ESC 2018: Rollblog erste Proben Finnland, Armenien, Irland und Zypern

Mit den Nachmittagsproben an Tag 2 komplettieren wir das erste Semifinale. Den Anfang macht Saara Aalto aus Finnland, die uns eine komplett neue Show im Vergleich zum National Final versprochen hat. Wir sind gespannt. Weiter geht es dann mit Sevak aus Armenien und Ryan aus Irland. Zum Abschluss des Tages erwarten wir einen feurigen Auftritt von Fanliebling Eleni für Zypern.

Finnland – Saara Aalto

Die Erwartungshaltung ist hoch nach den vielversprechenden Ankündigungen von Saara Aalto für ihre Bühnenshow. Showeffekte, die es beim ESC noch nie gab wurden avisiert. Da steht sie nun in einem körperbetonen schwarz funkelnden Minikleid, das tief ausgeschnitten ist und mit einem auffälligen Collier verziert ist.

Die Kulisse kommt uns bekannt vor. Etwa alles nur geklaut? Wir sehen zwei Treppen links und rechts, die uns etwas an Cascada erinnern sowie, die leuchtenden Trapeze von Zibbs aus dem Schweizer Vorentscheid und dazu Formen und Farben, die an Levinas „Perfect Life“ Video erinnern. Über allem thront ein Kubus.

Eine Drehscheibe in Form von Eiskristallen wird zu Beginn eingeblendet. Saara Aalto wirkt vor der Kulisse wie eine Eisprinzessin. Und dann geht es auch schon furios los: Saara wird angeschnallt und singt die erste Strophe drehend und teilweise kopfüber (wie beim Domino-Auftritt beim National Final). Das führt leider zu der ein oder anderen stimmlichen Unsicherheit. Das Abschnallen von der Drehscheibe klappt zunächst leider auch nicht wie gewünscht.

Zwei Tänzer führen Saara dann die Treppe hinunter und zwei Backing-Sängerinnen kommen auch hinzu. Alle tragen auffällige schwarze Lederhandschuhe und sind in grauen Uniformen gekleidet, die auf den ersten Blick wie Uniformen aus dem ersten Weltkrieg anmuten. Im Mittelteil läuft Saara mit den Tänzern die Bühne entlang um zum Finale wieder auf ihren Eisthron zu besteigen. Zu den letzten Tönen von Monsters lässt sie dann effektvoll rückwärts in die Arme der Tänzer fallen.

Insgesamt sehen wir drei Durchgänge von „Monsters“. Im finalen 3. Durchgang gibt es zum Abschluss einen Goldregen und die Tänzer feuern zusätzlich Pyrotechnik ab. Dann lässt sich Saara nach hinten fallen. Es gibt ordentlich Applaus im Pressezentrum.

Fazit: Die Inszenierung ist unterhaltsam und interessant, aber auch etwas gewollt und sehr düster. Der Bezug zum Thema „Monsters“ erschließt sich nicht sofort, stattdessen gibt es Militäruniformen. Stimmlich sollte Saara bei den nächsten Proben noch an Sicherheit gewinnen.

Armenien – Sevak Khanagyan

Sevak Khanagyan hat sich für einen grauen etwas zotteligen und asymmetrischen Mantel entschieden. Er könnte sich damit einen vorderen Platz beim Barabara Dex Award sichern. Vielleicht war aber auch einfach das Bügeleisen defekt, man weiß es nicht. Dafür scheint er frisch vom Friseur zu kommen. Der Nacken ist perfekt ausrasiert. Seinen Brustpanzer vom armenischen National final hat er zum Glück zuhause gelassen.

Er steht in einer kreisförmigen Kulisse aus unterschiedlich hohen Gebilden, die uns an Stonehenge erinnern. Das ganze Setting wirkt sehr mystisch und ist in dunklem blau und grau gehalten. Sevak steht alleine ohne Background-Sänger auf der Bühne. Der Auftritt ist sehr reduziert und ganz auf ihn fokussiert. Es gibt viele Close-ups und lange Kamerafahrten um ihn herum.

Der Song baut sich ja sehr langsam auf. Wenn zum Ende hin der kraftvollere Teil kommt, wird die Windmaschine höher geschaltet und es wird mit Lichtblitzen gearbeitet und etwas Dynamik herein zu bringen. Leider sehen wir im Pressezentrum nur zwei Durchgänge. Es gibt anschließend verhaltenen Applaus für Sevak.

