ESC-Kaleidoskop Kopenhagen (4): Peeing in the rain, the rain, the rain

DIXI_Uri_Pissoir_Eurovision_Kopenhagen

In der zweiten Kopenhagener ESC-Woche entwickelte sich neben dem portugiesischen Dancefloorfiller der zweite Song von der iberischen Halbinsel zum Stichwortgeber in Sachen ESC-Wetter: The rain, the rain. Während Ruth Lorenzo darin tanzte, durften die Grand-Prix-Zuschauer in den B&W Hallen im Regen ihrem Geschäft nachgehen. Ob das schlimmer war als die olfaktorische Belästigung, der die ESC-Künstler auf der Promi-Toilette ausgesetzt waren, sei einmal dahin gestellt.

Drei Stunden vor Showbeginn sollten sich die Besucher der ESC-Shows an den B&W Hallen einfinden, um die Verkehrssituation bei der Anreise wenigstens etwas zu entspannen. Wer dann zwei Stunden Show erlebte und sich anschließend wieder gen Zivilisation bewegte, war gut und gern 5 bis 6 Stunden auf der Refshaleøen. Klar, dass sich da kleine und große Bedürfnisse einstellten, die erlegt werden wollen.

Eine ehemalige Schiffswerft hat natürlich keine Toilettenkapazitäten für 11.000 Personen. Also wurden Toilettenwagen in großer Zahl aufgestellt, die das Problem dennoch nur bedingt auffangen konnten. Lange Schlagen waren die Folge. Zum Finale wurden dann auch noch fix festivalerprobte DIXI Uris aufgestellt (Aufmacherfoto). Die sind „einfach praktisch“ und bieten „Platz für 4“. Männer zumindest. Allerdings ohne Händewaschen. Aber welcher Besucher der teuersten TV-Show Dänemarks aller Zeiten will das schon? Welcher Besucher in Abendrobe? Welcher ESC-Fan, der über 300 Euro für das Fankartenpaket bezahlt hat?

B&W Hallerne ESC Toilets queueSchlangen vor den Toilettenwagen vor den B&W Hallen vor dem Beginn einer Show

Zumal den Veranstaltern – wenn man so will – „the rain, the rain“ zu Hilfe kam. Schließlich konnte man sich so beim Finale, wo es quasi durchregnete, mit Regenwasser die Hände waschen. Nur wollte das irgendwie niemand, nachdem er in „the rain, the rain“ stehend gerade sein Geschäft am DIXI Uri erledigt hatte. Die Frauen waren nur bedingt besser dran: die konnten sich zwar im Toilettenwagen die Hände waschen, mussten dafür aber umso länger in „the rain, the rain“ anstehen.

Nur auf den ersten Blick besser erging es den ESC-Stars, die nach ihren Auftritten im Greenroom ausharrten. Für die gab es eine Toilette in der Arena und zwar unterhalb der Kommentatorenboxen und der Tribüne vis à vis der Bühne. Auch die dortigen sanitären Kapazitäten waren nicht ausreichend, so dass man „Stars“, die eben noch auf der ESC- Bühne auftraten, jetzt vor dem In-door-Toilettenwagen anstehen sah. Die hatten es dabei zwar trocken. Allerdings stank es schon seit Tagen in diesem Bereich der Halle nach Erbrochenem. Fragt sich, was schlimmer ist.

Nach diesen Erfahrungen wünscht man sich, dass die EBU den Ausrichtern nicht nur tageslichtfreie Veranstaltungshallen zur Auflage macht, sondern auch regensichere Toiletten mit Händewaschmöglichkeit in ausreichender Anzahl vorschreibt. Liebe Ösis, wir zählen auf Euch!

 

Vorschau: Im nächsten Teil des Kaleidoskop Kopenhagen suchen die Blogger nach dem Old Fashioned Glamour des allerersten ESC auf dänischen Boden (1964) im Vergnügungspark Tivoli.

Bisher in der Serie erschienen:

(1) Warten auf Elaiza (OLiver)
(2) Undankbares DJ Set im Eurovision Village (Douze Points)
(3) How I met Pernille (DJ Ohrmeister)