ESC 2017: Zweite Probe und PK der Schweiz – ein bonbonfarbener Traum

Nur ein einziger Durchlauf wurde uns bei der ersten Probe gezeigt, heute aber haben wir mehr Gelegenheit, uns mit dem Schweizer Beitrag „Apollo“ und der zugehörigen bonbonfarbenen Show auseinanderzusetzen. Das ist uns einen Spezialbeitrag wert. Was hat sich in Probe Nummer 2 geändert? Was erzählen Timebelle in der PK?

Wir sind gespannt auf Miruna und ihre beiden Bandkollegen. Die Probe startet in wenigen Minuten. Ich hatte die erste Probe nur am Rande mitbekommen und hörte sehr unterschiedliche Besprechungen, von „schönes osteuropäisches Setting“ bis hin zu „Bibo in Disneyland“.

Fakt ist: Miruna, nach wie vor in einem knallgelben langen Kleid mit Schlitz, Schleppe und federpüschelartigen Applikationen an Brust und Kleid, steht auf einem recht hohen Podest, das eine Wendeltreppe aufweist. Emmanuel am Klavier und Samuel am Schlagzeug vervollständigen das Setting. Neben dem strahlenden Gelb ist die andere Farbe des Settings bonbon-pink. Eine gewagte, aber effektive Kombination, die sich sehr von den vielen blau-weißen Backdrops der Konkurrenz unterscheidet.

Wie weiland Cascada singt Miruna zunächst statisch recht lange am ebenfalls gelben Mikrofonständer auf dem Podest, sie trägt ihre Haare offen und sieht apart aus. Zunächst besteht die Choreo nur aus Arm- und Handbewegungen, während wir im Hintergrund einen Ährenkranz und griechische Göttestatuen (Apollo!) erkennen. Erst zur Brücke nach der zweiten Strophe hin schreitet Miruna sachte und entschlossen und vor allem sehr elegant die Wendeltreppe herab – so macht man das auch in Sanremo! Das ist hohe Treppenkunst, die beim ESC nicht immer funktioniert (denken wir an Cascada, bei der sich einzelne Blogger an den Angriff Godzillas auf Tokio erinnert gefühlt haben).

Miruna schreitet dann auf Emannuel am Klavier zu, die Kamera umkreist die beiden, was sehr effektvoll aussieht. Emmanuel sollte allerdings Miruna anschauen und nicht die Klaviertasten, hier fehlt noch ein wenig mehr Intensität. Mir kommt die Szene aus den Fabelhaften Baker Boys in den Sinn, wo sich Michelle Pfeiffer aufs Klavier legt. Dazu kommt es hier aber nicht.

Das Lied kommt kurz zur Ruhe, um dann auf die Schlussrunde zu gehen. Miruna tritt nach vorn und legt noch einen Zahn zu: Nun allerdings moduliert sie die Töne und zieht sie recht lang. Wind zieht auf, beziehungsweise die Windmaschine wird angeschmissen und die Lichtregie dreht auch nochmal auf. Das Schlussbild zeigt dann Miruna im Close-Up, insbesondere den letzten Ton hält sie sehr lange.

Zweifellos ist das eine Inszenierung, die auffällt und sich abhebt, mir persönlich gefiel die Rot-in-Rot-Nummer mit den fliegenden Blutkörperchen/Rosenblättern aus dem Schweizer Finale auch, dies hier ist sicher gewagter, aber ist meiner Ansicht nach passend zum Song, den man ja auch als pastellfarbig-freundlich bezeichnen könnte. Es gibt gleich zu Beginn eine schöne Einstellung, die Miruna inmitten eines strahlenden Kranzes geradezu madonnenhaft zeigt.

Die Kamerafahrten sind effektvoll inszeniert, insbesondere der Treppenabgang und der umkreisende Shot mit Miruna am Klavier sind schön eingefangen. Beim letzten Durchgang hat Emmanuel die Augen geschlossen. Dabei verdient Miruna es doch, bewundert angeblickt zu werden. Gefährlich ist die Klatschfalle am Ende kurz vor dem letzten Refrain.

Ich finde es vorteilhaft, dass man hier eine Dramaturgie eingebaut hat und dass zumindest der Klavierspieler eingebunden wird. Es ist aber richtig, dass sich die Kamera auf die Sängerin konzentriert. Zum Thema knallgelb – sie kann es tragen! Vielleicht sollte sie noch etwas entspannter sein und mehr lächeln, bisweilen wirkt es noch sehr konzentriert.

Mein Fazit ist also positiv, auch stimmlich hat das gut geklappt, die Modulationen in der dritten Minute allerdings müssen auf den Punkt genau sitzen, hier neben die Töne zu singen wäre fatal. Ob das ganze Setting nun wegen der sehr knalligen Farbkombination speziell osteuropäisch ausgerichtet sein soll? Es wirkt auf mich nicht billig, sondern gewagt und mutig. Die Schweiz riskiert hier etwas und das finde ich richtig. Hopp Schwiiz!!

 

Die Probe ist nun zu Ende und die Schweizer PK ist für 15 Uhr ukrainischer Zeit angekündigt (14 Uhr) MESZ. Kollege Salman wird dann hier in diesem Beitrag seine Eindrücke aus der PK anfügen. Stay tuned!

Salman ist jetzt im Interview mit Ralph Siegel, deshalb meldet sich jetzt Jan aus der Pressekonferenz.

Miruna findet es hier in Kiew exotisch. Wärme, Wasser und Borschtsch – da fühlt man sich gleich gesund und froh!

Gegenüber der ersten Probe habe sich heute viel verbessert – alle sind sehr zuversichtlich, dass auch die letzten kleinen Änderungen bis zum Semi umgesetzt werden – insbesondere ein paar Kameraeinstellungen sollen noch geändert werden.

Warum gelb? Miruna findet es frisch, Emmanuel spricht von Magie und davon, dass man gelb eher selten auf Bühnen sieht – deshalb sei es „mal was anderes“. Und man würde sicher von den anderen blauen und roten Acts abheben. Alleinstellungsmerkmal lässt grüßen!

Woher kommt eigentlich der Name Timebelle? Die „Zytglogge“ in Bern ist schuld. Man hat es übersetzt und dem Ganzen eine Doppelbedeutung gegeben, es soll bedeuten: „Eine wunderschöne Zeit“ – in Bern und auch sonstwo…

Timebelle haben sich kennengelernt, als die beiden Jungs (die sich schon seit 11 Jahren kennen) eine Sängerin für ein gemeinsames Projekt gesucht haben. Nun sei man schon drei Jahre zusammen und plane auch weiterhin eine enge Zusammenarbeit.

Eine Reporterin aus Moldawien möchte wissen, ob es eine Schweizer Party geben wird, schließlich hätten sich Timebelle gestern ausgesprochen gut auf der moldawischen Party beim Feiern verausgabt (wir hörten davon…)  Nicht in diesem Jahr, erklärt der Delegationsleiter – nicht jeder möge schließlich Käsefondue… Aber für nächstes Jahr könne man eine eigene Party mal ins Auge fassen.

Das war’s von der Schweiz!