ESC-Songcheck (10): „Forever“ von Alekseev

Viele Köche verderben meistens den Brei und Verschlimmbessern hat selten geholfen. Letzteres haben die Weißrussen in diesem Jahr bis zur Ekstase exerziert. Das Ergebnis ist ein Teller bunte Knete, wo nichts so recht zusammengehören will. Alekseevs Qualifikation fürs Finale ist für die Prinz-ESC-Blogger daher auch nicht sicher. Jetzt können ihn nur noch eine ordentliche Bühnenshow, sein Aussehen und der späte Startplatz retten.

 

Der Interpret

Alekseev wurde 1993 in der Ukraine geboren und wuchs bei seiner Mutter auf. Als Zehnjähriger begann er, sich mit Musik zu beschäftigen und gründete seine erste Schulband. Nach der Schule startete er mit einem Marketing-Studium, setzte parallel aber weiter auf die Musik und bewarb sich als 18-Jähriger bei der ukrainischen Ausgabe von The Voice, wo er nicht weiterkam.

Bei einem erneuten Versuch 2014 holte ihn dann aber Ani Lorak in sein Team. Obwohl das Aus für ihn schon in der ersten Live-Runde kam, wurde er später zum beliebtesten Teilnehmer der Staffel. Das lag vor allem an seiner Interpretation eines Irina-Bilyk-Titels bei einer Sendung nach der eigentlichen Staffel, bei der die verschiedenen Teilnehmer noch einmal auftraten.

Alekseevs 2015 veröffentlichte Single „Пьяное солнце“ wurde ein Hit in vielen Ländern der ehemaligen Sowjetunion und das Video erreichte bis heute über 30 Mio. Abrufe. Seine späteren Veröffentlichungen waren deutlich weniger erfolgreich.

Wen statt der floralen Muster und der interessanten farblichen Kombi von Alekseev (Hauptperson) viel mehr interessiert, wer Dmitri Schepelev ist (unten links), den setzen wir hiermit gern ins Bild: Er ist eine weißrussisch-ukrainisch-russische TV- und Radiopersönlichkeit, die auch schauspielert und DJ:t – und hier auf Instagram zu finden ist (#dilf). Und ja, mit der Loboda und Mika Newton sind gleich zwei weitere ESC-Exe auf dem Cover des Magazins. 

Nachdem Alekseev sich zunächst für den ukrainischen Vorentscheid beworben hatte, setzte er dann doch auf die weißrussische Ausgabe. Der dortige Vorentscheid war keine wirkliche Hürde für ihn. Mit einer imposanten Lichtshow und der Höchstpunktzahl gewann der den Wettbewerb mit seinem „Forever“, das seither mehrfach überarbeitet wurde. Später bekam Alekseev auch noch einmal den Segen des weißrussischen Präsidenten Alexander Lukaschenko für seine ESC-Teilnahme für das Land als Ukrainer.

 

Der Song

Bereits im Vorfeld des weißrussischen Vorentscheids gab es Diskussionen, ob es sich bei „Forever“ um ein Plagiat handelt. Sechs Mitbewerber hatten sogar mit einem Boykott gedroht, wenn Alekseev mit dem Lied teilnehmen würde. Letztlich zog nur eine Finalistin ihren Beitrag zurück.

Alekseev hatte am 23. Mai 2017 in Stavropol das Lied „Навсегда“ vorgetragen, das allergrößte Ähnlichkeiten zu „Forever“ hat. Für den Vorentscheid wurde die Sprache auf Englisch geändert und der Titel auf 3 Minuten gekürzt. Wie auch schon bei Jamalas „1944“ wurde die Verletzung der Veröffentlichungsdeadline 1. September als nicht wettbewerbsverzerrend eingeschätzt.

Nach dem Vorentscheid gab es verschiedene neue Fassungen des Titels, womöglich auch, weil die Resonanz bei den internationalen Fans bisher sehr zurückhaltend war.

Weißrussland 2018: Alekseev – Forever (erste offizielle Fassung)

Weißrussland 2018: Alekseev – Forever (letzte (?) offizielle Fassung)

In der letzten Version ist „Forever“ eine dunkle Ballade, in der der Sänger seine Liebe der Person erklärt, die sein Leben perfekt macht. Diese Fassung ist musikalisch minimalistischer und am Anfang weniger elektronisch. Gleichzeitig steht Alekseevs Stimme stellenweise stärker im Fokus als zuvor.

Der Aufbau ist klassisch mit einer ruhigen, langen ersten Strophe, dem Refrain, einer kurzen zweiten Strophe, erneut dem Refrain, einer energiegeladenen instrumentalen Brücke und dem Finale. Das Ganze wird höchstpathetisch vorgetragen und über weite Strecken mit der Kopfstimme gesungen. Muss man mögen.

