ESC Happy Pills (4): Drei Minuten im Dreiklang ohne Da Capo

Pressezentrum Serbien 2013 Moje3

Der Dezember erfreut zumeist mit vielen bunten Lichtern und überall erklingen Weihnachtslieder. Jedoch können künstliches Licht und die stete Wiederholung von „Last Christmas“ nicht immer zur Stimmungsaufhellung beitragen. Wenn draußen der Nebel um das Bürogebäude kriecht, da freut man sich, dass es die Vielfalt der Eurovision gibt. Mit der Serie „Happy Pills“ möchten wir PRINZ-Blogger das einmalige Angebot des Eurovision Song Contests zeigen. Dazu braucht es dann keinen Arzt oder Apotheker, um die dunklen Zeiten gesund und munter zu überstehen.

Im Gegensatz zu meinen Bloggerkollegen Armen und Matthias benötige ich morgens noch keinen Stimmungsaufheller. Für mich ist die Morgenstund sowieso die schwerste Zeit des Tages und ich quäle mich auch im Hochsommer schwer aus den Federn und unter die Dusche. Bei mir wirken die Happy Pills zu anderen Zeiten. Wenn man gedankenversunken durch die dunklen Straßen der Stadt läuft, merkt man plötzlich, wie man eine Melodie vor sich hinsummt und dadurch sich besser fühlt. Oftmals sind das sogar Balladen, die die richtige Dosis zum Fröhlichsein bringen.

Erstaunlicherweise gehören zu den Liedern Beiträge, die man bei der eigentlichen Grand Prix Veranstaltung nur im Mittelfeld platziert hatte. Das Lied von Inga aus Island aus dem Jahr 1993. „Þá veistu svarið“ summe ich in den ungewöhnlichsten Momenten plötzlich vor mich hin, obwohl ich 1993 das Lied nur unter ferner liefen sah.

Zudem findet man als niederlandophiler grandiose musikalische Machwerke auf YouTube und vergißt dadurch rechtzeitig abends ins Bett zu gehen. Zum Nachhören zu empfehlen sind die nicht Eurovisions-Lieder von Glennis Grace „Afscheid“, von Do „Hij gelooft in mij“,  von Angela Groothuizen, frühere Frontfrau der Dolly Dots„De helft van mij“ und von Ruth Jacott „Vogel op de vlucht“, welches fast 1993 in der Vorentscheidung gelandet wäre. Wenn man auf die Lieder klickt, kann man sich den jeweiligen Song bei YouTube anhören.

Bisher haben drei Blogger ihre „Happy Pills“ präsentiert, somit liegt es nahe als Vierter 4 Trios hier zu zeigen, die meine Stimmung verbessern können. Nur einmal gewann ein Trio den Eurovision Song Contest und zwar Herrey’s für Schweden 1984. Die flotten Dreier, die mich begeistern, belegten jeweils einen der ersten vier Plätze, wenn auch erst nach der Top Ten der jeweiligen Veranstaltung.

1. Türkei 1991: İzel Çeliköz, Reyhan Karaca & Can Uğurluer – İki dakika

Das erste Lied stammt aus dem Jahr 1991 und heißt „Zwei Minuten“, obwohl es fast drei Minuten lang ist. „İki dakika“ sorgte mit den drei Interpreten İzel Çeliköz, Reyhan Karaca & Can Uğurluer auch für eine Stimmungsaufhellung in den türkischen Ergebnissen zu jener Zeit. Platz 12 mit 44 Punkten war damals schon ein Erfolg für das Land.

Reyhan, Izel & Can Türkei 1991Die drei waren für die nationale Vorentscheidung am 9. März 1991 zusammengestellt worden und mussten von Startnummer 1 die Beiträge von 13 Konkurrenten anhören, ehe sie von Juries aus acht türkischen Städten mit 68 Punkten zum nationalen Sieger erklärt wurden.

 

 

In Rom traten sie in schwarzen Lederjacken und der Kombination aus grünen und roten Röcken bei den Damen und weißer Hose beim Herren auf, was für Sympathien im Gastgeberland sorgen sollte. Die italienische Jury gab den dreien dann auch 8 Punkte, die höchste Punktzahl für die drei, die sie auch aus Dänemark erhielten. Nur weitere fünf Länder hatten Punkte für die zwei Minuten übrig. Dreimal sieben, einmal fünf und einmal zwei sorgten für den besten Platz seit 1986.

