ESC Radio Awards 2018: Mikolas räumt ab, Michael Schulte auf dem Treppchen

Doppelsieg für Tschechien: Mikolas Josef gewinnt den ESC Radio Award 2018 in den Kategorien Best Male Artist und Best Song. Während sich bei den Bands knapp ein früher Fan-Favorit durchsetzt, bleibt dem Äquivalent bei den Best Female Artists dieser Erfolg verwehrt.

Seit 2006 vergibt das in Berlin produzierte ESC Radio nach dem Eurovision Song Contest seine ESC Radio Awards. Während sich im Hype vor dem eigentlichen Grand Prix die Votings und Wetten überschlagen, kehrt danach Ruhe ein. Die Ergebnisse werden analysiert: Wer hat überrascht, wer enttäuscht? Welche Beiträge waren Black Horses? Außerdem wird geschaut, wer sich kommerziell durchsetzt. Und welcher Lieder hört man eigentlich immer noch gern?

Insofern sind die ESC Radio Awards ein schöner Gradmesser für den Fanerfolg nach dem Hype. Dabei ist von Repräsentativität nicht zu sprechen, zumal es grundsätzlich möglich ist, mehrfach für seine Favoriten abzustimmen. Als Stimmungsmesser dienen die Ergebnisse allemal. Und da die Organisatoren die vollständigen Ergebnisse veröffentlichen, gibt es umfangreiches Zahlenfutter für weitere Diskussionen.

Best Song

Nicht völlig überraschend, aber auch nicht wirklich absehbar hat sich zum ersten Mal in der Geschichte des Awards ein tschechischer Beitrag durchgesetzt. Mit einem Viertel der Stimmen und guten 2 Prozentpunkten Vorsprung vor „Fuego“ und guten 5 Prozentpunkten vor „Toy“ ist das ein großer Erfolg für „Lie To Me„. Erfreulich aus deutscher Perspektive: Michael Schultes „You Let Me Walk Alone“ kommt mit 11% auf Rang 5 hinter „Mercy“ und vor dem bulgarischen Beitrag „Bones„.

Saara Aalta (Foto oben) erhält für ihre „Monsters“ mit Rang 8 und 6,6% der Stimmen erstaunlich viel Zuspruch im Nachgang des ESC. Dahingegen scheinen die spanischen Voter die Lust an „Tu canción“ verloren zu haben – oder die Abstimmung ging einfach an ihnen vorbei. Nicht ganz überraschend hingegen das Triple am Ende: Georgien, Russland und San Marino.

Best Female Artist

Klare Siegerin in der Kategorie Best Female Artist ist Eleni Foureira, die Beyoncé des Balkans, mit einem Viertel der Stimmen – und damit knapp doppelt so vielen Votes wie die Zweitplatzierte, die ESC-Siegerin Netta. Hier wäre auch ein weniger eindeutiges Rennen vorstellbar gewesen, zumal Netta somit komplett ohne einen Award aus dem Rennen geht.

Die weiteren Plätze sind wenig überraschend. Womöglich könnte man die Australierin Jessica Mauboy (Foto oben) hervorheben, die nach der Bekanntgabe ihrer Teilnahme ja gehyped wurde, bevor dann mit den Proben und den ESC-Shows des jähe Absturz kam. Dass Aisel, Christabelle und Julia Samoylova die letzten drei Plätze unter sich ausmachen, ist erwartungsgemäß – sie konnten während des ESC einfach nicht überzeugen.

Best Male Artist 

Wie schon erwähnt ist Mikolas Josef der Abräumer bei den männlichen ESC-Interpreten: ein Drittel aller Stimmen entfielen auf den junge Tschechen. Ähnlich überraschend wie das Abschneiden beim ESC selbst, sind auch hier die Plätze zwei und drei: die nämlich belegen Cesár Sampson und Michael Schulte, wobei der Österreicher auf fast doppelt so viele Stimmen kommt wie der Deutsche. Ein gutes Ergebnis ist der vierte Platz für den Albaner Eugent Bushpepa (Foto unten), wohingegen sich der Schwede Benjamin Ingrosso nach der Abstrafung durch das TV-Publikum beim ESC nun durchaus über den 5. Platz dankbar zeigen darf.

Auch hier einen Blick auf die letzten drei Ränge, die mit Waylon, Sevak und Vanja eher solche Interpreten belegen, die weder mit ihren Titeln, noch emotional überzeugen konnten. Ein offener Umgang mit den Fans wird offenbar auch im Nachgang geschätzt.

Best Group

Ein erstaunliches enges Rennen liefern sich die beiden beliebtesten Bands beim ESC Radio Award 2018. Der dauerhafte Fan-Favorit Madame Monsieur aus Frankreich sicherte sich mit knapp 2 Prozentpunkten Vorsprung den Preis vor den Verfolgern Equinox (Foto unten). Das ist schon ein bisschen erstaunlich, da die international zusammengewürfelte Bulgaren-Kombo kaum eine Bindung zu den Fans etabliert hat und wenig in Erscheinung trat. Dahingegen hatte ihr Song „Bones“ immer seine Anhänger und der Gesang der fünf Künstler war natürlich auch tadellos.

Sieger der Herzen sind sicher die drittplatzierten Moldawier DoReDos und die vierplatzierten AWS aus Ungarn. Dass sich die Duos aus Italien, der Schweiz und Spanien nur knapp dahinter platzieren, spricht für ein einigermaßen ausgeglichenes (oder einfach recht egales) Mittelfeld. Die letzten drei Plätze gehen wenig überraschend an Georgien, (Nord-)Mazedonien und San Marino.