ESC 2017: Zweite Proben – Armenien, Slowenien, Lettland und Serbien

Heute endet nun der zweite Probenlauf des ersten Halbfinals mit Armenien, Slowenien und Lettland und anschließend folgen sofort Serbien und Österreich. Für Österreich darf der Leser einen eigenen Beitrag erwarten.

Guten Morgen aus Kiew. Heute werden die zweiten Proben des ersten Halbfinals abgeschlossen mit den Darbietungen aus Armenien, Sloweninen und Lettland.

 

Armenien: Artsvik – Fly With Me

Vor einem lila weißen Hintergrund stehen Artsvik und ihre beiden Begleiterinnen. Artsvik in einen grauschwarzen Hosenanzug gekleidet, dessen Oberteil ein wenig an einen Raumanzug erinnert, hält sich zumeist in der Mitte der Bühne auf. Ihre Haare sind nach hinten gebunden und muten wie ein zusammengezurrter Rastazopf an.

Die Tänzerinnen formieren sich um Artsvik mit sehr eckigen Bewegungen. Erinnerungen an Roberto Bellarosa, wie schon bei der ersten Probe erwähnt, werden wach. Sie bilden sogar mit Artsvik die obligatorische Reihe. Die Bewegungsabläufe sind orientalisch geprägt, aber akzentuiert gesetzt. Hände spielen eine große Rolle.

Artsvik beginnt zunächst vor einem lila Hintergrund und erst Mitte des ersten Verses stehen die beiden Chorsängerinnen auf der Bühne. Die Rückwand zeigt ein Kreissymbol mit verschiedenen klassischen Elementen, welches im Laufe des Liedes immer wieder erscheint und dann zu einer Art Erde mutiert.

Die weißen Bühneneindrücke liefern Wolken in Form von Rauchschwaden. Zum Höhepunkt des zweiten Refrains zeigt die Rückwand nur helle Punkte wie Sterne, was aber ein wenig an das Waschbrett von 1983 in München erinnert.

Artsvik lässt stimmlich nichts anbrennen. Ihre dunkle Stimme meistert das gesamte Lied ohne Probleme. Einzig ihre nicht so herzliche Ausstrahlung lässt die Sympathien für dieses Lied nicht sofort überspringen.

Zum Schluss des Liedes gibt es eine Art rhythmischen Handschlag, aus der visuell eine Friedenstaube entsteht und dem Zuschauer entgegenfliegt.

Fazit: Armenien wird soverän weiterkommen und sich sicher im Finale in der Mitte platzieren, aber in den Erinnerungen an den Contest wird der Song keine nachhaltige Rolle spielen.

 

Slowenien: Omar Naber – On My Way

Nun kommt der slowenische Frank Sinatra und die Bühne ist nur noch schwarz-weiß. Omar Naber steht in der Mitte der Bühne umgeben von in der Luft hängenden Raumteilen, die wie schon beschrieben an Moskau 2009 und Athen 2006 erinnern.

In der Mitte des ersten Verses öffnet Omar seine schwarze Lederjacke, unter der er ein weißes T-Shirt trägt. Die Inszenierung konzentriert sich voll auf Omar, der inmitten von Lichtsäulen steht, die wir schon von Sanna Nielsen aus 2014 kennen.

Die Raumteiler werden zum Ende des Liedes hochgezogen und geben die Bühne frei für Omars Schlusshymne. Höchstwahrscheinlich kommen die Handys noch zum Einsatz, da kurz ein Handy mit einer Kerze ins Bild gebracht wurde.

Nun zum Lied. In den Versen kommt die Stimme gar nicht richtig durch. Beim zweiten Vers kniet sich Omar sogar noch hin, was dem Atemvolumen nicht gut tut. Im Refrain hat man das Gefühl, dass er permanent an seine Grenzen kommt. Als großer Fan von „Stop“ aus dem Jahr 2005 reißt mich persönlich dieser Auftritt nicht vom Hocker. Hatte stimmlich mehr Power von Omar erwartet.

