ESC 2017: Zweite Probe Italien – Zappelphilipp mit Charisma

Zweite Probe des Topfavoriten Francesco Gabbani in Kiew. Gibt es Änderungen oder Verbesserungen zur ersten Probe vor zwei Tagen?

Francesco startet im Finale in der ersten Hälfte.

Was wir sagen können, ist, dass die Kamera bei dieser Probe deutlich ruhiger geführt wird. Die Fahrten sind langsamer und deutlich besser überlegt. Zum Beispiel wird dadurch der Moment, wenn der Affe auf die Bühne springt, sehr viel schöner eingefangen als noch am Freitag.

Francesco trägt einen dunklen Anzug mit ebenso dunklen und kaum sichtbaren Sternapplikationen. Der Chor trägt Pullover in gelb, orange, rot und blau. Die Hektik gegen Ende des Songs, die noch am Freitag vorherrschte, wird etwas reduziert dadurch, dass während des Gitarrensolos nur noch der Affe tanzt und Francesco wie eingefroren neben ihm in der gerade eingenommenen Pose verharrt. Allerdings legt er danach umso heftiger los – ein wenig übermotiviert scheint mir der Gute zu sein.

Wenn man etwas negatives anmerken will, dann die fehlenden Blicke in die Kamera zu beginn, als er sich scheinbar selbst auf den links und rechts in der Halle angebrachten Bildschirmen betrachtet. Dafür sucht er die Kamera zum Schluss dann umso heftiger. So sehr, dass er bei einem Durchgang fast mit einer Kamera zusammengerasselt wäre, weil beide sich plötzlich aufeinander zubewegten. Jedenfalls wirkte das am Schirm so.

Wenn Francesco bis zum kommenden Samstag die richtige Dosierung von Blicken und Bewegung findet, geht das alles siehr in Ordnung. Momentan habe ich noch Gefühl, er genießt die Proben und weiß dabei, dass das alles noch nicht ernst ist. Die Italiener sind solche exakten Vorbereitungen und Absprachen in Bezug auf Regie etc. wohl eher nicht gewohnt. In San Remo beispielsweise machen die Interpreten ihr Ding und werden von der Kamera irgendwie eingefangen – das ist hier eben ein bisschen anders.

Und dennoch: Es macht immer wieder Spaß, Francesco bei der Arbeit zuzusehen. Er ist immer gutgelaunt und spaßbereit. Und an dem Song habe ich mich im Gegensatz zu vielen anderen hier in Kiew noch immer nicht satt gehört – von mir aus könnte der hier in Dauerschleife laufen. Und über 100 Millionen Youtube-Klicks sind ja auch eine Ansage!

Es müsste schon mit dem Teufel zugehen, wenn das am nächsten Samstag nicht funktionieren sollte. Natürlich gibt es keine 100 %-ige Gewissheit, aber 98-99 % würde ich schon ansetzen wollen…

 

 

Jetzt warten wir auf die Pressekonferenz – mehr davon später an dieser Stelle. Stay tuned!

Voarb die allerwesentlichste Information aus der Pressekonferenz. Heute werden die Starthälften für die Big 5 Finalisten gezogen. Francesco zieht Starthälfte….1!! „Is it good?“ ruft er fragend in den Saal. Ich denke, es ist egal. Wer ein so großer Favorit ist wie er, sollte das Ding von jeder Startnummer aus mit links an sich reißen.

Ansonsten kann an sagen: Es waren viele Menschen bei der Pressekonferenz anwesend. Die Fragen wurden dadurch auch nicht besser. Francesco ist zwar immer gelaunt, macht aber auf mich einen zunehmend abgespannten Eindruck – kein Wunder, nach dem Programm der letzten Monate. Ich glaube, der Mann ist dringend urlaubsreif!

Auf die Frage, wo denn in Italien der ESC 2018 stattfinden solle, antwortete der Delgationsleiter Nicola, dass man sich der Favoritenrolle bewusst sei und dass auch die RAI „fully aware“ sei, dass man den ESC möglicherweise ausrichten müsse, wenn man die derzeit größte „singende Sensation“ des Landes nach Kiew schickt. Aber bittesschön einen Schritt nach dem anderen. Erst einmal hier gewinnen und dann planen!

Ein israelischer Journalist provoziert ein wenig und möchte wissen, ob es sich nicht um einen reinen Spaßbeitrag handele und Francesco eigentlich das Publikum auf den Arm nehme. Die Reaktion war ganz souverän: Wer sich einmal mit der schon hundertfach heruntergebeteten Geschichte um den nackten Affen von Desmond Morris auseinandergesetzt habe, könne auf eine solch abwegige Idee eigentlich nicht kommen. Es geht lediglich darum, augenzwinkernde Kritik mit Spaß zu verbinde. Aber der Song sei nun wirklich viel, aber keinesfalls Blödsinn! Der schwarze Anzug soll übrigens einen Kontrast zum fröhlichen Song setzen und ein wenig unterstreichen, dass bei allem Spaß auch eine Art Botschaft transportiert werden soll.

Ansonsten freut sich Francesco, dass er die Möglichkeit hat, Europa seine Musik bzw. seinen Song zu präsentieren und damit vielleicht weiteres Interesse zu wecken. Fragen nach Auftritten im Ausland könnten erst nach dem ESC beantwortet werden. Aber im Falle eines Sieges wird Francesco vermutlich noch nicht zu dem verdienten Urlaub kommen…