ESC 2018: Ein zweiter Blick auf die Punkte (1)

Knapp eineinhalb Woche ist der Eurovision Song Contest 2018 in Lissabon nun her, unsere Koffer sind ausgepackt und es wird Zeit, einen zweiten und genaueren Blick auf das Ergebnis und die Punkteverteilung zu werfen: Welches Land hat überraschend gut, welches überraschend schlecht abgeschnitten? Wie unterscheiden sich Jury- und Televoting? Welches Land hatte für die spätere Siegerin Netta aus Israel keinen einzigen Punkt übrig? Welche Nachbarn meinten es besonders gut miteinander? All das und noch mehr analysieren wir in der Miniserie „Ein zweiter Blick auf die Punkte“.

Teil 1: Das Gesamtergebnis (Aufmacherfoto)

Fangen wir oben an: Israel holt seinen 4. ESC-Sieg, während Zypern bei seiner 35. Teilnahme mit Platz 2 die beste Platzierung aller Zeiten einfährt. Diese Platzierungen waren so (oder so ähnlich) erwartet worden.

Überraschend wird es dann auf Platz 3 und 4. Während Deutschland zumindest durch die Proben etwas weiter vorne gesehen wurde als noch vor Beginn der heißen Phase (z.B. auch in unserer Prognose), hatten nur die Allerwenigsten Österreich auf dem Zettel. Wie Cesár so unter dem Radar fliegen konnte (oder – je nach Sichtweise – so extrem viele Punkte einfahren konnte) ist sicherlich eine der spannenden Fragen dieses ESC (der wir morgen noch bei der genaueren Analyse des Jury-Votings nachgehen werden).

2018 Österreich Cesar Blue Carpet

Auf diese beiden Länder folgt ein Block an Songs, die – bis auf Dänemark – alle mehr oder weniger auch auf einen Platz in den Top10 gewettet wurden. Albanien auf Platz 11 und Litauen auf Platz 12 haben sicherlich das Beste aus ihren Songs herausgeholt. Frankreich hingegen wird den – mit Blick auf die Quoten – enttäuschenden 13. Platz noch genauer analysieren müssen. Enttäuscht sein dürften auch die Bulgaren, die mit ihrem sehr sterilen Gesamtpaket „nur“ auf Platz 14 gelandet sind.

Auch Alexander Rybak konnte mit Platz 15 dem zwischenzeitlichen – und mir völlig unverständlichen – Quotenhype nicht gerecht werden, ebenso wie Irland auf Platz 16. Ersteres dürfte wohl schlicht und einfach dem Song geschuldet sein, während Ryan im Finale auch stimmlich sicherlich nicht die beste Performance abgeliefert hat.

Im hinteren Mittefeld beschert Jessica Mauboy Australien mit Platz 20 die bislang – mit Abstand – schlechteste Platzierung beim ESC. Am Ende musste Down Under noch froh sein, dass die Jurys über sämtliche Schwächen in Sachen Gesang und Performance hinweggesehen und so eine noch schlechtere Platzierung verhindert haben (mehr dazu morgen). AWS aus Ungarn habe ich dagegen sehr viel weiter oben erwartet: Nicht nur, weil mir der Song persönlich gefallen hat, sondern auch, weil die Jungs mit ihrem harten Rock durchaus ein Alleinstellungsmerkmal im Finalfeld hatten.

Und noch ein Blick auf die hinteren Plätze: Die Big5-Länder Spanien und Vereinigtes Königreich kommen einfach nicht aus ihrem Ergebnis-Tal. Das war allerdings auch dieses Jahr wieder im Vorfeld absehbar, denn beide haben keine überzeugenden Pakete abgeliefert. SuRies „Storm“ wurde leider – wie „Perfect Life“ im vergangenen Jahr – weit unter Wert produziert; „Tu Canción“ dürfte an einer Mischung aus Altbackenheit, Alfreds Stimme und Startplatz 2 gescheitert sein.

Ganz unten hält Portugal mit einer im Finale bis zur Unkenntlichkeit geschminkten Cláudia Pascoal die schöne Tradition aufrecht, dass Gastgeberländer in den letzten Jahren (Frans ausgenommen) eher unterdurchschnittlich bis schlecht abschneiden.

2018 Portugal Claudia Pascoal Auslosung

Welche Auffälligkeiten im Gesamtergebnis haben wir übersehen? Welche Erklärungen habt ihr für die Platzierungen, was seht ihr anders?

Morgen analysieren wir an dieser Stelle die Unterschiede zwischen Tele- und Jury-Voting.