ESC 2018: Rollblog erste Proben Weißrussland, Estland und Bulgarien

Der letzte Block des Tages ist zeitzonenmäßig eine rein osteuropäische Angelegenheit. Bühne frei für Alekseev, Elina und Equinox.

Weißrussland

Alekseev hat grade seinen ersten Durchlauf gehabt, und man weiß gar nicht, wo man anfangen soll. Soviel ist sicher: Die ersten Lacher im Pressezentrum gab es bei dieser Nummer!Alekseev Weißrussland 2018Alekseev ist gekleidet mit schwarzer Hose und einen weißem Flatterhemd mit einer Art Schal dran. Er übergibt eine Rose an die Kamera, die zitternderweise weitergetragen wird und dann an eine Frau in tiefrotem Kleid übergeht, die anfängt zu tanzen. Die entschließt sie sich alsbald, die Rose als Pfeil mit einem Bogen auf Alekseev zu schießen, wobei sie dummerweise dessen Hand durchstößt und steckenbleibt. Es blutet aber nicht richtig, das Hemd bleibt blütenweiß. Er winselt weiter sein Liedchen, auf das keiner mehr achtet, und die Tänzerin schmeißt sich wie von Dämonen besessen auf den Boden und krümmt und windet sich. Was für ein Brüller!Alekseev Weißrussland 2018So geht das dann noch eine Minute weiter, bis er sich zum Ende hin umdreht, das Hemd am Rücken aufgerissen ist und ein Meer aus Rosen daraus quillt, das wie eine riesige Fleischwunde wirkt. Man könnte meinen, ein mißlungenes Halloween-Kostüm vor sich zu haben. „It’s absolutely hilarious!“ prustet eine Kollegin am Nachbartisch. Es schaut in jedem Fall sehr unappetitlich aus, und albern noch dazu, weil sich der fleischfarbene Rand der „Wunde“ an den Seiten aufwellt.

Man ist selbst beim dritten Durchlauf komplett fixiert auf das Schauspiel und bekommt nichts vom Lied mit. Ob das dem Beitrag am Ende helfen kann?

 

Estland

Elina Nechayeva, die Unaussprechliche, macht sich bereit und steht natürlich erhöht, um das Mega-Kleid wirken zu lassen. Es beginnt mit einem Close-Up, bis langsam die ganze Pracht durch ein Zurückfahren der Kamera sichtbar wird. Flawless singing, wie der Engländer sagt, und alle möglichen Farben, Muster und Kamerawinkel werden während der drei Minuten aufgefahren.

Elina Nechayeva Estland 2018

Es wirkt vollkomen perfekt, nicht zuletzt weil man sich natürlich um den Gesang bei Elina überhaupt keine Sorgen machen muss, und weil durch das statische Auftreten alle Risiken, dass irgendwas nicht klappt, im Prinzip auf Null stehen.

Elina Nechayeva Estland 2018

Jetzt darf nur nicht der Farbprojektor ausfallen, der Elina in den allerletzten Sekunden zum größten Lolli aller Zeiten verwandelt. Dann wird alles gut. Und der Fluch, der auf Opern-Pop-Nummern beim ESC liegt, hoffentlich mal aufgehoben.

Bulgarien

Nun das US-bulgarische Quintett Equinox. Auffällig ist das Auseinanderdriften der Stimmlagen, das jetzt noch viel stärkr wirkt als in der Studioversionen. Übermäßig hohe Strophenzeilen der Jungs wechseln mit tiefen Passagen im Chorus. Zhanas Mikro scheint man quasi abgestellt zu haben, man hört sie fast gar nicht. Das wilden Schnitte der Kamera führen zu komischen Einstellungen, bei einer Großaufnahme der Sängerin hörte man plötzlich besonders tiefen Gesang.

Equinox Bulgarien 2018 2

Optisch: Ein großes Podest, auf dem alle fünf nebeneinander stehen, und immer wieder mal Plätze tauschen, dazu ganz viel Dunkel auf der Bühne und manchmal nur im reflektierenden Licht erscheinende Silhouetten. Das ist eine stimmungsvolle Umsetzung des Videoclips. Stimmlich war das noch etwas Kraut und Rüben von den Stimmlagen her, aber keine falschen Töne.

Equinox Bulgarien 2018

Beim zweiten Mal klingt alles sortierter, und Zhanas Mikro ist auch endlich richtig auf. Sie sind alle dunkel gekleidet, Zhana trägt ihre trademark-Sia-Perücke, und dazu einen breiten ausladenden Kragen. Gut, wenig zu kritteln. Aber bisher wenig Begeisterung im Pressezentrum.

Damit kennen wir nun alle Auftritte aus der ersten Hälfte des ersten Halbfinals. Morgen geht es dann mit der zweiten Hälfte weiter und wir sind gespannt, welche Highlights uns dort erwarten.