Fazit: Die Inszenierung von „Qami“ wirkt düster und traditionell. Ein Bär von einem Mann steht inmitten einer mystischen Stonehenge-Kulisse.

Irland – Ryan O’Shaughnessy

Nun das Land, das bereits sieben Mal den ESC gewonnen hat, aber in den letzten Jahren regelmäßig strauchelte. Endet 2018 die lange Durststrecke des Senders RTE? Zuletzt qualifizierte man sich 2013 für das Grand Final. Nun soll es der aus „The Voice“ und „Britains Got Talent“ bekannte Sänger Ryan O’Shaughnessy richten.

Ryan steht im schwarzen Outfit mit auffälliger weißer Gitarre und weißen Schuhen auf der Bühne. Am schwarzen Flügel sitzt eine weiß gekleidete Frau. Der erste Teil von „Together“ ist ganz fokussiert auf die Beiden. Bei der Zeile „Look me in the Eyes“ blicken sie sich tief in die Augen.

Dann tauchen auf der Brücke plötzlich händchenhaltend zwei Jungs auf. Es gibt einen Raunen im Pressezentrum. Sofort fühlt man sich an das Official Video von „Together“ erinnert. Die zwei Jungs im Casual-Look tanzen analog zum Video synchron durch das Setting vorbei an einer Straßenlaterne und nehmen auf einer Bank Platz.

Am Nachbartisch wird bereits diskutiert, ob beim Anblick des Männerpärchens nicht das ein oder andere Land am liebsten das Bild schwärzen würde.

Die ganze Inszenierung ist sehr gefühlvoll. Ryan hat auch zeitweise die Augen geschlossen, wie damals Max Mutzke. Zum Ende hin beginnt es auch noch zu schneien (wie 2012 bei Loreen „Euphoria“).

Fazit: Wem das Official-Video gefällt, der wird auch an der Live- Inszenierung seine wahre Freude haben. Wer das Video nicht kennt, dürfte zunächst überrascht oder irritiert sein. Finaleinzug ist möglich!

Zypern – Eleni Foureira   

Wow! Mit ihrem Outfit spielt Eleni ihre optischen Reize gezielt aus: ein atemberaubendes hautenges und bauchfreies Pailettenkleid. Mit auf die Bühne bringt sie vier Tänzerinnen.

Zu Beginn schreitet Eleni lasziv aus dem Dunkel nach vorne. dann zündet Eleni ein wahres Dance-Feuerwerk. Die Choreografie ist wild, die Haare wirbeln und es gibt diverse anzügliche Moves. Das Publikum im Pressezentrum kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus. Man hört viele „Aah“ und „Oohs“.

Nun die Frage aller Fragen. Platziert Elenis Sponsor Ananas auf der Bühne? Nein, dafür hat Eleni ordentlich Feuer im Hintern: Trash-Highlight der Performance sind nämlich Feuer-Hologramme, die während der Show links und rechts von Eleni gezündet werden. Böse Zungen am Nachbartisch behaupten, das sehe aus als habe sie Blähungen. Auf jeden Fall ist das herrlich „Over the Top“. Das gesamte Pressezentrum schaut wie gefesselt zu.

Ich bin positiv überrascht, denn stimmlich meistert Eleni Foureira den Song ganz ordentlich und das ist bei der wilden Choreografie sicher kein leichtes Unterfangen. Nach jedem der drei Durchläufe gibt es viel Applaus im Pressezentrum.

Fazit: ein richtig feuriger Auftritt. Eleni wird beim ESC 2018 für Furore sorgen.Die Choreografie von „Fuego“ werden wir bestimmt als Parodie auf diversen ESC-Events in der Zukunft wiedersehen. Die Finalqualifikation scheint eine Formsache. Zumal auch Punkte aus Albanien und Griechenland greifbar sind. Eleni ist schließlich in Albanien aufgewachsen und mit 10 Jahren dann mit ihrer Familie nach Griechenland ausgewandert, wo sie heute als Popsängerin und Schauspielerin bekannt ist.  

Damit sind die Proben an Tag 2 zu Ende. Salman berichtet von den aktuell noch laufenden Meet & Greets und heute Abend folgt natürlich wieder unser „The Good, the Bad and the Ugly“.