ESC 2017: Zweite Proben – Kroatien, Norwegen und Weißrussland

Nach knapp einer Stunde Pause geht es nun mit den Startnummern 11 bis 14 weiter. Kroatien, Norwegen und Weißrussland erobern zum zweiten Mal die Bühne. Mittendrin ist auch noch die Schweiz, die wir aber in einem gesonderten Artikel betrachten werden.

Kroatien – Jacques Houdek – My Friend

Der kroatische Luciano Pavarotti besingt zu Beginn seine zwei Konterfeis, die auf der Rückwand sich ansehen und jeweils in ihrer Stimmlage mit Jacques Houdek ihren Part des ersten Verses anstimmen.

Anschließend dreht er sich zum Publikum und hinter ihm erscheint ein Berg mit einem Baum obendrauf. An Houdeks Seite sind ein Cellist und ein Geiger, die im Instrumentalteil ihr Bestes geben.

Beim zweiten Refrain erhält Jacques Houdek Unterstützung durch drei Chorsänger. Der Hintergrund füllt sich mit immer mehr Farben und irgendwann wachsen Sonnenblumen vor dem abgebildeten Berg. Am Ende krönt noch ein Regenbogen die Erhebung, welcher sich auch auf die Bühnenkonstruktion über die Bühne erstreckt.

Stimmlich steigert sich Jacques Houdek im Verlaufe des Liedes und auch innerhalb der drei Proben verbessert er sich kontinuierlich.

Im dritten Probendurchlauf gibt es dann noch Pyro. Während die Feuersäulen rund um die Bühne passend zum Aufbau des Liedes wirken, mag sich mir der Feuerregen zum Ende des Liedes nicht erschließen. Er verdeckt das Entstehen der Sonnenblumenwiese und überfrachtet die Szenerie total.

Jacques Houdek wirkt wie eine Mischung aus Luciano Pavarotti und Bustopher Jones aus dem Musical Cats. Ganz ernst nehmen kann man den Auftritt nicht, aber man hatte sicherlich nach der Vorstellung des Liedes mit viel mehr Kitsch noch gerechnet.

Fazit: Wird sich der Zuschauer für den Wechselgesang begeistern können, denn der dürfte als einziges den Anreiz zum Anrufen bilden? Aber ich glaube, dass Kroatien weiterkommen wird, wenn auch vielleicht nur knapp.

Norwegen – JOWST – Grab The Moment

Als nächstes folgen die Norweger. Der Sänger Alexander Walmann steht mit seinem Rangerhut und weißem langen Shirt an seinem beleuchteten Mikrophon in der Mitte der Bühne.

Hinter ihm sind in ihren Mönchskutten mit den beleuchteten Masken Jowst und seine Kollegen platziert.

Der Hintergrund besteht vornehmlich aus lila und weiß. Karos und Dreiecksmodulationen ziehen sich kontinuierlich durch den gesamten Song über die Wand hinweg. Die Veränderungen auf der Wand strahlen auf die Bühnenkonstruktion aus.

Der norwegische Song „Grab The Moment“ wird von der Formation sehr souverän ins Bild gebracht.

Im Laufe des Liedes gibt es auch die Stimmverfremdung, die durch zwei Hologramme von Alexander Walmann, die sich anschauen, dargestellt wird.

Alle drei Durchläufe verlaufen gleich und zeigen die Professionalität der Künstler.

Fazit: Mit diesem modernen Song dürfte sich Norwegen auf jeden Fall im Finale wiederfinden. Das Land wagt sich in diesem Jahr wieder Abwechslung in den Contest zu bringen und dürfte sicherlich bei den Juries hoch punkten.

Die Schweiz erhält einen Extrabeitrag. Daher hier eine kleine Pause bis zu Weißrussland.

Weißrussland – NAVI Band – Historyja majho žyccia

Artem Lukjanienka und Ksienija Žuk von der NAVI Band entführen uns in eine Fantasiewelt. Das Setting zeigt eine Mischung aus Märchenwelt, Jahrmarkt und Traum.

Ksienija trägt ein weißes Kleid. Ihr Gesicht und die Arme schmücken henna-artig weiße Symbole. Ihr langes brünettes Haar krönen zwei Haardutte, die ihrem Gesicht eine gewisse Frechheit geben. Ihr Partner kleidet sich in eine weiße Jacke zu einer beigen Hose und auf dem Kopf trägt er einen weißen Hut.

Beide stehen auf eine Art Schiffsspitze, an deren Ende zwei Windmaschinen postiert sind. Umrandet ist das Schiff von einer hellen Leuchtbordüre. Die Navi Band hat auf diesem Bühnenelement so viel Platz, um sie trotz mitgebrachter Gitarre zu umtanzen. Die weißen Hennasymbole tauchen auch auf der Gitarre wieder auf.

Der Hintergrund ist vornehmlich in blau gehalten, aber eher ein helleres Blau. Auf ihr taucht ein Riesenball mit Kristallen auf, der von verschiedenen Türmen und anderen Symbolen umschwirrt wird.

Bei den Hey Rufen wird der Hintergrund von Blitzen durchzuckt, welches wie Silvester wirkt. Zum Ende des Liedes taucht eine große stilisierte Sonne auf.

Die beiden strahlen bei ihrem Vortrag eine große Fröhlichkeit aus, was sich hoffentlich auf das Publikum überträgt, denn bei den Hey-Sequenzen wird die Stehzone in der Halle des öfteren eingeblendet.

Stimmlich überzeugen Ksienija und Artem. Die weißrussische Sprache verhindert nicht, dass dieses Lied vom Publikum verstanden wird. Insgesamt bilden Künstler, Lied und Setting durch den traditionellen Touch eine perfekte Symbiose.

Fazit: Weißrussland wäre es zu gönnen, das Finale zu erreichen und mit den wirklich authentischen Künstlern dürfte das möglich sein.

Später geht es mit Bulgarien, Litauen, Estland und Israel weiter.