Zudem ist das Lied insgesamt eher eintönig, wodurch auch der gewünschte Effekt ausbleibt, ein wenig Sinatra-Feeling auf die Bühne zu bringen.

Fazit: Slowenien dürfte es trotz später Startposition schwer haben, sich für das Finale zu platzieren. Man hätte es Omar Naber sehr gewünscht, denn 2005 hätte er es verdient gehabt.

 

Lettland: Triana Park – Line

Bei den Letten wird es schön bunt. Umrundet von drei Raumteilen, die mit Graffiti versehen sind, steht die Band zentral auf der Bühne. Agnese, die Frontfrau der Gruppe trägt heute zwei blonde Zöpfe, die wie Hörner anmuten. Der Klamottenstil ist eher schwarz-silbrig-weiß gehalten.

Der Hintergrund erscheint zumeist textmarkerbunt. Nur zu Beginn bevölkern Wolken im Rhythmus des Beats den Hintergrund und den Boden.

Die Neonfarben bringen die gesamte Bühnenkonstruktion zum Leuchten. Die Farbgebung passt zum Lied und vor allem zur Leadsängerin.

Das Lied wird souverän dargeboten, aber es gibt auch nicht so viel Abwechslung in der Struktur. Zum Ende des zweiten Drittels des Songs werden die Farben ausgeblendet und die Bühne im Dunkel gehalten.

Die Band präsentiert sich bei ihrem Auftritt souverän und locker. Der Song „Line“ bietet eine stimmungsvolle Abwechslung im musikalischen Line-Up des ersten Halbfinals. Zudem ist es ein gute Schlussnummer.

Fazit: Der Qualifikation Lettlands dürfte eigentlich nichts im Wege stehen. Genau vor zehn Jahren gingen sie auch als letztes im Halbfinale ins Rennen und zogen klar ins Finale ein. Der Song ist modern und wird sicher auch von den Juries gut beurteilt.

 

Serbien: Tijana Bogićević – Into The Deep

Mit dem zweiten Halbfinale geht es gleich weiter und eröffnet wird es durch eine Serbin in einem durchscheinenden weißen Kleid. Entweder geben die Künstler die Kleidung an die anderen Sänger weiter oder die Modegeschäfte in Kiew hatten nicht so viel Auswahl.

Auch beim Hintergrund wagt Serbien nicht vom Standard abzuweichen. Blau und schwarz wie das Meer, in dem Wasserblasen in Form von weißen Perlen aufsteigen.

Zu Beginn konzentriert sich die Kamera vornehmlich auf Tijana und der Hintergrund ist im Dunkel gehalten. Lichtkegel erleuchten die Bühne. Erst später kommen die Wasserblasen auf der Rückwand, die sich im Laufe des Liedes immer mehr vergrößern und zum Schluss sogar den Bühnenboden einhüllen.

Nach dem zweiten Refrain erhält Tijana Unterstützung durch einen Tänzer, der ganz in weiß mit offenem Shirt um sie herumtanzt und ab und an mit ihr interagiert. Die Bewegungen sind manchmal etwas gewöhnungsbedürftig, hätte also nicht notgetan, ihn mit auf die Bühne zu lassen.

Stimmlich ist am Auftritt von Tijana nichts auszusetzen. In ihrem Outfit wirkt das Ganze auch etwas einheitlicher und im Zusammenspiel mit dem Hintergrund wird der Beitrag eine runde Angelegenheit.

Fazit: Ob Serbien weiterkommt, lässt sich nicht definitiv sagen, aber sie sind auf dem Weg ins Finale einen guten Schritt weitergekommen. Im Falle Serbiens passt auch das weiße durchschimmernde Kleid vor dem blauschwarzen Hintergrund.

 

Co-Blogger Marc übernimmt nun in einem Extrablogbeitrag die zweite Probe von Österreich mit Nathan als der Mann im Mond.