186 Millionen Zuschauer verfolgen die drei ESC Live-Shows aus Lissabon

Ein Plus von 4 Millionen Zuschauern im Vergleich zum Vorjahr vermeldet die Europäische Rundfunkunion (EBU) für die Live-Shows des ESC 2018. Der durchschnittlichen Marktanteil von 35,8 Prozent blieb 2018 konstant, liegt aber weit über dem Durchschnitt (15,3 Prozent) für Prime-Time-Sendungen dieser Sendergruppe.

Die EBU hat zusammen mit Eurodata die Einschaltquoten und Zuschauerzahlen des ESC 2018 aus 42 untersuchten Märkten zusammengetragen und bekannt gegeben: 186 Millionen Zuschauer bedeuten aktuell ein Anstieg um 4 Millionen Zuschauer. Im Vergleich der letzten 5 Jahre fällt jedoch auf, dass zwischen der Rekordzahl von 204 Millionen in Stockholm (mit Justin Timberlake als Interval Act) und dem Ergebnis von Lissabon eine Lücke von 18 Millionen Zuschauern klafft. Besonders auffällig ist der Einbruch zwischen 2016 und 2017, als Russland seine Teilnahme in Kiew zurück zog.

2018 Lissabon: 186 Millionen
2017 Kiew: 182 Millionen
2016 Stockholm: 204 Millionen
2015 Wien: 197 Millionen
2014 Kopenhagen: 195 Millionen

Schlüsselt man den Marktanteil nach Altersgruppen auf, so sticht ins Auge, dass der ESC beim „jungen Publikum“ besonders starke Werte verzeichnet. Dies macht die TV Übertragungsrechte für die ESC Live-Shows für die teilnehmenden Sender auch besonders attraktiv. Der Marktanteil der 15- 24 Jährigen beim Grand Final betrug beispielsweise 43,1 % und lag somit mehr als viermal so hoch wie der Durchschnittswert (10,6%) dieser Sendergruppe. Hier die Vergleichswerte:

Alter 4-15: Marktanteil Grand Final 35,1% / Schnitt 8,3%
Alter 15-24: Marktanteil Grand Final 43,1% / Schnitt 10,6 %
Alter 25-34: Marktanteil Grand Final 35,4% / Schnitt 9,5%

Auch online legte der ESC 2018 zu. Es gab über 6,6 Millionen Aufrufe aus 198 Ländern für die Live-Streams auf dem offiziellen ESC YouTube-Kanal, eine Steigerung von 10% im Vergleich zu 2017. Das Grand Final wurde 2018 zudem von 13 EBU-Radio-Organisationen ausgestrahlt.

Werfen wir zunächst einen Blick auf die D-A-CH Länder. Die Einschaltquoten aus Deutschland gibt es hier im Detail. Das Grand Final mit dem tollen 4. Platz für Michael Schulte sahen 7,71 Millionen Zuschauer in der ARD und 500.000 auf ONE. Dies bedeutete zwar eine Steigerung des Marktanteils auf 33,3, % bei den Gesamtzuschauern und 42,0 % bei den 14-49 Jährigen, aber hier wäre vielleicht mehr möglich gewesen.  Außerhalb der ESC Fan-Bubble war in Deutschland leider gar nicht richtig angekommen, dass Michael Schulte in Woche vor dem ESC in den Top-Favoritenkreis aufstieg, sonst wären vielleicht doch ein paar TV Zuschauer mehr neugierig geworden. Immerhin: während des Auftritts von Michael Schulte hatten zeitweise 8,89 Millionen das Erste eingeschaltet.

