ESC-Finale 2018 Wettquoten: Top 5 für Shooting Star Michael Schulte

Das ist der Wahnsinn: Nach Jahren der Ernüchterung schafft es Deutschland wieder in den Prognosen ganz vorne mitzumischen. Im entscheidenden Schlussspurt vor dem ESC Finale klettert Michael Schulte unaufhaltsam nach oben. Cesár Sampson aus Österreich liegt im Mittelfeld. Absolute Topfavoriten der Buchmacher sind jedoch Eleni Foureira, der feurige Beyoncé-Klon für Zypern und Powerfrau Netta aus Israel.

Die Halbfinals sind passé und das Teilnehmerfeld hat sich auf 26 Acts für das Grand Final reduziert. Wie erfolgreich waren die Wettbüros hier mit ihrer Vorhersage?

In Semifinal 1 gab es bei der To Qualify-Wette 7 von 10 korrekte Vorhersagen. Finnland, Albanien und Irland hatten die Buchmacher den Finaleinzug nicht zugetraut.
In Semifinal 2 war die Vorhersage etwas besser: 8 von 10 Finalteilnehmern waren korrekt. Serbien und Slowenien hatten die Buchmacher nicht auf der Rechnung.
Fazit:
15 Treffer von 20 sind für die Wettbüros eine magere Ausbeute. 2017 waren es noch 18 von 20 richtigen Vorhersagen für die Finalqualifikation.

2018 markiert bei den Wettquoten einen Wendepunkt, wie Bloggerkollege DouzePoints auch schon bei seinem Bericht „Wettquoten-Achterbahn“ thematisiert hat. Gerade durch Social Media sind immer mehr Reaktionen in Echtzeit verfügbar, die sich dann umgehend auf die Wettquoten auswirken. Vor 2018 waren die Trends daher auch langanhaltender und eher selten mit Richtungswechseln. Während man heuer einen Wettquoten-Artikel postet, kann sich das Tableau schon wieder um 180 Grad gedreht haben. Die Wettquoten werden somit noch mehr zum Spielball und zur kurzen Momentaufnahme.

Nun aber zum Wettquoten-Update für das Grand Final:
Welche Auswirkungen haben die Ergebnisse der beiden Semifinals? Wer hatte Losglück bzw Zuteilungsglück und kann mit einer günstigen Startposition seine Chancen steigern?
Stand 11. Mai 2018 – 23 Uhr MEZ – Quelle: EurovisionWorld.com

Wette auf Sieg: Platz 1 (Zypern) bedeutet somit höchste Siegchance aller Teilnehmer. Achtung! Platz 10 bedeutet daher nicht, dass die Buchmacher dieses Land auch genau auf Platz 10 tippen, sondern dass 9 andere Länder größere Siegchancen haben.

Hier die Veränderungen zum Stand 29.4.2018 (Probenbeginn in Lissabon):

DIE ANALYSE DER TOPFAVORITEN (Platz 1 bis 5)

Platz 1: Für Zypern könnte ein Traum wahr werden. Es klingt wie ein Märchen: Zypern wollte eigentlich die ehemalige ESC-Siegerin Helena Paparizou direkt nominieren. Helena lehnte es aber ab für Zypern an den Start zu gehen. „Fuego“ wurde dann der in Albanien geborenen und in Griechenland lebenden Eleni Foureira angeboten. Fans und Medien rümpften zunächst die Nase, als sie ein als billig empfundenes Video eines Südfrüchte-Sponsors serviert bekamen. Doch mit der ersten Probe in Lissabon begann Elenis Stern rasant zu steigen. Eine heiße Show im Beyoncé-Stil entfachte ein Feuerwerk der Begeisterung. Eleni schnappte sich die 1 bei der Siegwette und gab den Platz an der Sonne auch bisher nicht mehr her. Eleni hat von allen ESC-Teilnehmern 2018 auch die meisten Fans bei Instagram. Knackpunkt: Wie kommt Eleni bei den Jurys an?

Platz 2: Energiebündel Netta aus Israel bezieht mit dem Song „Toy“ imposant Stellung zur #me.too-Debatte. Sie überraschte mit einem tollen Video zum Song „Toy“. Sofort ging es auf Platz 1 bei der Siegwette. Knackpunkt: Die Transformation auf die Bühne in Lissabon gestaltete sich doch etwas schwieriger als gedacht. Es ging ein wenig vom Zauber verloren und in den Quoten bröckelte es. Die Buchmacher sehen Netta aber als gefährlichste Verfolgerin von Eleni.

