ESC 2018: Erste Probe und Meet & Greet Deutschland

Es ist soweit! Michael Schulte und die deutsche Delegation sind gestern in Lissabon angekommen und heute wird „You let me walk alone“ zum ersten Mal auf der ESC-Bühne in der Altice Arena erklingen.

Michael steht vor einer halbkreisförmigen LED-Wand. Er wird nur sehr spärlich angeleuchtet, die Gesamtoptik ist eher dunkel. Auf der LED-Wand laufen bis zur Bridge die gleichen Grafiken wie schon beim Vorentscheid, zur Bridge hin gibt es dann einen optischen Trick. Aus Michaels Silhouette auf der Bühne erscheint auf der LED-Wand eine schwarz-weiße, sich drehende Spirale. Zum Schlussrefrain wird die Bühen in tiefrotes Licht gehüllt und auf der LED-Wand passiert eine ganze Menge. Am Ende steht er vor einem großen „ALONE“ im Halbschatten.

Eine spontane Umfrage am Bloggertisch ergibt, dass es zum Schluss hin etwas zu unruhig wird und dass man Michaels Gesicht mehr zeigen müsste. Warten wir mal auf die nächsten Durchgänge.

Beim zweiten Mal ist Michael besser ausgeleuchtet. Er trägt eine blaue Jeanshose und einen schwarzen Pullover mit Rundhalsausschnitt. Dass er auf einer großen ESC-Bühne steht, sieht man erst nach der Bridge, bis dahin hat er eine kleine und intime Bühne mit schlauen Kamerafahrten für sich. So geht die Kamera in einer Einstellung in der zweiten Strophe rechts an ihm vorbei in Richtung LED-Wand und kommt links wieder zurück. Totale gibt es wie gesagt gar nicht, dafür viele Close-Ups.

Zu unruhig ist es uns nach wie vor in der Bridge, wenn die Silhoutten-Spirale entfacht wird. Dies wird uns durch einen Kollegen aus den Niederlanden gerade bestätigt. Er meint, dass man den Zuschauer, den man gerade in seinen Bann gezogen hat, durch die Psychedelik wieder verliert. Und er ist sicher, dass wir hier einen Gewinner haben, wenn man es so ruhig wie zu Beginn bis zum Ende durchzieht.

Michael selbst macht das natürlich richtig gut. Seine Stimme ist zwar manchmal etwas brüchig, aber das passt wunderbar. Er schaut die ganze Zeit mit tieftraurigen Augen in die Kamera und schafft dadurch eine tolle Verbindung zum Publikum. Im letzten Durchgang hat er seine Stimme nochmal ein wenig ausprobiert und die Melodie teilweise neu erfunden. Also singen kann der Mann wirklich!

Insgesamt war das eine wirklich vielversprechende Probe. Die Grafiken auf der LED-Wand sind gut und mit den schwarz-weißen Familienfotos auch sehr effektiv. Über den letzten Teil ab der „Spirale“ sollte man vielleicht noch einmal nachdenken, das ergab auch eine Blitzumfrage an den Nebentischen. Der Song hat diese Art der optischen Unterstützung eigentlich nicht nötig.

 

Gerade ging auch das Meet and Greet mit Michael zu Ende. Eine sehr „besondere“ Pressekonferenz, wie Moderator Pedro anmerkte, weil es auch ein bisschen emotional zuging. Natürlich musste nochmal die Geschichte des Songs erzählt werden, und Michael betonte, dass er vieles dafür hergeben würde, wenn er noch einmal als erwahsener Mann mit seinem Vater sprechen könnte. Aber auch die eigenen Vaterfreuden, denen er Ende August entgegensieht, waren Thema.

Dass er Vater wird, weiß Michael seit Weihnachten. Aber diese Tatsache hatte nichts damit zu tun, dass er nun „You let me walk alone“ geschrieben habe.

Mit der Probe war er ziemlich zufrieden. Der Sound sei prima und auch die Visuals auf der „Projektionsfläche“ gefallen ihm gut. Es gibt laut Michael diejenigen, die meinen, man müsse optisch überhaupt nichts anbieten. Und es gibt diejenigen, die ein am liebsten ein Feuerwerk abrennen würden. Er findet, dass man jetzt etwas hat, dass schön in der Mitte liegt und das er total überzeugend findet.

Gesungen wurde natürlich auch. Auf besonderen Wunsch einer portugiesischen Journalisten sang Michael „Grow old with me“, später nahm er dann noch die Gitarre zur Hand und sang ein Kurzmedley aus „Smuk som et stjerneskud“ und „Satellite“.

Unser neuer Head of Delegation, Christoph Pellander, wurde gefragt, wie ihm der Job gefalle. Natürlich fantastisch, wie man sich vorstellen kann. Es gebe eigentlich keinen besseren Job für jemanden, der den ESC als Hobby hat und gleichzeitig beim Fernsehen arbeitet. Er liebe diese Aufgabe.

Und dann war es auch schon vorbei. Absolut kurzweilig ist es gewesen. Michael war sehr gut drauf und wirkt komplett tiefenentspannt – zumindest nach Außen hin.

Die nächste deutsche Probe bekommen wir dann am Sonntag Mittag ab 12.15 Uhr deutscher Zeit. Stay tuned!