Danach fiel die Gruppe wieder auseinander und nur die beiden Damen Reyhan (geboren am 8. November 1970) und İzel (geboren am 29. April 1969) konnten weitere solistische Erfolge feiern. Der Hahn im Korb Can ist wohl von der musikalischen Bildfläche verschwunden. Sogar sein Geburtstag ist nicht bekannt, man weiß nur, dass er 1970 geboren wurde. Auf seinem Namen stehen ein Album „Kim Kim“ aus dem Jahr 1991 und eine Single „Aşkım Sırrın Olsun“ aus 2010.

1991 sah ich die drei auf Platz drei hinter Schweden und der Schweiz und war sehr enttäuscht über Platz 12. Dem Song blieb ich treu und er gehört zu meinen wenigen Lieblingsliedern aus der Türkei.

İzel Çeliköz, Reyhan Karaca & Can Uğurluer – İki dakika

 

2. Serbien 2013: Moje 3 – Ljubav je svuda

Bei den zweiten Trio werden sich sicher viele die Hände über den Kopf zusammenschlagen. Schon im Vorfeld von Malmö 2013 sorgte meine Begeisterung für die drei Grazien aus Serbien Mirna Radulović (geboren 5. Juli 1992), Nevena Božović (geboren am 15. Juni 1994) und Sara Jovanović (geboren 29. Oktober 1993), die als Moje 3 mit „Ljubav je svuda“ (Liebe ist überall) beim Eurovision Song Contest antraten für Kopfschütteln. Sie hatten die ersten drei Plätze bei der Casting Show „Prvi glas Srbije“ belegt und setzten sich am 03. März 2013 gegen 14 Konkurrenten mit 25.959 SMS durch.

In Malmö wurden sie dann von der einzigen Siegerin des Landes Marija Šerifović unterstützt, dabei hätte ihnen die Unterstützung eines besseren Kostümberaters eher geholfen. Im Bonbonlook ganz im Stile „Alice in Wonderland“ sangen sie sich von Startplatz 16 nur auf Platz 11 mit 46 Punkten und blieben damit im Halbfinale hängen. Lediglich den Sieg beim „Barbara Dex Award“ konnte Moje 3 mit nach Hause nehmen.

Serbien Moje 3 2013 Probe

Anschließend löste sich das Trio auf und die Damen starteten Solokarrieren. Serbien verabschiedete sich ein Jahr lang aus der Eurovision, angeblich aus Kostengründen.

Für mich war es das Eurovisionslied des Jahres, auch wenn ich mich mehr gefreut habe, dass die Niederlande mit Anouk und nicht Serbien im letzten Umschlag steckte. Aber das hat andere Gründe. An alle DJs der Eurovision, ich werde mir auch zukünftig dieses Lied wünschen.

Da mir der Bonbonauftritt nicht so gefällt, zeige ich hier den Rotlichtauftritt aus der Vorentscheidung.

Moje 3 – Ljubav je svuda

 

3. Schweden 1997: Blond – Bara hon älskar mig

blond Schweden 1997Beim dritten Trio geht es in den hohen Norden. Ich zähle nicht zu der großen Schweden-Fraktion unter den Prinz-Bloggern, jedoch 1997 schaffte es ein schwedisches Lied auf Platz eins meiner persönlichen Liste am Abend des Grand Prix. Schon im Vorfeld prophezeite mir ein Freund, der schon alle Lieder kannte, welches Lied meine Sympathien erhalten würde und er sollte recht behalten.

Die Gruppe „Blond“, die sich zunächst noch JPG nannten, hatten am 8. März 1997 vom letzten Startplatz mit 80 Punkten den Melodifestivalen gegenüber 11 Konkurrenten gewonnen, kamen jedoch mit „Bara hon älskar mig“ (Wenn sie mich nur lieben würde) in Dublin von Start-Nr. 16 nicht über 36 Punkte hinaus. Jonas Karlhager, Gabriel Forss und Patrick Lundström landeten auf Platz 14 und zählen sicherlich nicht zu den typischen schwedischen Songs, die bei Parties rauf und runter gespielt werden. Für mich gehören die drei Jungs neben dem Siegertitel aus dem Jahr 1991 von Carola zu den liebsten schwedischen Beiträgen.

Von den Dreien gab es dann nur noch zwei Singles auf dem Markt, dann brach auch diese Gruppe auseinander. Während von den beiden langhaarigen Herren kaum was zu finden ist, konnte sich Gabriel Forss, geboren am 17. April 1974, in der Musikszene behaupten. Er unterstützte unter anderem Charlotte Nilsson als Chorsänger bei ihrem Sieg 1999. 2012 brachte er sein erstes Buch „Äntligen“ (Endlich) heraus, in dem er sein Leben bis zum Coming-Out beschreibt.

Blond – Bara hon älskar mig

Manchmal gönne ich mir den Auftritt der drei in Dublin auf YouTube nach einem sehr nervigen Arbeitstag, um meine missmutige Stimmung wieder aufzuhellen.

