ESC-Happy Pills (2): Mit der Mandoline um die Häuser ziehen

Birthe Kjaer

Gründe, zu unseren Gute-Laune-Häppchen zu greifen, gibt es gerade in der kalten Jahreszeit viele. Morgens muss man sich aus dem Bett quälen, wenn es draußen noch dunkel ist – und im Lauf des Tages wird es oft kaum heller. Die trüben Tage schlagen aufs Gemüt. Gut, dass es Musik gibt, die die Stimmung hebt. In einer kleinen Serie stellen wir persönliche Happy Pills vor. Völlig rezeptfrei. Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Arzt oder PRINZ Blogger.

Armen hat im ersten Teil schon drei Stimmungsaufheller – oder „Good-Day-Maker“, wie er sie nannte – vorgestellt. Heute bin ich dran. Es gibt einige Songs, die ich gern höre, wenn ich einen kleinen Aufmunterungs-Boost brauche. Dazu zählen etwa „Je ne sais quoi“ von Hera Björk („I’ve overcome the sadness in my life, now I look up and see the brightest sky above me“ – wer singt da nicht gern mit?) oder „I’m in love“ von Sanna Nielsen. Auch die folgenden drei Lieder haben 100%ige Boost-Wirkung (zumindest bei mir).

1. Slowenien 2006, Vorentscheid: Saša Lendero – Mandoline

Saša LenderoSelten schickte Slowenien das richtige Lied aus seiner Vorentscheidung zum ESC. 2006 verhinderte eine Jury, dass der Televoting-Sieger nach Athen fuhr: „Mandoline“ wurde in Ljubljana nur Zweiter hinter „Mr. Nobody“, und im Eurovisions-Halbfinale ging Letzteres dann baden. Auch wenn es „Mandoline“ also nicht zum Song Contest geschafft hat, gehört es zu den Songs, ohne die unsere Happy-Pills-Reihe unvollständig wäre.

Während also Mr. Anžej „Nobody“ Dežan seiner Verflossenen hinterherjammert, feiern wir lieber fröhliche Party mit Frau Lendero und ihrer Mandoline.

Slowenien 2006, EMA: Saša Lendero – Mandoline

Wobei: So unbeschwert und heiter, wie „Mandoline“ klingt, ist das ganze gar nicht. Im Text heißt es unter anderem: „Lass ihn die Mandoline spielen, um die Schmerzensschreie zu übertönen. Mögen die Saiten zerreißen, nicht das Herz.“ Saša setzt also auf Musik, um Kummer und Trübsal zu vertreiben oder zumindest kurzzeitig zu übertünchen – und um nichts anderes geht es ja irgendwie auch bei unseren Happy Pills.

2. Israel 1985: Izhar Cohen – Ole ole

Cover Ole OleIzhar Cohen, der Gewinner des ESC 1978, hat zwar mit „Ole ole“ nicht noch einmal den Sieg davon getragen – aber in der Kategorie „Garantierter Good-Day-Maker“ erhielte er mit diesem fröhlichen Lied von mir den ersten Preis. Egal, wie mies ich drauf bin: Diese drei Minuten schaffen es, meine Laune um 180 Grad zu drehen.

Armen schrieb im ersten Teil unserer Happy-Pills-Serie über seine drei Songs: „sie geben mir die nötige Energie“ – und exakt das lässt sich auch über „Ole ole“ mühelos sagen! Da kann ich gar nicht anders als aufzuspringen und mitzutanzen. Und mitzuklatschen. Geht’s euch auch so?

Israel 1985: Izhar Cohen – Ole ole

Izhar und seine fünf Tänzer strahlen die ganze Zeit über beide Ohren – die locker-flockige Fröhlichkeit steckt einfach an. Und wunderbar farbenfroh ist das ganze auch noch. Kein Wunder: Izhar besingt im Text einen Regenbogen, „and it’s far more beautiful and it smiles to everyone“, wie diggiloo.net aus dem Hebräischen übersetzt. Und so zaubert auch das Lied jedes Mal ein großes Lächeln in mein Gesicht. Die Juries des Jahrgangs 1985 setzten den Song am Ende auf den fünften Platz (93 Punkte), er hätte durchaus das Zeug zu noch mehr Punkten gehabt!

3. Dänemark 1989: Birthe Kjær – Vi maler byen rød

Schon textlich ist dies das Aufbau-Lied des ESC schlechthin: „Du denkst, alles ist grau?“, singt Birthe: „Klar, das kenne ich auch. Aber vergiss das doch einfach mal für einen Augenblick, schnappe dir Farben und Pinsel und male dir deine graue Welt bunt an.“ Und dann ziehen wir um die Häuser, machen einen drauf – die ganze Nacht, bis die Sonne aufgeht. Wer kann zu so einer Einladung schon Nein sagen?

Dänemark 1989: Birthe Kjær – Vi maler byen rød

Der beste Tipp, den uns die flotte Dänin dabei gibt: „De briller, du har på, kan farve tingene, der sker“. Also frei übersetzt: Wie wir die Welt um uns herum wahrnehmen, wird geprägt durch unsere persönlichen Einstellungen, unsere Erfahrungen, unsere Stimmung. Und das lässt sich auch ändern. Also schau dir das, was dich grämt, einfach mal mit anderen Augen an!

An diese Botschaft denkend, wippe ich gleich nochmal drei Minuten mit (und frage mich zugleich, wie die Juries 1989 dieses Lied nicht zum Sieger erklären konnten…) Schon sieht die Welt doch ganz anders aus. Mange tak, Birthe!

Bis Weihnachten setzt alle paar Tage ein anderer Blogger die Serie „ESC Happy Pills“ fort. Bisher erschienen:

(1) Armen: Weil’s dr guet got