ESC-Kaleidoskop Kopenhagen (2): Undankbares DJ-Set im Eurovision Village

ESC DJ Set Douze Points Nytorv 1

Schlimmes Wetter und parallel das Jury-Finale sind selbst für hartgesottene DJs denkbare schlechte Voraussetzungen für ein Set im Eurovision Village. Da hilft nur eins: Augen zu und durch. Und darauf zählen, dass es irgendwann am Ende dieses DJ-Alptraums einen extragroßen Gin Tonic gibt. Letztlich war der aber gar nicht mehr notwendig.

Kopenhagen mag am Ende zwar an seinen eigenen viel zu hohen Ansprüchen gescheitert sein. Auf dem Weg dahin wurde aber geklotzt und nicht gekleckert. So wurde auch versucht, die Bühne im nicht besonders einladenden Eurovision Village bestmöglich zu bespielen. Neben den ESC-Künstlern und Bands kamen dabei auch DJs zu Einsatz.

Eine Schicht fiel dabei an mich: Freitag, 9. Mai, 20 bis 22 Uhr. Während sich (fast) alle Fans auf den Weg in die B&W Hallen machten und ein äußerst frischer Wind durchmengt mit Niederschlag durch die niedrigen Kopenhagener Häuserschluchten zog, machte ich mich auf den Weg zum Eurovision Village auf dem Nytorv mitten in der Stadt.

Die Band, die vor mir dran war, hatte volle Arbeit geleistet: Vielleicht 30 Leute höchst unterschiedlichen Alkoholisierungsgrads trieben sich auf dem weitläufigen Platz herum. Als ich nach einem kurzen Umbau die Bühne betrat, gab’s erstmal einen Schreck: Sie war fast vollständig leer geräumt. Nur vorn am Bühnenrand stand ein DJ-Pult. Sonst nichts. Ich sollte also den ESC-David-Guetta geben, aktiv und überschwänglich auflegen, dem Publikum einheizen. Nur war halt kein Publikum da. Und außerdem war ich darauf weder mental noch visuell vorbereitet. Aber die Dose Royal Beer in meiner Hand gab mir Halt.

Nachdem ich meinen Rechner angeschlossen und die ersten zwei Lieder abgefahren hatte, postete ich das Foto (Aufmacher, ganz oben) mit den Worten „Es hat nie jemand gesagt, dass es ein DJ leicht hat“. Die mich daraufhin erreichenden Beileidsbekundungen gaben mir so lange Mut, bis einer der wenigen Besucher an den Bühnenrand kam und mir aus Mitleid einen Zug von seinem Joint anbot. Ich lehnte dankend ab.

Auf dem Weg zurück zum DJ-Pult kam dann der nächste Schreck: Ich erblickte eine riesige Leinwand am hinteren Ende der Bühne und auf dieser einen mir von der Haupthaarpflege her bekannten Hinterkopf. Himmel! Das ganze Elend wurde also noch überlebensgroß zur Schau gestellt.

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Eine Strategie musste her. Und zwar pronto. Wie sagte Egon Olson damals immer schon im Ost-Fernsehen: „Ich habe einen Plan.“ Darauf gab’s dann ein Tuborg und dann lief das Ding (bis Egon wieder im Knast landete). Ich hatte immerhin mein Royal Beer und musste nun nur noch wie Egon, Benny und Kjeld denken und mit den einfachsten Dingen die Aktion zum Rollen bringen.

Die einfachsten Dinge sind für einen DJ die Mainstream-Klopper. Oder um Blogger Peter zu zitieren: Stumpf ist Trumpf. 1 Stunde und 45 Minuten lagen noch vor mir. Das müsste hinzukriegen sein. Ein paar ESC-Siegersongs, ein paar ESC-Evergreens, ein paar Beiträge von diesem Jahr und die größten Hits vom dänischen Melodi Grand Prix. Achja, und umgehend Wünsche erfüllen, wenn sie von Leuten kommen, die dann auch vor der Bühne bleiben und dort sogar tanzen.

Gesagt, getan. Blieb nur noch die Frage, wie ich mit der vermaledeiten Leinwand umgehen sollte. Nun denn: Unwohlsein aus, Rampensau an – und Spaß haben! Wenn die Leute schon mit der Musik nichts anfangen können, dann sollen sie wenigstens was zu gucken haben. Vielleicht würde ja meine vorgetäutscht-selbstbewusste DJ-Attitüde verfangen? Peinlicher als vor einem leeren Platz zu spielen, konnte es ohnehin nicht mehr werden.

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Die Stategie zog, vermutlich auch, weil der Regen aufhörte und weil Menschen Menschen anziehen. Bleiben erstmal welche stehen (und haben augenscheinlich Spaß), gesellen sich andere dazu. Das verleitet dann wiederum andere zum Stehenbleiben.

Als dann auch noch die Blogger Armen und Jan auftauchten, um mir mentalen Beistand zu signalisieren, gab’s vom zeitweisen Fatalismus keine Spur mehr. Um 22 Uhr beendete ich mein Set und übergab einen gut gefüllten Nytorv an die anschließend auftretende Band. Was die daraus gemacht haben, ist mir nicht bekannt.

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Vorschau: Im nächsten Teil des Kaleidoskop Kopenhagen schildert DJ Ohrmeister, wie er die ESC Executive Producerin des dänischen Fernsehens, Pernille Gaardbo, von einem ihren Namen tragenden PrinzBlogprojekt begeisterte.

Bisher in der Serie ESC Kaleidoskop Kopenhagen erschienen:

(1) Warten auf Elaiza (OLiver)