 

Die Präsentation

Ähnlich viele Wandlungen wie der Song scheint auch Alekseev selbst genommen zu haben. Trat er beim Vorentscheid noch als Technik-Freak mit imposanter Lichtershow auf, so hat er sich im ersten offiziellen Video mittlerweile zu einem Pseudo-Hipster gewandelt. Allerdings greift er dabei so daneben, wie es ein ukrainischer Weißrusse nur machen kann (oder ich bin mittlerweile von sämtlichen Hipstertrends so weit weg, wie man als alternder ESC-Blogger nur kommen kann). Das Ergebnis: Es passt aktuell gar nichts mehr zueinander: Die modernen Elemente des Songs nicht zum 70er Outfit und der Wischmop auf dem Kopf nicht zur Tragik bzw. dem Optimismus des Liedes.

Ende Dezember stand Alekseev mal wieder auf der The-Voice-Bühne. Ganz in schwarz. Ginge für den ESC auch. 

Fest steht, dass bei der jetzt getragenen Version der Liedes der Lichtanzug eingemottet werden kann. Ansonsten, ja, ansonsten… muss Alekseev sich selbst wirken lassen. Und das geht nur, wenn der Beitrag aus einem schlüssigen Guss ist. Und dabei ist Alekseev zwar der Verletzliche, aber eben doch eher der hübsche Millenial als der nachdenkliche Hipster.

Viel bewegen kann er sich zu der Nummer auch nicht. Bleiben also Tänzer (verrückte Idee: ein Ballet-Pärchen aus Frau und Mann, die die Handlung nachtanzen) und irgendwelche Props. Ich hoffe, dass er uns dabei mit der Idee aus dem Promo-Video verschont, sich auf offener Bühne eine Schreibfeder in die Handfläche zu rammen, als beginge er Handharakiri. Der Rest ist ihm freigestellt.

 

Was PRINZ-Blogger darüber denken

BennyBenny: Ohne eine Armee von Background-Sängern wird Alekseev stimmlich untergehen. Ansonsten ein durchschnittlicher Popsong von einem durchschnittlichen Typen gesungen – das wird knapp.

Douze Points: Wie man einem Künstler mit solchem (auch visuellen) Potenzial so eine Schrottnummer verpassen kann, ist mir rein Rätsel. Da wäre so viel mehr möglich gewesen. So muss Alekseev um seinen Einzug ins Finale bangen.

Jan: Irgendwie mag ich das. Singen kann der gute Mann ja gar nicht, aber er ist dabei recht niedlich, das ist doch schon mal was. Aber auch er wird seine Schwierigkeiten in einem starken Umfeld bekommen…

Tjabe: Schwach, schwächer, Weißrussland. Alekseev hat es schon nötig, dass ihm sein Präsident Lukaschenko Rückendeckung gibt. Ein lahmer, langweiliger Song, der nur davon lebt, dass der Künstler erleuchtet wird. Nach dem schönen Lied 2017 kehrt das Land zu alter Tristesse zurück. 

Jeder ESC-Titel wird im Songcheck von allen PRINZ-Bloggern nach ihrem persönlichen Gusto auf einer 11-stufigen Skala (12-10-8-7-6-5-4-3-2-1-0) bewertet, wobei 12 die höchste Wertung darstellt. Die Wertungen werden addiert. Unser persönliches subjektives Gesamtbild:

 

Die Prognose der PRINZ-Blogger

Hier geht es nicht um das persönliche Gefallen, sondern um eine Prognose. Weißrussland hat nach Einschätzung aller PRINZ-Blogger eine Qualifikationschance von 44 Prozent und landet damit auf Platz 12 in Semifinale 1Hier geht es zur Prognose der PRINZ-Blogger für das erste Semifinale.

 

 

Social Media

Alekseev zeigt sich gern auf den sozialen Kanälen. Im ehemals sowjetischen Einflussbereich ist das natürlich Vkontakte. Aber auch bei Facebook und Instagram gewährt er seinen Followern einige Einblicke.

 

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Vorschau: Heute Nachmittag checkt BennyBenny, ob es der Armenier Sevak mit seiner getragenen Nummer besser macht als Alekseev. 

 

Bereits erschienen:

Semifinale 1
(1) Albanien: „Mall“ von Eugent Bushpepa
(2) Aserbaidschan: „X My Heart“ von Aisel
(3) Belgien: „A Matter Of Time“ von Sennek
(4) Bulgarien: „Bones“ von Equinox
(5) Estland: „La Forza“ von Elina Nechayeva
(6) Island: „Our Choice“ von Ari Ólafsson
(7) Israel: „Toy“ von Netta Barzilai
(8) Litauen: „When we’re old“ von Ieva Zasimauskaitė
(9) Tschechien: „Lie to Me“ von Mikolas Josef