ESC 2018: Rollblog erste Proben Lettland, Schweden und Montenegro

Die Mittagspause ist vorüber und es wird ernst für Laura Rizzotto (Lettland), Benjamin Ingrosso (Schweden) und Vanja Radovanovic (Montenegro) stehen in den Startlöchern.

Lettland: Laura Rizzotto – Funny Girl

Wie schon beim Supernova-Finale hat sich Laura Rizzotto sowohl wieder für ein rotes Stetting, als auch für ein rotes Abendkleid entschieden. Dieses Kleid ist noch atemberaubender als beim National Final mit viel Spitze, z.T. beinfrei und mit Schleppe.

Optisch ist Laura eine richtige Augenweise und wird mit ihren roten Lippen, den endlosen Beinen und dem sexy Outfit sicher so manches Männerherz höher schlagen lassen.

Laura steht alleine auf der Bühne. Alles ist auf sie fokussiert. Sie singt ihren James Bond-angehauchten Song stimmlich sicher. Ihre rauchige Stimme kommt dabei gut zur Geltung. Nach den Durchgängen gibt es jeweils höflichen Applaus im Pressezentrum.

Was passiert in den 3 Minuten von „Funny Girl“? Es gibt viele Close-Ups. Laura macht zum Takt der Musik zunächst verschiedene ruckartige Armbewegungen und gestikuliert sehr auffällig um etwas Dynamik in den Beitrag zu bringen. Mit jedem Durchgang wird die Gestik jedoch etwas zurückgenommen. Das ist auch gut so, dadurch wirkt die Inszenierung harmonischer und stimmiger.

Zum Ende des Songs nimmt sie sich den Mikrofonständer, positioniert sich seitlich um ihre Beine effektvoll zur Geltung zu bringen und wirft dann den Mikrofonständer zu Boden.

Fazit: Lettland hat „Funny Girl“ sehr klassisch und elegant inszeniert. Der Song wird seine Liebhaber finden. Problem ist, dass der Song zu Beginn interessant und fesselnd wirkt und dann Schwierigkeiten bekommt, diese Spannung über 3 Minuten lang aufrecht zu erhalten. Daher verwundert es auch nicht, dass Lettland derzeit bei den „To Qualify“-Quoten als Hop-on-hop-off Land gerade so um Platz 10 herum pendelt.

 

Schweden: Benjamin Ingrosso – Dance you off

Hält die Glückssträhne von Schweden beim ESC weiter an? Der Melodifestivalen-Auftritt wird vom Drei-Kronen-Land ja gerne 1:1 auf die  ESC Bühne transferiert. Ist das auch 2018 bei Benjamin Ingrosso wieder so?

Nein, es gibt diverse kleine, aber feine Änderungen! Los geht es schon mit einem anderen Outfit: Benjamin trägt nun eine viel engere schwarze Jacke in Latex-Optik und eine dunkle enge Hose und weiße Sneaker. Seitlich hängt auch nur noch ein Bändel herunter, weswegen der sehr dunkel gekleidete Benjamin nun vor den Neonröhren etwas weniger auffällt als bisher.

Auch Benjamins Moves variieren im Vergleich zum Mello-Auftritt: das Kopfnicken ist geblieben, aber die Jacke öffnet er nicht mehr lasziv (dafür sitzt sie vermutlich zu eng). Der Verzicht aufs Jackenspiel ist eine gute Entscheidung, denn der Auftritt wirkt ja eh schon sehr auf Hochglanz poliert.

Natürlich hat Benjamin seine Neonröhren mit nach Lissabon gebracht. Die verschiedenen Kameraeinstellungen, wenn Benjamin durch die Röhren läuft, sind ähnlich wie beim Mello, allerdings gibt es ein paar kleinere Variationen beim Farbenspiel.

Es gibt insgesamt 3 Durchgänge und für den letzten Durchgang wird Pyrotechnik angekündigt, die BennyBenny und ich dann aber vergeblich im Auftritt gesucht haben.

Fazit: Benjamin liefert einen perfekt in Szene gesetzten Beitrag, der wie ein 80iger Jahre Live-Videoclip wirkt. Damit sticht er im Teilnehmerfeld sehr hervor. Der Song „Dance you off“ benötigt aber auch diese Inszenierung um seine Wirkung zu entfalten. Dass der schwedische Beitrag sehr geplant, etwas kühl und kalkuliert wirkt, trägt zusätzlich dazu bei, dass „Dance you off“ polarisieren wird. Der Finaleinzug steht im schwächeren 2. Semifinal außer Frage. Top 10 im Finale scheint greifbar.

 

Montenegro: Vanja Radovanovic – Inje

Montenegro nimmt zum zehnten Mal am ESC teil. Erst zwei Mal konnte man sich für das Finale qualifizieren. Vanja Radovanovic war einziger männlicher Teilnehmer beim nationalen Finale und konnte sich aber mit seiner schwermütigen Balkan-Ballade durchsetzen.

Beim Finale in Montenegro trug er noch einen dunklen Gehrock mit Goldverzierungen. Für Lissabon hat er sich leider für ein neues Outfit entschieden: dies war aber keine so glückliche Entscheidung. Es sieht aus wie ein hellblau anmutender asymmetrischer Anzug aus Metall-Wolle. Vanja ist somit auch ein Kandidat für den Barbara Dex-Award.

Vanja wird auf der Bühne begleitet von vier Tänzerinnen in weißen Kleidern mit Federn an den Schultern sowie einem Pianisten am weißen Flügel. Die dominierenden Farben bei seinem Auftritt sind Blau- und Goldtöne.

Die Inszenierung beginnt mit einem geneigten Kopf von Vanja. Im Verlauf des Songs kommen die Tänzerinnen hinzu und machen eine Art Mannequin-Challenge, d.h. ihre Bewegungen werden immer mal wieder eingefroren. Auch ein Ringelreihen, wo jeder jedem mal auf die Schulter fasst, darf nicht fehlen.

Fazit: Vanja serviert uns mit „Inje“ schwere Balkan-Kost. Pluspunkte sind sicher die Landessprache sowie die Ethno- und Folkloreelemente. Leider frisst sich „Inje“ nicht so sehr in die Gehörgänge wie beispielsweise die ESC-Beiträge von Zeljko Joksimovic. Es könnte eng werden für ihn mit der Finalqualifikation.