ESC-Kaleidoskop Kopenhagen (14): Ostfriesen unter sich

Elaiza Finale 1st Dress Rehearsal 2014

Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erleben. Und bei der Rückkehr gibt es viel zu erzählen. Der Eurovision Song Contest bietet einen unermesslichen Schatz an Anekdoten und Geschichten. Und Bilder zuhauf. Wenn man an den Arbeitsplatz oder in die Familie zurückkehrt, interessiert aber oft nur eines: „Hast du den deutschen Teilnehmer getroffen, mit ihm gesprochen und ein Foto gemacht?“

Schon im Jahr 2000, als mich der Zufall zum ersten Mal zum Eurovision Song Contest brachte, fragte mich hinterher meine damalige Chefin, die mir sehr kurzfristig Urlaub gewährt hatte, ob ich denn auch mit Stefan Raab gesprochen hätte. Nein damit konnte ich nicht glänzen, jedoch hatte ich am Flughafen Einar August aus Island getroffen, der Tags zuvor noch Zwölfter mit Telma und „Tell Me“ wurde, aber wen interessierte das.

Einar August Island 2000August – Island 2000
Noch mit herkömmlicher Kamera

2006 hatten wir tolle Plätze fast an der Bühne und auf der Akropolis lief Blogger-Kollege Jan und mir die zwei Tage zuvor in der Vorrunde ausgeschiedene und völlig abgedrehte Silvia Night aus Island über den Weg. Wir trauten uns kaum sie anzusprechen, um mit ihr ein Foto zu machen. Aber auch so etwas interessierte die Daheimgebliebenen nicht. Die kannten nur Texas Lightning.

Silvia Night Island 2006Silvia Night – Island 2006
Noch mit herkömmlicher Kamera

Helsinki 2007 bot uns dann noch mehr Fotomotive Smalltalks. Mit DJ Bobo konnten wir uns im Eurovision Village nett unterhalten, bevor er auf Platz 20 im Halbfinale scheiterte. But who cares? Wo ist das Bild mit Roger Cicero? Dabei seid ihr doch mit ihm im Flieger nach Hamburg zurückgekehrt…

Eirikur Haakson Island 2007Eirikur Haakson – Island 2007
Noch mit herkömmlicher Kamera

Die Lena-Jahre und deren Hype machten eine für die Heimat bildliche „Wir-waren-da“-Dokumentation fast unmöglich, dabei gab es mit Sieneke aus den Niederlanden, Miro aus Bulgarien, Stella Mwangi aus Norwegen und Alex Sparrow aus Russland sehr schöne Motive und spannende Erlebnisse. Zudem hielt ich ja alles in Wort und Bild auf dem Blog fest. Aber ohne Lena kein sonderliches Interesse und keine großen Nachfragen.

Sieneke Niederlande 2010Sieneke – Niederlande 2010

Miro Bulgarien 2010Miro – Bulgarien 2010

Stella MwangiStella Mwangi – Norwegen 2011

2013 konnte ich wenigstens ein gemeinsam gestelltes Blogger-Foto mit Cascada präsentieren, aber da waren ja alle drauf und ich hatte es nicht persönlich auf der Digicam. Zudem landete sie ja auch nur auf Platz 21 mit 18 Punkten.

PRINZ Blog Team Malmö mit CascadaCascada und die Blogger – Deutschland 2013

Aber vielleicht hatte ich meine Leute zu Hause zu sehr verwöhnt. War man stets ob seines Hobbies belächelt worden und manch einer hatte sich ein anderes Hobby für mich gewünscht, so änderte erst mein erstes Grand-Prix-Live-Erlebnis 1996 bei der deutschen Vorentscheidung in Hamburg-Harburg die Aufmerksamkeit der wenig bis gar nicht Grand-Prix-affinen Menschen um mich herum. Denn ich hatte die allgemein bekannten deutschen Vertreterinnen Mary Roos, Lena Valaitis, Nicole und Katja Ebstein auf der After Show Party im Harburger Hotel getroffen. Mit meiner Lieblingssängerin Katja Ebstein gab es sogar ein schönes Bild.

Ein Jahr später durfte mein Scheckheft für die Bezahlung einer Grand Prix Legende herhalten. Lys Assia war vom deutschen OGAE Club zur Vorentscheidung eingeladen worden und bestand glücklicherweise nicht auf Bargeld für ihre Auslagen. Das sorgte für reges Interesse im Bekannten- und Verwandtenkreis sorgte. Der Sieg von Guildo Horn 1998 und die durch die allgemeine Hysterie hervorgerufene Unerreichbarkeit des Acts machte aber wieder alles zunichte.

Guildo Horn Deutschland 1998Guildo Horn – Deutlschland 1998
Schön abfotografiert von einem sowieso durch den Tumult bei der Vorentscheidung verwackelten Foto

Mit den Jahren wurde die Reaktion der Daheimgebliebenen auf meine ESC-Ausflüge immer neutraler und so würde es auch 2014 wieder sein, dachte ich. Doch bei meinem Besuch in der ostfriesischen Heimat kurz nach dem deutschen Vorentscheid im März 2014 merkte ich, dass das Interesse dort immens gestiegen war, obwohl es sich bei Elaiza doch nur um eine Newcomer-Band handelte. Selbst mein 87-jähriger Onkel, der dem Grand Prix so nahe steht wie Portugal einem Sieg beim ESC, ging gleich auf das Thema „Eurovision Song Contest“ ein. Was war plötzlich passiert? Eine der drei von Elaiza stammte aus Ostfriesland, genauer gesagt aus Leer, der Kreisstadt, zu der auch mein Heimatdorf gehörte.

