ESC 2019: Freie Bahn für Kasachstan?

Erst assoziiertes Mitglied, jetzt die Teilnahme am Junior Eurovision Song Contest 2018: Kasachstan arbeitet sich langsam an den ESC heran und könnte an diesem womöglich bereits 2019 teilnehmen. Welche Folgen könnte das haben? Welchen Mehrwert? Und für wen überhaupt?

Am 25. November wird es beim Junior Eurovision Song Contest (JESC) im weißrussischen Minsk erstmals heißen: Almaty, may we have your votes, please? Dann betritt das asiatische Land auch offiziell die ESC-Bühne. Auch Wales nimmt erstmals Teil, war aber schon einmal beim EBU-Chorwettbewerb dabei. Beide Teilnahmen am JESC wurden heute von der EBU bekanntgegeben.

Bereits seit 2016 ist das kasachische Medienunternehmen Khabar Agency assoziiertes Mitglied der EBU. Seit 2017 gilt das angeblich auch für Channel 31. Allerdings ist auf der offiziellen EBU-Seite nur Khabar als assoziiertes Mitglied ausgewiesen. Der Generaldirektor von Channel 31 hatte im Dezember bereits bekanntgegeben, dass Channel 31 nunmehr volles Mitglied sei und damit auch eine ESC-Teilnahme für 2019 anstrebe.

Nun ist zumindest offiziell, dass das Land beim JESC am Start ist – und womöglich läuft sich die populäre kasachische Sängerin Schanar Dughalowa (Aufmacher) im Hintergrund schon warm, um dann 2019 beim ESC auftreten zu können.

Die EBU hat mehrere assoziierte Mitglieder, die außerhalb ihres eigentlichen Wirkbereichs liegen. Dazu gehören Sender in Indien, Bangladesh, Oman und Südkorea. Kasachstan gilt trotz seiner immensen Ausdehnung Richtung Osten (nur 20 km Luftlinie trennen den östlichsten Punkt von der Mongolei) als Land, das EBU-Mitglied werden und somit auch an den Wettbewerben teilnehmen kann.

Eine Teilnahme dürfte ähnlich wie im Fall von Aserbaidschan in erster Linie nationale Geltungsbedürfnisse befriedigen, denn aufgrund der Zeitverschiebung würde der ESC im Westen Kasachstans um Mitternacht, im Osten (einschließlich der beiden größten Städte Almaty und Astana) sogar erst um 1 Uhr morgens beginnen.

Aus EBU-Sicht sind die 18 Mio. Kasachen sicher interessant, um das Zuschauerpotenzial der Show zu erhöhen. Wenn dafür aber in einem ESC-begeisterten, kleineren Land viele TV-Zuschauer wegbleiben, weil Kasachstan ihnen den Finalplatz streitig gemacht hat, kann das auch schnell ein Nullsummenspiel werden, das womöglich dauerhaft Zuschauer in traditionelleren ESC-Ländern vergrätzt.

Dazu kommt, dass ein Viertel der Bevölkerung Russen sind und fast alle Kasachen Russisch sprechen. Wie in anderen ehemaligen Staaten der Sowjetunion wäre das ein potenzielles Punktepolster für die Teilnehmer aus Russland und ggf. anderer Sowjetrepubliken. Das könnte die Freude über diesem neuen Teilnehmer im traditionellen Westeuropa durchaus  begrenzen.

Wie bewertet Ihr eine potenzielle Teilnahme von Kasachstan am ESC?