ESC 2017: Zweite Probe Ukraine – Time To Shine

Guten Morgen liebe Sorgen. Heute geht es mit den zweiten Proben der Big5 und des Gastgebers die Ukraine. O. Torvald eröffnen den Tag mit „Time“. Die einzige Rock-Nr. im Wettbewerb hat das Privileg gleich im Finale zu stehen. Kann die Ukraine das Double landen.

O.Torvald startet im Finale an Startposition 22.

Bei strahlendem Sonnenschein haben sich die Prinz Blogger wieder zur Halle aufgemacht, um heute der zweiten Probe der Ukraine und der Big 5 beizuwohnen. Dabei konnten wir feststellen, dass mittlerweile die Blumengestecke, die die Autobahnauffahrten schmücken, nun auch an der Haltestelle zum International Exhibition Center fertiggestellt sind. In Kleinstarbeit haben viele fleißige Hände mühevoll in den letzten Tagen die Blumen gesetzt und schöne Bilder kreiiert.

Aber nun zu O. Torvald. Vor einem graublauen Hintergrund steht die Band um einen übergroßen Kopf aus Silber. Im ganzen bleibt der Hintergrund gleich und passt sich nur der Dramaturgie des Liedes an.

Die Outfits der Bandmitglieder sind in einem edlen silbergrau gehalten, wobei das Oberteil vom Leadsänger Yevhen eher an die Schildkrötenpuppe Josie von Sascha Grammel erinnert.

Nach dem zweiten Drittel des Liedes kann man auf der Rückwand schemenhaft Silhouetten von Brücken á la der Golden Gate Bridge in San Francisco entdecken. Musikalisch wird dieser Teil rein instrumental bestritten.

Während der Leadsänger mit seinem Nasenpiercing und Tattoos sehr häufig ins Bild gebracht wird, bleiben seine Kollegen eher im Dunkeln.

Zum Schluss ändert sich das Ambiente zu Gold und auch der Kopf erlebt einen tschechischen Moment, in dem er total gold gekleidet darsteht. Aus dem Kopf wird ein ganzer Körper, der sich über den Bühnenboden erstreckt. Von oben wird dieses als Abschlussbild eingefangen.

Zudem leuchten die Augen feurig in die Kamera und suggerieren einen Alladin-Moment, in dem die Szenerie etwas bedrohlich und unberechenbar erscheint. Man hat das Gefühl, man wird gleich in eine tiefe Höhle gesogen.

Stimmlich liefert O.Torvald eine souveräne Leistung ab und zeigt bei den zwei Durchläufen, die wir hier sehen konnten, keine Probleme. Veränderungen an den Kameraführungen sind auch nicht zu erkennen.

Erinnerungen an Hanna Pakarinen von vor 10 Jahren werden wach, als auch Finnland die Gastgeberrolle mit einem Rocksong kürte. Da blieb aber nur ein 17. Platz übrig.

Fazit: Die Ukraine braucht nicht zu befürchten, nochmals zu gewinnen, aber ein letzter Platz wird es auch nicht werden, da es auch für dieses Genre Liebhaber am Finalsamstag geben wird.

Mit einer Mammuttruppe von Menschen bestreitet O.Torvald die Pressekonferenz. Drei der fünf Bandmitglieder haben neben einer fantastischen Übersetzerin die halbe Delegation mit aufs Podium geschleppt.

Die Fragen richten sich aber zumeist an den Frontmann Yevhen Halych und auch er wird zunächst über Kiew befragt. Es wäre sein Zuhause und er würde es sehr geniessen, dass er nach den Verpflichtungen während der Eurovisionstage nach Hause zurückkehren könnte, um dort seinen grad mal eine Woche alten Sohn in den Arm zu nehmen. Das Familienleben würde ihm Kraft geben, selbst wenn die Tochter verbotenerweise Süßigkeiten essen würde und dadurch einen Allergieschock erleidet.

Er würde die Zeit hier im Rahmen der Eurovision sehr geniessen. Insbesondere die Betreuung während der Proben sei für sie was ganz Neues. Yevhen stellt es in Persona nach. Sie wären das gar nicht gewöhnt, dass ihnen alles abgenommen würde. Die In-Ear würden angebracht, die Gitarren gereicht und nach der Probe alles retour. Eigentlich bräuchte O. Torvald gar nicht mehr zu singen, das könnten die Helfer dann auch noch.

Im Unterschied zur ersten Probe sei allein die Bedingung gewesen, die Auftrittskostüme anzuziehen.

Für die Band ist das Singen in Englisch Neuland, aber Yevhen meint, dass die Sprache nicht zählt. Die Botschaft würde auch in französisch und ukrainisch verstanden.

Auf die Frage hin, warum es beim ukrainischen Beitrag keine Pyro gebe, meinte der Leadsänger, dass, als er zum ersten Mal Pyro genutzt hatte, er sich nicht so gut gefühlt hätte. Die Designerin des Auftritts hätte auch gemeint, so etwas wäre bei ihrem Auftritt nicht nötig.

Der Gitarrist Denys Myzyuk wurde befragt, wie es zu bewerkstelligen gewesen sei, dass die Band durch die Jahre hinweg verschiedene Zusammensetzungen erlebt hätte. Denys meinte, dass jeder seine Aufgabe hätte und natürlich eine Veränderung zunächst Probleme aufwerfen würde. Aber sie hätten das immer gut gemeistert.

Die folgende Frage bezog sich auf die ukrainische Rockmusik, die Yevhen als wachsend ansieht. Schon 2005 sei man mit einem Rocksong gestartet und auch die Musik von Verka Serduchka wäre eine Art Rock. Neue Bands würden sich etablieren und könnten Massen an Zuschauern zu den Konzerten ziehen.

Yevhen zeigte Respekt vor allen 41 Konkurrenten, aber ihm wäre der schwedische Beitrag „I Can`t Go On“ besonders in Erinnerung, den sie betrunken im Hotelzimmer gesungen hätten.

Den Abschluss bildete ein Vorfall im italienischen Fernsehen, den ein ukrainischer Journalist ansprach. Hier hatte man geäußert, dass man der Ukraine den Wettbewerb doch wegnehmen sollte. Yevhen meinte, dass das Urteil einzelner nicht so hoch zu werten sei um damit ein ganzes Land zu diskreditieren. Es sollten Fakten zählen und nicht die Meinung einzelner.

Obwohl die Pressekonferenz schon vorbei war, liess sich eine engagierte, wie sich später herausstellte, Italienerin nicht zurückhalten, das Mikrophon zugesprochen zu kriegen. Sie äußerte sich entsetzt über diese Aussage und verlangte nach dem Titel der Sendung. Die Italiener seien sehr glücklich hier in der Ukraine zu sein. Es folgte eine Umarmung zwischen Yevhen und der Italienerin. Die Moderatorin kommentierte das Ganze mit den Worten. Wie soll man der Ukraine den Wettbewerb noch wegnehmen, es würde doch schon hier laufen.

Als Versöhnungsgeschenk erhielt die Journalistin ein Merchandisingprodukt der Band in Form einer Unterhose.