Nun war bei mir erst mal der Forscherdrang geweckt und ich studierte die lokalen Zeitungen. Und richtig, Natalie Plöger, die Frau am Bass, blickte auf ostfriesische Wurzeln zurück und besuchte sogar die gleiche Schule wie ich, nämlich das Ubbo-Emmius-Gymnasium. Da wurden Lehrer zitiert, deren Gesicht ich auch noch kannte und Orte genannt, die jemand aus dem Kreis Leer wiedererkennt.

Somit hatte der ESC für mich eine besondere Note erhalten, denn Ostfriesen finden sich eigentlich überall wieder. Mit den Informationen aus der lokalen Presse ging es dann Richtung Kopenhagen.

Die erste Woche war noch ruhig, da die deutsche Delegation sich erst später gen Dänemark begab, somit konnte man sich mit den Künstlern wie Suzy und Aarzemnieki beschäftigen, die die Heimat sowieso nicht interessierten.

Suzy TjabeSuzy – Portugal 2014

Nun gilt das Gesetz, wenn die Big Five auftauchen, dann steigt auch das mediale Interesse und die Künstler sind schwerer zu erreichen. Zudem gibt es nur wenige Termine, an denen man überhaupt die Möglichkeit hat, die Künstler zu treffen. Solch eine Gelegenheit bot der Botschaftsempfang im Euroclub, aber schon die Masse an Menschen dort ließ mich erahnen, dass es mit einem Foto und Natalie nicht klappen würde. Die deutschen Mädels von Elaiza waren gut abgeschirmt. Und ich bin kein Selfie-Profi wie DJ Ohrmeister. So hielt ich mich dann erst mal etwas entfernt.

Deutscher Botschafterempfang ESC 2014 Kopenhagen Elaiza BotschafterElaiza und der Botschafter

Irgendwann jedoch überwand ich meine Hemmschwelle und ging zu der Ecke im Euroclub, wo sich die drei Künstlerinnen umringt von Presse und Fans aufhielten. Sie waren schon Begriff zu gehen. Ich nahm allen Mut zusammen und sprach Natalie einfach an und sagte, dass ich auch aus Ostfriesland und zur gleichen Schule wie sie gegangen sei. Sie war total perplex und freute sich sichtlich, jemanden aus der Heimat getroffen zu haben. Obwohl eigentlich kein Foto mehr gemacht werden sollte, durfte ich zum Leidwesen anderer Umstehender doch noch ein Foto mit ihr machen und schon schwirrte Natalie dem restlichen Delegationstross gutgelaunt hinterher. Diesbezüglich danke nochmals an Ex-Blogger Daniel.

Nathalie Plöger Elaiza Deutschland 2014Natalie Plöger (Elaiza) – Deutschland 2014

Der Heimat sollte von meinem Erfolg und dem Stolz, dass eine Ostfriesin Deutschland vertritt, erfahren und so stellte ich das Bild bei Facebook ein. Ein reges Liken und Kommentieren insbesondere aus der ostfriesischen Heimat folgte. Nun war ich so motiviert, dass ich dann doch auch noch ein Bild mit allen Dreien haben wollte.

Und das Glück war mir hold. Tags darauf führte mein Weg vor dem zweiten Halbfinale durchs Pressezentrum und von weitem konnte ich die drei schon sehen. Erstaunlicherweise waren sie kaum umringt von Menschen. Nur ein paar Kollegen von zwei niederländischen Websites ließen sich mit Elaiza ablichten. Ich ging gleich auf Natalie zu und stellte mich als „der Ostfriese vom Botschaftsempfang“ vor. Natalie erkannte mich wieder und auf meine Bitte hin, ob ich noch ein Foto mit allen haben könnte, arrangierte sie die beiden Kolleginnen und mit Hilfe eines des niederländischen Kollegen erhielt ich das gewünschte Foto mit Elaiza.

Elaiza Deutschland 2014Elaiza – Deutschland 2014

Mit ein paar lieben Worten über das Public Viewing in Leer verabschiedeten Nathalie und ihre beiden Bandkolleginnen sich und ich konnte überglücklich mein Bild mit Elaiza den Bloggerkollegen präsentieren. Nun konnte ich endlich einmal die Arbeitskollegen und Familie und Freunde in der Heimat überraschen. 2014 habe ich nun endlich den deutschen Teilnehmer getroffen, gesprochen und ein Foto gemacht. Ostfriesen finden sich halt überall.

 

Vorschau: In der nächsten Folge erzählt Peter, worauf es beim Fotografieren auf dem roten Teppich beim Bürgermeisterempfang ankommt und welche Strategien er im Hauen und Stechen um das beste Bild verfolgt.

Bisher veröffentlichte Folgen unseres ESC Kaleidoskop Kopenhagen:

(1) Warten auf Elaiza (OLiver)
(2) Undankbares DJ Set im Eurovision Village (Douze Points)
(3) How I met Pernille (DJ Ohrmeister)
(4) Peeing in the rain, the rain, the rain (Douze Points)
(5) “Kommen Sie auch zur Fütterung?” (OLiver)
(6) Mit Ralph Siegel auf dem Klo (Armen)
(7) Wiedersehen mit Chiara (Marc)
(8) Durch die Hintertür ins Rathaus (DJ Ohrmeister)
(9) Atemlos mit Sanna (Douze Points)
(10) Rendez-vous mit Curryboy (WM)
(11) Fataler Riss im Euroclub (OLiver)
(12) Der Star und ich (DJ Ohrmeister)
(13) Krank in der Bubble (Matthias)