ESC Happy Pills (5): 100% Absolutely Fabulous

Queentastic Absolutely Fabulous

Während des Studiums habe ich festgestellt, dass es auch in unseren Breitengraden möglich ist, das ganze Jahr über erst dann aufzustehen, wenn es draußen nicht mehr (ganz) dunkel ist. Da dies einen ganz anderen und vor allem gutgelauten Start in den Tag ermöglicht, versuche ich auch heute bishweilen, meinen Tagesplan danach auszurichten. Gegen die frühe Dunkelheit am Abend hilft das aber auch nicht. Andere Mittel müssen dann her: Glühwein und musikalische Glückspillen. Letztere helfen natürlich auch sonst, wenn nicht alles glatt läuft.

1. Absolutely Fabulous

Wer ist selbst dann noch gut gelaunt, wenn er/sie innerlich am Boden liegt? Richtig, Transen. Das Beste: Ihre gute Laune ist ansteckend und sie geben auch gern Tipps, was man braucht, um sich absolut großartig zu fühlen. So wie Queentastic in ihrem norwegischen Vorentscheidbeitrag von 2006.

Wach wird man demnach mit einem Tropfen Chanel N° 5 – oder einem anderen olfaktorischen Hilfsmittel. Darüber hinaus braucht’s noch ein bisschen Gucci (oder ein anderes, günstigeres Kleidungsstück, das einen gutaussehen lässt), ein bisschen Liebe (wenn der Partner fehlt, dann auch vom Haustier oder einer gutgelaunten Servicekraft) und ein diamanten-besetztes Herz (alternativ ein anderes Schmuckstück oder Statussymbol). Natürlich ist das im Lied eigentlich anders gemeint (Konsumkritik, Käuflichkeit und so), aber jeder ist ja frei, in Kunst das hinzuinterpretieren bzw. herauszuziehen, was er möchte.

Queentastic – Absolutely Fabulous

Selbst wer diese konkreten Tipps nicht umsetzen mag oder kann, bekommt bei Queentastic gute Laune. Gesang und Choreographie sind maximal halbgar – aber die beiden haben richtig Spaß dabei. Und der überträgt sich, wenn man es zulässt. Prädikat: Absolutely Fabulous!

 

2. 100% te ljubam

100%-ige Liebe – wer wünscht sie sich nicht?! Alle, die sich an den Auftritt erinnern, wissen, dass er vielleicht mit 100%-iger Liebe dargeboten wurde. Das bedeutete aber nicht, dass das auch so beim Zuschauer angekommen wäre. Ist der Beitrag nun schon wegen des verhauenen Gesangs eine Happy Pill? Nein, denn Schadefreude und selbst das verkopfte Downward Comparising sind nur für sehr schlichte Gemüter ein Stimmungsaufheller. Wenn aber das Lied umgehend Erinnerungen wachruft, die einen auf bessere Gedanken oder zum Schmunzeln bringen, dann ist es eine Gute-Laune-Pille. Und genau so ist es bei mir mit „100% te ljubam“.

Mazedonien 2001: XXL – 100% te ljubam

Den ESC 2000 sah ich unter anderem zusammen mit meiner besten Freundin. Als Trash-Connoisseure waren wir von der mazedonischen Darbietung gleichermaßen erschrocken wie fasziniert. Am Tag nach dem ESC weckte ich besagte Freundin, indem ich unvermittelt und mit hoher Lautstärke das dünnstimmige wiewohl donnernde „100% te ljubam“ erklingen ließ. Für etwaiges verschlafenes Grummeln gab’s da keine Chance mehr! Diesen Spaß gönnen wir uns auch heute noch vereinzelt, wenn wir in räumlicher Nähe übernachten. Denn wer so geweckt wird, ist sofort hellwach – und gut gelaunt!

 

3. On Again, Off Again

Kaum etwas ist nerviger als eine On-Again-Off-Again-Beziehung. Aber auch die Unwissenheit, wo man denn bei einer Person in Sachen Zuneigung steht, kann einen in einen hope-on-again-hope-off-again-Modus bringen. Wie gut, dass es auch für solche Situationen das passende ESC-Lied gibt, das obendrein noch gute Laune macht, selbst wenn man gerade in einer Off-again-Phase steckt.

Malta 2004: Julie & Ludwig – On Again, Off Again

Allein schon Julies Gekichere am Anfang des Songs lässt einen schmunzeln. Meinen die das wirklich ernst? Der anschließend einsetzende Beat deutet an, dass es nicht zu tiefsinnig wird. Und in der Tat: der Text gibt hervorragend abstruse Plattitüden, die gekrönt werden von der Feststellung: „Love is a flame that we can never tame“. Diese Erkenntnis beruhigt auch in einer Off-again-Phase. Und trotzdem sind Julie und Ludwig gutgelaunt. Mehr noch: Sie können sogar Oper! Wenn sie bei der Brücke in dem auf den Bühnenboden applizierten Rosenstrauß stehen und Julie koloraturiert, während Ludwig singt, sind bei mir alle Sorgen vergessen. Das ist so auf die 100, so absurd, so grandios – da ist jeder Widerstand der schlechten Laune zwecklos.

 

Bis Weihnachten setzt alle paar Tage ein anderer Blogger die Serie “ESC Happy Pills” fort. Bisher erschienen:

(1) Armen: Weil’s dr guet got
(2) Matthias: Mit der Mandoline um die Häuser ziehen
(3) OLiver: Mit einem Schluck Südeuropa flutscht es besser
(4) Tjabe: Drei Minuten im Dreiklang ohne Da Capo