl sagen, dass der deutsche Act in diesem Jahr direkt so inszeniert wurde, dass man nicht mehr viel dran korrigieren musste heute. Mir gefällt es, dass wir den Fluss des Songs aufnehmen, die Optik die Struktur des Liedes effektvoll unterstützt und man durchaus sagen kann, dass hier das Beste aus dem Song rausgeholt wurde. Ist zwar ein Allgemeinplatz, aber hier passt es mal wieder.

So, Ihr dürft mich jetzt der „Hofberichterstattung“ für den zuständigen Sender bezichtigen.