ESC 2018: Rollblog zweite Proben Litauen, Israel, Weißrussland, Estland und Bulgarien

Weiter geht es mit dem zweiten Probendurchlauf des ersten Semifinales. Dies ist der Rollblog nach dem Mittagessen. Wohl bekomm´s!

Litauen

Bis gerade eben wurde die Pressekonferenz von Sennek auf den Monitoren im Pressezentrum gezeigt. An das Umschalten in die Arena hat offenbar aber noch niemand gedacht… Wir warten also weiter geduldig auf Ieva, die eigentlich schon auf der Bühne sitzen müsste. Weil es bei den Pressekonferenzen aufgrund der Verspätung Schag auf Schlag geht, kommt jetzt auch schon Mikolas dran. Dann berichte ich eben darüber. Ach nein, doch nicht, weil die Schalte in die Arena nun doch erfolgt ist.

Du meine Güte, ist das bezaubernd. Am Anfang sieht man quasi nichts. Bis auf ein paar Lichter ist da nichts an auf der Bühne. Erst langsam erfolgt die Erleuchtung der Ieva. Ganz ruhig und bewegungslos sitzt sie da und zieht den Zuschauer mit ihrer leicht brüchigen Stimme in ihren Bann. Im Unterschied zu vergangenem Sonntag erfolgen die Bildschirmeinblendungen glücklicher Menschen (Inder und Kinder) nur ganz kurz für Sekundenbruchteile. Das ist aber eindeutig zu kurz, weil man praktisch gar nicht so schnell realisieren kann, was das ist. Das sollte man wieder rückgängig machen.

Ansonsten spaziert Ieva zum Schluss des Songs in Richtung Brücke und wartet dort auf ihren Ehemann, in dessen Arme sie sich dann schmiegt. Wirklich ein anrührender Moment, mit dem wirklich jeder Zuschauer etwas anfangen können sollte.

In einem weiteren Durchlauf ist der Beginn nun doch anders. Die kamera fährt von hinten auf Ieva zu, die in einem Lichterhalbkreis sitzt. Dann ganz viele Close-Ups. Zum Schluss singt sie diesmal wieder litauisch. Mich erreicht dieser Auftritt komplett. Er verschafft mir Gänsehaut und wenn ich nicht aufpasse, bekomme ich feuchte Augen dabei. Der Spot zwischen Tschechien und Israel erscheint mir fast perfekt zu liegen. Gegen dieses anrührende Stück kommt einem der rest auf einmal total oberflächlich vor. Daumen hoch für Ieva, die ich persönlich vorher überhaupt nicht auf der Rechnung hatte.

Israel

Das klappt jetzt im ersten Durchlauf schon mal ganz wunderbar. Netta weiß nun auch, wie sie von A nach B kommt und muss nicht geführt werden. Stimmlich ist sie gut drauf. Die drei Tänzerinnen scheinen jetzt einen etwas größeren Part bekommen zu haben. In der zweiten Strophe, wenn Netta vor ihren Spezial-Looper tritt, stehen die drei hinter ihr und machen wilde Armbewegungen.

Der erste Refrain wird gleich von Pyro begleitet, während der Bridge geht Netta nach rechts, um dann zum Schlussrefrain auf den Steg vor der Bühne zu gehen, wo ohr schon die Tänzerinnen springend entgegen kommen, um dann die Schlusspose einzunehmen und von Nebelschwaden verschlungen zu werden.

Auch im dritten Durchlauf, den der Stagemanager einläutet mit den Worten „Don´t hold back, girls“, bekommen wir eine echt starke Probe zu sehen. Netta gibt alles, es wird wie wild von allen Vieren grimassiert. Vom Ausdruck her gäbe das im Eiskunstlauf eine glatte 6,0 – früher jedenfalls. Als Fan Favourite Fail können wir Netta auf alle Fälle schon mal aus dem Rennen nehmen, das ist alles so ungewöhnlich – Aussehen, Gesang, Song, Staging (mit Looper und Winkekatzen). Es müsste wirklich mit dem Teufel zugehen, wenn das nicht um den Sieg mitspielt.