Auch in Österreich verzeichnete das ESC Finale hohe Einschaltquoten. Der ORF teilte mit, dass den Auftritt von Cesár Sampson im Grand Final im Schnitt 928.000 Zuschauer sahen, was einem Marktanteil von 37 Prozent entspricht. In der Zielgruppe der 12- bis 49-Jährigen waren es sogar 49 Prozent. Die finale Punktevergabe, als „Nobody but you“ im Juryvoting triumphierte, verfolgten zu nächtlicher Stunde durchschnittlich 869.000 Zuschauer. Auch die Übertragung des ersten Halbfinals bescherte dem ORF Quotensteigerungen im Vergleich zum Vorjahr. Den ersten Teil des Semifinals verfolgten 483.000 Zuschauer (Marktanteil 18 %). Den zweiten Teil mit dem Auftritt von Cesár Sampson sahen im Schnitt 551.000 Zuschauer (Marktanteil 20%). Bei der Verkündung der Qualifikanten für das Finale fieberten gegen 23 Uhr noch 495.000 Zuseher mit (Marktanteil: 32%).

Nach dem Ausscheiden der Schweiz im Halbfinale sackten die SRF-Quoten für das ESC Finale erwartungsgemäß deutlich ab. Das erste Halbfinale mit dem Auftritt von Zibbz wollten 122.000 Zuschauer auf SRF2 sehen (Marktanteil 10,1 %). Das zweite Halbfinale auf SRF2 sahen noch 89.000 Zuschauer (Marktanteil 6,8 %). Das Grand Final auf SRF 1, ohne Schweizer Beteiligung verfolgten 234.000 Zuschauer, was einem Marktanteil von 23,1 % entspricht (Vorjahr: SRF 1, 272.000 Zuschauer, Marktanteil 24,2 %).

Zum Abschluss noch die Quoten in einigen ausgewählten Ländern. In Israel verzeichnete der Sieg von Netta natürlich Traumquoten und laut KAN die höchsten Werte seit 2005. Durchschnittlich eine Million Zuschauer verfolgten das Grand Final, was einem Marktanteil von 50,9% entspricht.

Auch das zweitplatzierte Zypern hatte nicht nur sein bestes Ergebnis der ESC-Geschichte zu feiern, sondern auch die höchste Zuschauerzahl seit 2003: die 250.000 Zuschauern entsprechen 77,4% Marktanteil.

Ein Blick auf die Big 5:
Großbritannien: die BBC One verzeichnete durchschnittlich 7 Millionen Zuschauer, was einem Plus von 5% entspricht.
Frankreich: France 2 meldet mit 5,2 Millionen Zuschauern die höchsten Zuschauerzahlen seit 2009 und ein Anstieg von 10% im Vergleich zum Vorjahr.
Spanien: In Spanien hielt der „Operacion Triunfo“-Hype an, trotz des mauen Abschneidens von Alfred & Amaia. Die Zuschauerzahl verdoppelte sich im Vergleich zu 2017 und bescherte dem spanischen Sender Rekordwerte: 6,4 Millionen Zuschauer und 42,2 % Marktanteil sind das beste Ergebnis seit 2008.
Italien: 3,4 Millionen Zuschauer bedeuten die zweithöchste Zuschauerzahl seit Italiens Rückkehr 2011.

Auch Gastgeberlandland Portugal verzeichnete Erfolge: 1,5 Millionen Zuschauer im Finale bedeuteten ein Zuwachs von 10% und erfreuten Host Broadcaster RTP mit einen Marktanteil von 36,4%.

Der insgesamt nur moderate Anstieg der Gesamt-Zuschauer von 182 auf 186 Millionen hängt sicher auch mit dem schwachen Abschneiden der üblicherweise für das Finale qualifizierten Länder Russland, Polen, Griechenland, Aserbaidschan, Armenien und Rumänien zusammen. In diesen Ländern wurden vermutlich keine Rekordwerte erzielt. Auch das Zuschauerinteresse in den USA ist zwar gewachsen, aber immer noch überschaubar. Logo TV erreichte gerade mal 74.000 Zuschauer.

Auf Eines ist jedoch immer Verlass: Island hat mit 95,3% erneut den größten Zuschaueranteil aller Märkte erzielt, obwohl Island bereits das vierte Jahr in Folge gar nicht im Finale vertreten war. Das ist wahre ESC-Liebe.