ESC 2018 Wettquoten (1): Unser Lied für Lissabon

Das lange Warten in Deutschland hat endlich ein Ende. Nur noch wenige Stunden und „Unser Lied für Lissabon“ steht fest. Die Songs sind veröffentlicht, die Proben (Teil 1 und Teil 2) sind absolviert und die ESC-Fanmedien und Blogger haben ihre Prognosen abgegeben. Doch wie bewerten die Buchmacher die Situation? Wir werfen einen ersten Blick auf die ESC 2018 Wettquoten.

Update 17. März: Die aktuellen Wettquoten zum ESC 2018 gibt es in diesem Beitrag.

Leider gibt es hier eine herbe Enttäuschung, denn nur ein Wettanbieter (Betfair Exchange) hat derzeit überhaupt Quoten für „Unser Lied für Lissabon“ im Portfolio. Zum Vergleich: Norwegens Melodi Grand Prix bedienen derzeit 6 Anbieter, Schwedens Melodifestivalen sogar 9 Anbietern und für Eesti Laul (Estland) haben sich immerhin noch 2 Wettbüros erwärmt.

Warum ist dies so? Natürlich hängt dies stark von Angebot und Nachfrage ab. Das National Final in Großbritannien („You decide“) wird z.B. Dank der großen Wettleidenschaft der Briten grundsätzlich von mehreren Wettbüros gecovert. Wenig förderlich dürften außerdem die Rahmenbedingungen des deutschen Vorentscheid-Konzepts gewesen sein, denn bis Anfang dieser Woche kannte man die Songs nicht einmal und der Veröffentlichungstermin blieb auch lange unklar.

Hier nun die Quoten für die Wette auf Sieg beim Anbieter Betfair Exchange für „Unser Lied für Lissabon“ nachdem die Songs veröffentlicht wurden:

Quelle: Eurovisionworld.com (Stand 20.2.2018 / 21Uhr)

Fairerweise muss man zugeben, dass die Aussagekraft bei nur einem Anbieter natürlich sehr begrenzt ist. Zwischen Songveröffentlichung und Proben sowie dem Tag der Show gab es ein munteres auf und ab. Zu Beginn räumten die Buchmacher Michael Schulte die höchste Siegchance ein (Quote 1:1,9). Mit deutlichem Abstand und dicht beieinander folgten dann VoXXclub, Ivy und Natia (Quoten 1:4 und 1:5).

Nun zum Vergleich die Quoten nach den Proben zur Show „Unser Lied für Lissabon“:

Quelle: Eurovisionworld.com (Stand 22.2.2018 / 20Uhr)

Nach den Probeneindrücken verbesserte Michael Schulte seine Quote sogar erneut, doch dies reichte nicht um Platz 1 zu verteidigen. Natia Todua kletterte zwischenzeitlich auf die 1 und VoXXclub rutschten gar auf den letzten Platz (geringste Siegchance) ab.

Ende gut, alles gut? Je näher dann der Showbeginn von „Unser Lied für Lissabon“ rückte, desto näher rückte Michael Schulte an die Traumquote von 1:1 heran und eroberte Platz 1 zurück. Auch VoXXclub schoben sich wieder nach vorne (Platz 2) und waren somit hartnäckigster Verfolger. Ivy, Natia, Ryk und Xavier mussten hingegen Federn lassen. Ihre Quoten rutschten weiter ab.

Laut Wettquoten von Betfair Exchange scheint es auf ein Battle zwischen Michael Schulte und VoXXclub hinauszulaufen – mit erfolgreichem Ausgang für Michael und „You let me walk alone„.

Was sagt uns nun dieses Ergebnis bei den Wettquoten? Sehr wenig. Blicken wir etwas über den Tellerrand: bei internationalen Umfragen, wie z.B. Eurovisionworld.com haben über 1.300 Personen gevotet und Michael Schulte liegt knapp vor Natia Todua und Ivy Quainoo. Bei Wiwibloggs gab es schon über 4.500 Votes und hier führt Natia Todua deutlich vor Michael Schulte und VoXXclub.  Bei den PrinzBlog-Lesern und den PrinzBloggern liegt bei der Prognose (Wer gewinnt „Unser Lied für Lissabon“) jeweils Michael Schulte vor VoXXclub in Front.

Zu beachten gilt auch, dass diese Prognosen überwiegend die Meinung der ESC-Fans im In- und Ausland widerspiegeln. Es gibt aber noch ein paar unbekannte Größen: z.B. das Voting-Verhalten des ARD Durchschnitts-Publikums. Sie hören die Songs am Donnerstag zum ersten Mal. Nehmen sich Beiträge ähnlicher Genres vielleicht gegenseitig die Punkte weg? Haben Voxxclub einen kleinen Vorteil, weil sie die einzige Band sind, den einzigen deutschen Beitrag haben oder dem ARD-Publikum bereits vertrauter sind? Wie stark kann Natia Todua noch von ihrer The Voice-Fanbase zehren? Wem flattern in der Live-Show die Nerven?