Weißrussland

Jetzt habe ich auch etwas Verspätung, weil mich das Wi-Fi hier im Pressezentrum immer wieder rausschmeißt.

Mit den Worten „Bis eben war ich hungrig“ wendet sich Co-Blogger Marc leicht angewidert vom Monitor ab. Grund dafür ist das Schlussbild mit einem zerfetzten Hemd und dem freien Blick auf einen Alekseev-Rücken voller Rosen. Was man aber nur bei ganz genauem Hinsehen erkennen kann, zumindest gleicht es hier am Monitor mehr einer offenen Wunde oder einem ganz schlimmen Hauttumor…Nicht schön jedenfalls!

Ansonsten auch hier alles beim Alten. Es wird mit Rosen geschossen, eine „lebende Rose“ tanzt ekstatisch zuckend wie ein Derwisch auf Speed über die Bühne und Alekseev zeigt uns im Rferain alle seine gebleachten Zähne bei dem Wort „Forävääääääää“.

Zum Schluss wird Alekseev auf der Hebebühne nach oben verfrachtet. Nach dem Riesengelächter am Sonntag bleibt es hier im Presseraum heute komplett still. Es interessiert keinen mehr so richtig!


Estland

Ehrlich gesagt weiß ich nicht so recht, was ich dazu noch schreiben soll. Elina sieht hübsch aus, sie bewegt ihre Arme anmutig – mehr geht ja nicht, weil sie auf dem Podest festgetackert ist. Die Effekte auf dem Kleid sind hübsch – aber es wie gesagt auch kein neuer Einfall mehr, der die Zuschauer von den Socken holt.

Sie singt sauber, in den Tiefen manchmal etwas wackelig. Aber die hohen Töne macht ihr hier wirklich keiner nach, das ist schon beeindruckend. Vokalakrobatik at its best. Aber eben auch distanziert und unterkühlt, irgendwie unangenehm. Stichwort böse Schwiegermutter.

Allerdings ist das ja kein Gesangswettbewerb hier – deshalb kann ich mir einfach nicht vorstellen, dass z.B. Jurys sich hier erwärmen können. Da wir so viele positive Überraschungen hier im ersten Semifinale erleben, gehe ich inzwischen eher davon aus, dass Elina schon am Mittwoch abreisen wird. Aber was weiß ich schon…


Bulgarien

Beim Equinox-Auftritt bin ich mir noch nicht schlüssig, wie ich es finden soll. Es ist wirklich gut inszeniert. Die Sänger interagieren gut miteinander, das Licht ist dunkel, Schwarz-Weiß-Optik beherrscht die Szenerie.

Die Kameraschnitte sind gut gelungen, stimmlich sind alle voll auf der Höhe, insbesondere Zhana ist ja hier besonders gefordert. Aber natürlich wirkt das alles total konstruiert und am Reißbrett entstanden. Und das ist es ja auch, wenn man eine Band nur für den ESC zusammenstellt.

Es bleibt künstlich und wenig authentisch. BennyBenny meint, dem Auftritt fehlt eine gewisse Wärme. Wenn immer und überall von „connecten“ die Rede ist, dann ist man bei den Bulgaren tatsächlich vollkommen fehl am Platze. Gefallen tut es mir alles trotzdem irgendwie, der Song hat schließlich und endlich doch eine gute Hook, einen guten Beat und er steigert sich ziemlich gut.

Ich würde sagen, „Bones“ kann sich gut platzieren, könnte aber auch als Vollflop enden. In diesem Semi kennt man sich ja ohnehin nicht mehr aus.

Hier geht es in wenigen Minuten weiter mit dem nächsten Rollblog, beginnend mit Mazedonien.