Platz 3: Der Ire Ryan O’Shaughnessy schießt nach dem Semifinale 28 Plätze hoch auf die 3. Es entpuppte sich als cleverer Schachzug die gefühlvolle 90ies-Ballade „Tonight“ mit einer homoerotischen Tanzeinlage bildlich zu untermalen. Allerdings ist Vorsicht geboten. Die Briten und Iren sind ein extrem wettverrücktes Volk, sodass die tatsächlichen Platzierung meist schlechter ausfällt. Für Irland könnte es trotzdem das beste Ergebnis seit langem werden.

Platz 4: Madame Monsieur aus Frankreich haben mit „Mercy“ einen luftig-leichten Song am Start, der die Flüchtlingsthematik aufgreift und auf einer wahren Geschichte beruht. Kein geringerer als Jean-Paul Gaultier hat die Bühnenoutfits entworfen. In der Probenwoche ging es für die Franzosen hoch bis auf Platz 2 und nun befindet man sich auf Platz 4 in Lauerstellung. Außerdem hat man den bestmöglichen Startplatz Nr. 13 in der ersten Hälfte erhalten. Während des Verfassens des Artikels läuft gerade das Juryfinal. Das Publikum ging bei der Wellen-Geste voll mit und die Kamera hat es prima eingefangen. Dafür gab es viel Applaus im Pressezentrum.

Platz 5: Michael Schulte aus Deutschland hat genau im richtigen Moment den Turbo gezündet. Hier kamen mehrere Effekte zusammen. Als der Song „You let me walk alone“ Ende Februar ausgewählt wurde, schoss Michael schon mal in die Top 10 der Quoten, dank der Qualität des Songs. Da es Deutschland in den vergangenen Jahren nicht wie erhofft gelang, mit einem gelungenen Staging vor Ort aufzutrumpfen, war die Erwartungshaltung dann eher gering. Die Quoten bröckelten und während der Promo-Wochen lag er eher zwischen Platz 17 und 22. Umso größer die Überraschung und der Anstieg als man ein stimmiges Staging präsentierte, welches für volle 3 Minuten die Aufmerksamkeit aufrecht erhält. Das Gesamtpaket Michael Schulte scheint zu funktionieren und die Inszenierung löst spürbar Emotionen aus. Trotz erster Starthälfte hat Deutschland zudem einen guten Startplatz Nr. 11 zwischen Serbien und Albanien erwischt.

Die deutsche Delegation (Foto oben: Thomas Schreiber, Michael Schulte, Christoph Pellander, Iris Bents) fühlte sich bisher in der Rolle des „Dark Horse“ in Lauerstellung sehr wohl. Allerdings verselbständigte sich der Trend, sodass Michael Schulte eher zum Shooting Star geworden ist. Er kletterte in die Top 5 bei der Siegwette – gerade rechtzeitig zum Juryfinal am Freitag. Dass Deutschland im Kreis der Top-Favoriten angekommen ist, ist hier in Lissabon mittlerweile Medienthema und das dürfte sicher auch dem ein oder anderen Jurymitglied nicht verborgen geblieben sein.

Zwischen den Wettquoten und den Jurywertungen gibt es Wechselwirkungen:
1. Form: Negativwertung, wenn Jurys absichtlich Länder bepunkten, die in am Wettquotenende liegen und vermeintlich keine Gefahr für den eigenen Beitrag darstellen.
2. Form: Positivwertung: wenn ein Jurymitglied als „Experte“ dastehen möchte und daher die in den Wettquoten favorisierte Beiträge ebenfalls hoch bepunktet.

Gute Voraussetzungen also, dass „You let me walk alone“ es bei mehreren Positivwertungen in die begehrten Punkteränge schaffen könnte. Es ist zwar nur eine Vermutung und Spekulation, aber als Juror läuft man freilich Gefahr einen Shitstorm auszulösen, wenn man nicht in der Lage ist einen Top-Favoriten zu erkennen oder den späteren Sieger auf den letzten Platz setzt. Insofern könnte Michael Schultes Wettquoten-Hype tatsächlich für Deutschland von Nutzen sein.

DIE ANALYSE DER TOP TEN (Platz 6 bis 10)

Ebenso wie Deutschland schießt auch Litauen 16 Plätze nach oben und rangiert aktuell auf der 6. Ieva Zasimauskaitė scheint mit der rührenden Ballade „When we`re old“ einen Nerv getroffen zu haben. Auch Schweden auf Platz 7 und Italien auf Platz 9 konnten etwas Boden gutmachen.