Fazit: Es gibt nicht den einen haushohen Favoriten, der alle Rankings dominiert. Aber: Michael Schulte liegt in allen Umfragen und Prognosen auf den vorderen Plätzen. Die Verfolger sind mal Natia Todua oder Voxxclub, aber auch Ivy Quainoo und Ryk tauchen auf. Xavier scheint eher Außenseiter-Chancen zu haben. Es könnte also durchaus ein knappes Ergebnis geben.

 

Zum Abschluss wagen wir noch einen frühen Blick auf die aktuellen Wettquoten für den Gesamtsieg beim Eurovision Song Contest 2018 in Lissabon. Hier ist ein positiver Trend für Deutschland zu erkennen:

Quelle: Eurovisionworld.com (Stand 21.2.2018 / 22 Uhr MEZ)

Ein Blick ins vergangene Jahr zeigt den Unterschied deutlich. Im Februar 2017 räumten die Buchmacher überraschend Deutschland die höchste Siegchance ein. Das war überwiegend den Vorschusslorbeeren für das damalige Konzept zu verdanken (denn mit ähnlichen Formaten wurden Lena und Roman Lob gefunden). Außerdem wurden 2 Titel von international hochkarätigen Komponistenteams vom NDR avisiert, was die Erwartungen zusätzlich befeuerte. Aber – Platz 1 hielt genau bis zum ersten Probentag von „Unser Song 2017“, als „Wildfire“ und „Perfect Life“ erstmals zu hören waren: danach ging es leider rapide bergab, zwischenzeitlich bis auf den letzten Platz …

2018 verhält es sich nun genau umgekehrt: Deutschland rangierte hier in den vergangenen Wochen etwa auf Platz 22 bis 25 bei der Wette auf Sieg (Quote 1:30 bis 1:40). Die Erwartungshaltung war im Vergleich zu 2017 also deutlich niedriger. Nach Veröffentlichung der Songs zog die Quote dann erfreulicherweise bei einigen Wettanbietern bereits spürbar an (in den Bereich 1:20). Im Gesamtranking liegt Deutschland damit aktuell auf Platz 19 von 43 Ländern. Ein Grund für die Verbesserung liegt vermutlich darin, dass die Qualität der deutschen Wettbewerbsbeiträge positiv aufgenommen wurde.

Update 22.2.2018: Während Michael Schulte bei der Siegwette immer deutlicher in Front lag, verbesserte sich Deutschland im Gleichschritt ebenfalls bei der Wette auf den ESC-Gesamtsieg – und kletterte bis in die Top 10 der Länder mit höchster Siegwahrscheinlichkeit. Was passiert nun, wenn Michael Schulte nicht gewinnt? Und falls er gewinnt, hält der positive Trend dann weiter an?

 

Saara Aalto – Monsters

Wie sieht es international aus? Da viele ESC-Wettbewerbsbeiträge 2018 noch gar nicht feststehen, wollen wir nur einen ganz kurzen Blick auf die Top 5 Länder mit der höchsten Siegchance werfen:

Platz 1 – Finnland: Saara Alto wurde direkt nominiert und löste gleich mit ihrem ersten Song-Vorschlag „Monsters“ einen riesen großen Fan-Hype aus. Der Song ist jedoch noch nicht final gewählt.

Platz 2 – Bulgarien: Nach einem vierten und einem zweiten Platz kann man getrost sagen, dass Bulgarien beim ESC derzeit einen Lauf hat. Die Erwartungshaltung ist hoch. Interpret und Song stehen aber noch nicht fest.

Platz 3 – Estland: Elina Netšajeva liegt bei den Buchmachern bei der Sieg-Wette fürs Eesti Laul meilenweit in Front. Der Pop-Opera-Song „La forzaverzückt die ESC Fans scharenweise.

Platz 4 – Schweden: Nach den Erfolgen in den vergangenen Jahren lag Schweden auch heuer bei der Sieg-Wette lange Zeit in Front. Die ersten drei Semifinals des Melodifestivalen wollten allerdings qualitativ nicht so richtig überzeugen und prompt zerbröselte die Quote etwas.  Die Hoffnungen ruhen nun in Semifinal 4 auf Mariette.

Platz 5 – Tschechien: Was für eine faustdicke Überraschung! 2017 verschmähte Mikolas JosefMy turn“ und vezichtete auf eine Teilnahme. 2018 servierte er uns nun mit „Lie to me“ einen Sound, den wir ansonsten von Jason Derulo oder Justin Timberlake kennen. Noch nie schnupperte Tschechien beim ESC solch eine Höhenluft.

Wie geht es weiter? Das nächste PrinzBlog Wettquoten-Update folgt dann Mitte März, wenn alle 43 Wettbewerbsbeiträge feststehen. Dann haben die Quoten auch mehr Aussagekraft. Wir sind gespannt, wo sich Deutschland, Österreich und die Schweiz dann im Ranking platzieren werden.

Empfehlungen für ESC Wettquoten-Übersichten:
www.eurovisionworld.com
www.nicerodds.de/eurovision
www.oddschecker.com/tv/eurovision/winner