ESC 2017: Zweite Proben – Niederlande, Ungarn, Dänemark, Irland und San Marino


Zweiter Durchlauf für die restlichen Semi-2-Songs. Wie machen sich OG3NE und Joci nach drei Tagen Bedenkzeit? Gibt es spektakuläre Änderungen?

 

Tjabe und ich sitzen pünktlich am Bloggertisch, der heute sehr einfach zu besetzen war. Irgendwie scheint der mittlerweile besser angelaufene EuroClub doch einige Nachteulen länger unterwegs zu halten. Noch alles etwas verschlafen hier.

 

Niederlande – OG3NE – Lights and shadows

Die drei Schwestern sind dagegen sowas von auf dem Punkt, die haben gestern sicher nicht mehr groß gefeiert. Absolut sauber gesungen wirkt „Lights and shadows“ auch heute wie aus einem Guß.


Zum Anfang werden die drei einzeln eingeblendet mit ihren aufeinanderfolgenden Einsätzen. Auf der Videowand werden Hände gezeigt, die auseinanderlaufen. Es gibt relativ wenige Totalen. An einer Stelle wird mit der Deckenkamera gearbeitet, die runde Bühne in goldgelb erscheint dann. Die Choreographie mit den nach oben gereckten Armen gegen Ende, der Schriftzug CRY NO MORE, selbst die Kameraführung scheinen mir sehr ähnlich wie bei der ersten Probe. Die Bewegungen sind zwar nicht 100% synchron, aber am Ende kommt es bei diesem Song vor allem auf die Stimmen an, und die sind 150% aufeinander abgestimmt.


Alles in allem kann man hier wirklich nichts mehr dran korrigieren, es wirkt dermaßen rund und die Drei selbstsicher wie nur wenige Acts. I like.

 

 

Ungarn – Joci Pápai – Origo

Eigentlich kann man ein ähnliches Fazit auch für Ungarn ziehen – wesentlich besser kann man dies nicht inszenieren. Auch hier haben wir die ausgewogene Kombination von dunklem Blau und Goldtönen (zum Ende dominiert Rot), was weder langweilig noch irgendwie aufdringlich wirkt. Die drei Hauptpersonen, Joci, die Tänzerin und auch die Geigerin auf der vorn liegenden Satellitenbühne werden abwechselnd ins Bild geholt, je anchdem welches Element in der Musik gerade überwiegt.


Im Mittelteil tanzen Joci und die Tänzerin ein paar Sekunden miteinander, bevor der Rap-Teil startet. Einzig dieser Part wird womöglich manche zartbesaiteten Zuschauer etwas abschrecken, ich finde ihn gut eingepasst.


Am Ende wird er durch den typischen ‚Origo‘-Rhythmus wieder aufgefangen, so dass ich ihn nicht als störend empfinde. Er gibt dem Stück eher noch eine wohldosierte Prise Dynamik/Dramatik, ohne die das Ganze ansonsten eventuell etwas repetitiv klingen würde.

 

 

Dänemark – Anja Nissen – Where I am

Breaking News (endlich habe ich was Neues zu vermelden!) – Anja hat ihre Garderobe gewechselt. Statt der zweifarbigen Wohnzimmerlampenhose trägt sie nun wieder das rote Kleid aus dem Melodi Grandprix, und ist entsprechend geschminkt. Wäre in meinen Augen sicher die bessere Wahl. Kommt es mir nur so vor, oder ist der Hintergrund jetzt auch wesentlich goldener und nicht mehr so dunkel wie am Dienstag?


Es startet mit einer Close-up-Sequenz, bis sie die Bühne einnimmt. Und dann geht es seinen gewohnten Gang. Ich werde noch immer nicht warm mit dem Song, obwohl er in den Wettquoten ja stark aufgeholt hat.


Hier im Pressezentrum gibt es auch kaum Reaktionen. Irgendwie geht das links rein und rechts wieder raus. Aber ich gebe zu: sehr ordentlich gesungen! Und das Diastema im Oberkiefer ist goldig.

 

 

Irland – Brendan Murray – Dying to try

Diese Probe sehe ich heute zum ersten Mal, daher habe ich jetzt nur den youtube-Schnipsel als Vergleichsmöglichkeit.

Natürlich bleibt die Inszenierung mit dem Heißluftballon, abenso wie die Landschaften im Hintergrund. Wegen der unterschiedlichen Perspektive finde ich die schwarzweißen Berg-Muster links und rechts aus dem Video nicht 1:1 auf dem Bildschirm wieder. Aber es ist sicherlich dasselbe Setting.


Stimmlich ist es etwas müde heute, und selbst die Key-Change-Passage zündet für mich (und für das Pressezentrum, immerhin mittlerweile fast zur Hälfte besetzt) überhaupt nicht. Sorry, Matthias! 😉

Oh, ich bin selber wohl nicht ganz wach. Die Berg-Muster sind im ersten Refrain fast bildfüllend links und rechts sichtbar. Choreographisch ist das m.E. völlig falsch inszeniert. Der Chor, dessen Einsatz ja sehr zentral für das Funktionieren des Songs ist, wird überhaupt gar nicht gezeigt.


Hier wäre unbedingt notwendig, dass man sie vorab schon sieht, dann Close-ups kommen, und sie beim großen Einsatz nach vorne kommen. So ist das ein kompletter Non-Starter. Schade, aber das hat so kaum einen Effekt. Hätte nicht gedacht, dass die Iren das so blutleer inszenieren, gerade weil sie doch einen ganz guten track record mit klassischen Grand-Prix-Balladen haben…

 

 

San Marino – Valentina Monetta & Jimmie Wilson – Spirit of the night

Dieser rhythmische Disco-Song ist stimmlich und farblich wieder schön umgesetzt. Wenig Änderung zu Dienstag. Die Garderobenfrage scheint ein Thema zu sein, und so hat man ein paar andere Dinge aus dem Kleiderschrank geholt: Jimmie trägt jetzt Rundhals-T-Shirt (ist auch ok, der V-Ausschnitt wirkte aber doch auffälliger).

Bei Valentina setzt man jetzt auf eine schwarz-weiß-vertikalgestreifte Kombination, die merkwürdig unsexy wirkt. Erinnert an Poli Genova im letzten Jahr. Ihre Kombination der ersten Probe wirkte wesentlich natürlicher und irritierte nicht so wie das heutige Outfit. Schaut wie eine Motorradkluft aus, jedenfalls nicht nach Club-Atmosphäre. Und die Mütze sollte man unbedingt weglassen, siehe Dienstag.


Was ich auch schade finde, ist dass man dem Chor, der auf der Bühne sichtbar platziert ist, kein Close-up gönnt. Gerade die Stelle mit den Handclaps wäre eine ideale Gelegenheit, die drei mit ins Geschehen zentral einzubeziehen. Schließlich tanzen die beiden ja nicht mutterseelenallein in dem Club. Die Kamera hat heute ihre liebe Mühe. Da läuft Jimmie mal rechts aus dem Bild, oder Arme der Choristen hängen im Bild herum.


Fazit: Bitte entscheidet Euch für die Outfits vom Dienstag (und ohne Mütze und Handtasche für Valentina), bringt ein bisschen Ruhe in die Kameraführung, und zeigt uns den Chor beim Handclap-Teil. Dann wird das ein richtig runder Auftritt!