 

4. Niederlande: Harmony – ‚t is O.K.

Den Abschluss bildet, na klar, ein Trio aus den Niederlanden. Der Grand Prix 1978 war der erste, den ich gesehen habe und meine Schwester hatte mir ihn auf Musikkassette aufgenommen. Erst vergessen, hörte ich die Kassette später im Jahr immer öfter, ohne zu wissen, aus welchen Ländern die Lieder zumeist stammten, denn 1978 hatte die Hörzu keine Teilnehmerliste abgedruckt. Im Winter 1979/80 erhielten meine Tante und Onkel im Rahmen eines Austauschprogramms ein junges Geschwisterpaar aus den Niederlanden zu Besuch und diese beiden erklärten mir, welcher Beitrag die Niederlande 1978 vertreten hatte: Harmony und „‚t is O.K.“. Dieses Lied gehörte auch ohne zu wissen, woher es stammte, zu meinen Lieblingsliedern des Jahres. Erst Jahre später erfuhr ich, dass die drei Interpreten nur auf Platz 13 mit 37 Punkten landeten.

Harmony Niederlande 1978

National hatte sich Harmony im Starterfeld von vier Teilnehmern, die jeweils zwei Titel vorstellten, am 22. Februar 1978 mit 36 Punkten von Startplatz 6 durchgesetzt. In Paris zwei Monate später kamen sie als elftes auf die Bühne, doch konnten sich nur acht der 19 Juries aus den anderen Ländern für diesen Song erwärmen. Allein der spätere Sieger aus Israel verstand die Fröhlichkeit des niederländischen Beitrags und vergab 12 Punkte an Harmony.

Auch diese Gruppe blieb nicht bestehen. Ab van Woudenberg, Donald Lieveld und Rosina Lauwaars verschwanden in der Versenkung. Rosina brachte 1980 noch eine Solosingle „Caravan“ heraus. Vor kurzem stellte eine niederländische Website bei ihrem Facebookauftritt den Titel aus 1978 ein und da meldete sich Rosina Lauwaars zu Wort und es entstand eine sympathische Diskussion mit den Fans und weiteren Vorentscheidungsteilnehmern aus dem Jahr 1978. Hierbei erfuhr man, dass sie wohl nicht gänzlich aus der Musikwelt verschwunden ist und noch stets Kontakt zu den beiden männlichen Mitstreitern hat.

„‚t is O.K.“ ist ein fröhliches Lied, das den Zuhörer auffordert, die Sorgen zu vergessen:

‚t Is oké, zing die melodie    Es ist ok, sing diese Melodie
Blij en in harmonie               Fröhlich und in Harmnie
Leef met wat sympathie       Lebe mit einiger Sympathie
Voor mensen om je heen     Gegenüber den Menschen um Dich herum

‚t Is oké, zing die melodie     Es ist ok, sing diese Melodie
Blij en in harmonie                Fröhlich und in Harmonie
Streef naar wat sympathie    Strebe nach einiger Sympathie
Dan ben je nooit alleen         Dann bist Du nicht allein

Das Lied habe ich in den neunziger Jahren für mich wiederentdeckt, als in den Niederlanden eine Compilation mit allen Beiträgen herausgebracht wurde.

Harmony – ‚t is O.K.

Wenn ich so nachdenke, fallen mir immer mehr Trios ein, die mein Herz noch nach all den Jahren höher schlagen lassen. So fand ich 1986 wie Blogger-Kollege OLiver die Gruppe Icy mit „Gleðibankinn“, die in Bergen Platz 16 für Island erreichten, toll. 1981 schickte Irland als Gastgeber die drei glitzernden Ladies von Sheeba mit „Horoscopes“ ins Rennen, um Fünfter zu werden. Auch war ich vom Liveauftritt der deutschen Gruppe MeKaDo in Dublin mit „Wir geben ’ne Party“, die zum Schluss Dritter (wieder eine Drei!) wurden, ganz begeistert und natürlich darf ich meinen All-Time-Favourite Sweet Dreams aus Großbritannien nicht vergessen, die 1983 in München mit „I’m Never Giving Up“ Sechster wurden.

Es gibt noch so viel mehr Lieder, die mich glücklich stimmen, wenn ich sie höre. Einige davon kann man hier und hier sehen.

 

Bis Weihnachten setzt alle paar Tage ein anderer Blogger die Serie “ESC Happy Pills” fort. Bisher erschienen:

(1) Armen: Weil’s dr guet got
(2) Matthias: Mit der Mandoline um die Häuser ziehen
(3) OLiver: Mit einem Schluck Südeuropa flutscht es besser