ESC 2018: Meet & Greet mit Alexander, The Humans, Balkanika, Jessika und Jenifer

Was für ein Vormittag – ich komme zu nichts, weil die Verzögerungen im Stundenplan sowie absurde Proben, die ich natürlich unbedingt sehen muss, es einfach nicht zugelassen haben, früher mit diesem Artikel zu beginnen. Nun aber! Dritter Probentag mit den Meet and Greets der ersten Tageshälfte.

Mit etwa 20 Minuten Verspätung tauchte Alexander Rybak im Pressezelt auf, der in diesem Jahr den 1.500 ten Beitrag auf einer ESC-Bühne präsentieren wird.  Er ist wieder zurück, weil er beim ESC alles „so farbenfroh“ findet, dabei sei er wohl hier im Pressezelt eigentlich das „schwarze Pferd“. Er meinte sicher „schwarzes Schaf“…

Tatsächlich hat sein Song etwas autobiographisches, denn er bekommt tatsächlich gelegentlich Briefe, in denen er um Tipps gebeten wird – da hilft er natürlich gern.

In den vergangenen Jahren seit seinem ESC-Sieg 2009 hat er eine Entwicklung durchgemacht. Er hat seinen Perfektionismus etwas in den Griff bekommen und versuche auch nicht mehr, immer besonders cool zu wirken. Aber unter Ängsten leidet Alexander wohl manchmal auch noch – er könne manchmal das Haus nicht so gut verlassen. Schließlich werde er in Norwegen immer und überall erkannt und gelegentlich könne er das wohl nicht so gut ertragen. Aber er arbeite dran.

Seine persönliche Version des Vorjahressiegers „Amar pelos dois“ hat er übrigens bereits im März 2017 aufgenommen, quasi als Fanvideo mit eigenem – seiner Meinung nach ziemlich schlechtem – englischen Text (da ist er wieder, der Perfektionist). Veröffentlicht hat er es aber erst nach dem ESC, weil er vor dem ESC keine Partei ergreifen wollte.

Das rumänische Meet and Greet, das quasi gleich im Anschluss stattfand, war unerwartet humorvoll und lustig. So wissen wir jetzt, dass Sängerin Cristina ihre Stimme sehr gern auch selbst hört (sehr ungewöhnlich…)

Es wurde die ganze Zeit gescherzt zwischen den Bandmitgliedern – die Stimmung scheint prima zu sein. Cristina musste natürlich ihren Headbanger vorführen, hatte aber Angst, dass dabei  ihr Busen aus dem Shirt hüpft. „Obwohl – da ist ja eigentlich gar nichts, was herausfallen könnte“ ergänzte sie lachend.

Ob die Band Druck verspüre wegen der ständigen rumänischen Finalqualifikationen, wurden sie gefragt. Cristina sagte dazu nur, dass sie beim Singen überhaupt nicht an den Wettbewerb denke. Ich mache meinen Job  so gut, wie ich kann und alles weitere liegt nicht mehr in meiner Hand. Da hat sie sicher Recht!

Weiter nach Serbien und Sanja Ilics Rückkehr zum ESC nach 36 Jahren. Er findet, dass sich seit damals gar nicht viel verändert habe. Auch in Harrogate habe es viele gute Songs gegeben und die Kollegen aus den anderen Ländern waren schon damals alle super!

Seinen ersten Jugovizija-Beitrag hat er übrigens schon 1968 verfasst. Damals durfte er aber nicht mit zur Vorentscheidung nach Skopje, weil er erst 16 Jahre alt war. Sachen gibt´s…

Roesenapplaus gab es für die Forderung des Drummers der Band Balkanika, alle Länder sollten bitteschön wieder in der eigenen Sprache singen. Es sei so wichtig, seine eigenen Traditionen hochzuhalten – Europa sei so vielfältig, das müsse sich auch beim ESC widerspiegeln.

Dann wurde es kurz peinlich bis absurd. Tatjana, die überschminkte und mindestens gebotoxte Ehefrau von Sanja, wurde auf die Bühne gebeten, um etwas zum Thema „Nova Deca“ (Neue Kinder) vorzutragen. Sie entführte uns dann in einen Diskurs über Liebe unter den Menschen, ohne die ja niemals neue Kinder entstehen würden. Durch gute Taten könnten wir unsere DNA positiv beeinflussen und die Menschheit genetisch verbessern – so in etwa war der Tenor ihrer verworrenen Aussagen…

Sanja ist übrigens so etwas wie der Patriarch und guter Geist der ganzen Truppe. Er tritt auch nicht mehr selbst auf der Bühne in Erscheinung. Singen sollten lieber diejenigen, die das auch können. Was also für Belgrad offenbar noch reichte, ist in Lissabon nicht mehr möglich!

Und dann kamen „J & J“ aus San Marino. Die Idee zu dem Song hatte angeblich Jessika aus einer Bullying-Erfahrung heraus, über die sie aber nicht weiter sprechen wollte.

Beide waren noch nie in San Marino und haben auch noch nie die „graue Eminenz des Landes“, Valentina Monetta getroffen. Der Delegationsleiter fügte scherzhaft hinzu, dass es auch erst eine Einladung geben würde, wenn die beiden das Finale erreichen.

In Malta sei man ganz aus dem Häuschen, dass es in diesem Jahr zwei Malteser bei ESC gebe, erzählte Jessika. Auch in Deutschland sei man schon gespannt, welcher der beiden deutschen „Acts“ wohl besser abschneide, fügte Jenifer hinzu, ohne mit der Wimper zu zucken. Und San Marino bekäme von Deutschland sicher viele Punkte!

Die Diskussion schweifte dann etwas ab in Richtung Frauenrechte. Plötzlich sollte der Song auch eine Hymne für Girlpower sein. Irgendwie waren das alles nur Allgemeinplätze, die da verbreitet wurden. Inhaltliche Aussagen gleich null. Immerhin gab es schon Glückwünsche für 12 Punkte aus Malta. Es könnte die einzige Freude bleiben für die zwei Damen!

Weiter geht es später mit den Meet and Greets aus Dänemark, Russland und Moldawien.