Abwärts ging es hingegen für Norwegen. Der ehemalige ESC-Sieger Alexander Rybak hat zwar die meisten Facebook-Fans aller ESC Teilnehmer 2018, aber bei den Buchmachern ist er auf dem absteigenden Ast. Obwohl Estland die 65.000 Euro für den Auftritt mit der spektakulären Projektion zusammen bekommen hat, attestieren die Buchmacher Elina Nechayeva (Foto unten) nur noch die zehntgrößte Siegchance.

DIE ANALYSE DES MITTELFELDES 

Hier finden sich weitere Aufsteiger, sie in den Probentagen ordentlich Boden gutmachen konnten:
Moldawien hat zwar den kostengünstigsten Auftritt aller Teilnehmer (angeblich nur 5000 Euro), aber beeindruckt mit einer höchst unterhaltsamen Show. Nachdem Länder wie Russland und Rumänien nicht im Finale dabei sind, können die DoReDos hier sehr viele Punkte abgreifen und für eine faustdicke Überraschung sorgen und klettern 9 Plätze auf Rang 16.

AWS aus Ungarn rocken auf Platz 17 und haben 13 Plätze gut gemacht. „Viszlát nyár“ ist einer der auffälligsten Beiträge des Jahrgangs.

Zu den Verlierern der Probenwochen gehört das Trio Bulgarien (Platz 11), Australien (Platz 12) und Tschechien (Platz 13). Diese 3 Länder überstanden zwar die Semifinals, mussten ihre Plätze in der Top 10 der Siegwette aber räumen. Jessica Mauboy (Foto oben) hat immerhin die meisten Follower auf Twitter aller ESC Teilnehmer 2018.

Nachdem Spanien den Todesslot 2 in der Startreihenfolge erhalten hat, stürzten Alfred & Amaia (Foto oben) mit ihrer zuckersüßen Ballade „Tu Cancion“ ins Bodenlose (runter von der 11 auf die 20). Die spanischen Hardcore-Fans waren höchst erzürnt und mutmaßten, dass damit ihre Siegchancen zerstört wurden.

Und wie stehen die Chancen für Österreich bei den Buchmachern? Cesár Sampson hatte zwar einen starken Auftritt beim Blutbad-Halbfinale, verliert aber trotzdem 4 Plätze in der Gunst der Buchmacher und findet sich aktuell auf Platz 18. Ein Tag nach seinem Semifinal-Auftritt hatte er zumindest nach Eleni Foureira die zweitmeisten Platzierungen in den internationalen iTunes-Charts (Top 10 in Österreich, Litauen, Bulgarien und Estland).

Sonder-Wetten:

„Wer wird Letzter?“
1. UK (Foto oben: SuRie), 2. Slowenien, 3. Serbien
(8. Österreich, 19. Deutschland) 

„Wer gewinnt das Juryvoting?“
1. Zypern, 2. Israel, 3. Frankreich, 4. Irland, 5. Litauen

(6. Deutschland, 16. Österreich) 

„Wer gewinnt das Televoting?“
1. Zypern, 2. Israel, 3. Irland, 4. Litauen, 5. Frankreich
(9. Deutschland, 19. Österreich)

Fazit:

Selten war ein Finale so spannend. Wird Salvador Sobral die ESC Trophäe 2018 gar an einen Vertreter der Fast Food Music überreichen müssen? Gewinnt Zypern oder Israel? Oder gibt es gar einen lachenden Dritten? Vielleicht sogar Deutschland? Wir sind gespannt, wer denn nun das Rennen macht und drücken Michael Schulte und Cesar Sampson fest die Daumen und wünschen allen PrinzBlog Leserinnen und Lesern einen unterhaltsamen und spannenden Grand Final-Abend, zu dem wir natürlich auch wieder einen Live-Blog anbieten und uns auf eure Kommentare freuen.

Empfehlungen für ESC Wettquoten-Übersichten:
www.eurovisionworld.com
www.esctracker.com/odds
www.nicerodds.de/eurovision
www.oddschecker.com/tv/eurovision/winner

Bisherige Wettquoten-Beiträge 2018 auf dem PrinzBlog:
ESC 2018 Wettquoten (1): Unser Lied für Lissabon
ESC 2018 Wettquoten (2): Israels verrücktes Huhn erobert Platz 1
ESC 2018 Wettquoten (3): Gewinner der Promo-Saison sind Israel, Bulgarien und Frankreich
ESC 2018 Wettquoten 1. Semifinale: Zypern und Israel auf Augenhöhe
ESC 2018 Wettquoten 2. Semifinale: Norwegen und Schweden in Front
ESC-Wettquoten-Achterbahn: Zwischen Euphorie und Ernüchterung