ESC Happy Pills (6): Liebe, Action und die ganze Welt

Sanna Nielsen Hela världen för mig 2003

Die Aufgabe, drei „Happy Pills“ aus dem Angebot Hunderter bzw. Tausender Songs herauszusuchen, ist eigentlich gar nicht möglich. Da die anderen Blogger sich in diesem Zusammenhang hauptsächlich mit ESC-Final-Material beschäftigen, habe ich mich mal in den unzähligen Vorentscheiden der letzten Jahrzehnte umgesehen und bin tatsächlich auf „Perlen“ gestoßen, die mir dann und wann ein breites Grinsen ins Gesicht zaubern.

1. So much love

Fangen wir zu Beginn dieses Jahrtausends an. In den Niederlanden war das „Nationaal Songfestival“ im Gegensatz zu heute eine große Nummer, brachte jedoch auch deutlich bescheidenere Ergebnisse auf internationalem Parkett als heutzutage hervor. Im Ahoy von Rotterdam stellten sich 2001 zehn Acts der Wahl des Publikums sowie Fachleuten aus der Musikindustrie, Komponisten und Künstlern. Vollkommen überraschend, dabei aber sehr deutlich siegte die auf dem Boden sitzende Michelle mit ihren introvertierten „Out on my own“ und löste das Ticket nach Kopenhagen. Das Nachsehen hatten die Favoritinnen von Ebonique, die – auf der Anastacia-Welle schwimmend – einen Soul-Klopper auf die Bühne brachten, der wohl auf der Startnummer 1 beim ESC gleich mal die Richtung angegeben hätte. Schade, dass das nicht geklappt hat! Und eigentlich auch nach fast 14 Jahren vollkommen unbegreiflich, weshalb dieser Song nicht gewonnen hat, bei mir funktioniert der noch immer!

Ebonique – So much love (2001)

Zum ESC haben es die drei Damen trotz eines weiteren Versuchs aber dennoch nicht geschafft. 2003 probierten sie es erneut, landeten beim Finale in der mit Sicherheit lustigsten Vorentscheidung aller Zeiten aber mit dem deutlich ruhigeren Song „Heatwave“ lediglich auf dem fünften Platz.

2. Hela världen för mig

Zwei Jahre nach dem ersten Ebonique-Versuch probierte sie es bei der Vorentscheidung ihres Landes zum zweiten Mal. Weitere fünf Anläufe sollte es dauern, bis sie in diesem Jahr in Kopenhagen endlich auf einer ESC-Bühne stand: Sanna Nielsen! Man glaubt ja kaum, dass es sich um eine knapp 18-jährige handelt, die da auf der Bühne steht, zurechtgemacht wie eine Edelsekretärin in ihren besten Jahren. Dabei hat sie die ja noch vor sich, wie sie ganz richtig in ihrem eindeutig nach vorne gehenden Selbstverwirklichungsschlager feststellt.

Dieser Song spielte übrigens eine wesentliche Rolle bei einem runden Geburtstag im darauffolgenden Sommer. Ein guter Freund hatte eine Barkassenfahrt durch den Hamburger Hafen für seine Geburtstagsgesellschaft gebucht und durfte seine eigene Musik mitbringen. So passierte es dann, dass die Barkasse voller mitgröhlender junger Menschen war – und „Hela världen för mig“ war der Superhit an Bord. Was wohl die Touristen am Ufer gedacht haben – vor allem die schwedischen… Eine schöne Erinnerung und mit diesem Titel löst Sanna noch immer Glücksgefühle in mir aus!

Sanna Nielsen – Hela världen för mig (2003)

3. Where the action is

Nun schließlich zu einem Fundstück. Nicht selbst erlebt, sondern durch youtube-Recherche aufgefunden. Es begab sich 1984 auf der Insel, als die Truppe First Division sich aufmachte, in die Fußstapfen der Sweet Dreams zu treten, die die Briten ein Jahr zuvor in München vertreten hatten. Im Grunde ist dieser Versuch mit „Where the action is“ nichts anderes als die Idee, das Erfolgsformat von 1983 zu wiederholen, allerdings mit deutlich mehr Wummms und einer Person mehr auf der Bühne. Der Song ist schneller als „I’m never giving up“ und schraubt sich spätestens in der letzten Minute durch ganze zwei (!!) Key-Changes in ziemliche Höhen – tonmäßig wie geschwindigkeitsmäßig! Leider haben die Jurys die stilistische Ähnlichkeit bemerkt und First Division auf den zweiten Platz verwiesen. In Luxemburg hätten die vier sicher die Bühne gerockt und das mediocre Orchester von RTL an den Rand des Möglichen getrieben… Für mich der ideale Starter in den Morgen. Nach diesem Song bin ich sowas von hellwach!

First Division – Where the action is (1984)

Nicht zu fassen, dass das schon 30 Jahre alt ist…

Bis Weihnachten setzt alle paar Tage ein anderer Blogger die Serie “ESC Happy Pills” fort. Bisher erschienen:

(1) Armen: Weil’s dr guet got
(2) Matthias: Mit der Mandoline um die Häuser ziehen
(3) OLiver: Mit einem Schluck Südeuropa flutscht es besser
(4) Tjabe: Drei Minuten im Dreiklang ohne Da Capo
(5) Douze Points: 100% Absolutely Fabulous