ESC-Songcheck (11): „Qami“ von Sevak Khanagyan

Armenien zählt zu den Ländern, die es fast immer ins ESC-Finale schaffen„Qami“ von Sevak Khanagyan gehört in diesem Jahr aber nicht unbedingt zu den Favoriten und muss im knallharten ersten Halbfinale ran. Wir nehmen Song und Künstler genauer unter die Lupe und schätzen ein, ob es für Armenien doch noch für einen Platz im Finale von Lissabon reichen könnte.

 

Der Interpret

Sevak Khanagyan wurde in Armenien geboren, seine Familie zog aber nach Russland, als er noch ein Teenager war. Dort studierte er auch bis 2014 Musik und nahm schließlich 2015 an „The Voice of Russia“ teil. Danach blieb Sevak den Castingshows weiter treu, gewann 2016 „X-Factor“ in der Ukraine und war 2017 Coach bei der armenischen Version von „The Voice“.

2018 nahm Sevak zum ersten Mal an der armenischen Vorentscheidung „Depi Evratesil“ teil und konnte den Wettbewerb mit „Qami“ gleich für sich entscheiden. Unseren Live-Blog der Show könnt ihr hier nachlesen.

 

Der Song

Das Charakteristische am diesjährigen armenischen Beitrag ist seine Dynamik und sein Spannungsbogen. „Qami“ bedeutet „Wind“ und die Entwicklung dieses Windes wird musikalisch nachgezeichnet. Der Song beginnt zunächst sehr ruhig, als laues Sommerlüftchen, wird dann zu einem Wind, um sich am Ende zu einem ausgewachsenen Sturm zu entwickeln. Auf der einen Seite ist dieser Spannungsaufbau fesselnd und lässt keine Langeweile aufkommen, auf der anderen Seite erinnert der gesamte Aufbau doch sehr an Aram MP3s (immer noch einer der besten Namen der ESC-Geschichte) „Not Alone“, den armenischen Beitrag 2014.

„Qami“ beginnt in der ersten Strophe zunächst als Klavierballade, bis im ersten Refrain schließlich auch die Gitarre einsetzt. In der zweiten Strophe schließlich kommen dann auch Synthesizer dazu. Diese Begleitung steigert sich dann bis nach dem zweiten Refrain kontinuierlich und endet schließlich in einem trip-hoppigen Beat mit E-Gitarren-Dominanz. Das dürfte für die Zuschauer nicht nur eine überraschende Entwicklung sein, sondern ist noch dazu ein Alleinstellungsmerkmal, da es einen ähnlichen Song im ersten Halbfinale nicht im Angebot gibt.

Erwähnt werden sollte an dieser Stelle natürlich noch der große Pluspunkt, dass Sevak sich entschieden hat, „Qami“ in Lissabon auf Armenisch vorzutragen. Auch das wird am Ende vermutlich kein Nachteil für ihn sein, sondern hebt den Song eher vom Rest des Feldes ab. Und das Gute ist, dass durch die oben beschriebene Dynamik der grobe Sinn des Textes – Sevak singt über die Verzweiflung, wenn man etwas im Leben verloren hat – auch ohne Übersetzung deutlich wird.

Armenien 2018: Sevak Khanagyan – Qami

 

Die Präsentation

Den Auftritt von Armenien sehe ich relativ deutlich vor mir und Sevak trägt auf jeden Fall nicht seine seltsame Batman-Rüstung aus dem armenischen Finale. Dass das Kostüm aber am Ende trotzdem schwarz sein wird, nehme ich als relativ gegeben hin, denn erstens trägt Sevak generell fest nur schwarz und zweitens geht es in dem Song ja auch um jemanden, der einen Verlust erlitten hat, also Trauer trägt. Auch bin ich mir ziemlich sicher, dass Sevak alleine auf der Bühne stehen wird.

Eine äußerst wichtige Funktion kommt bei „Qami“ der Beleuchtung zu. Die Authentizität des Songs steht und fällt damit, dass der Spannungsbogen durch das Licht unterstützt wird, indem die Bühne zunächst sehr angenehm und gleichmäßig ausgeleuchtet wird, bevor später der Sturm und die Unruhe transportiert werden sollte. Dann sollte eine gute Platzierung im Mittelfeld problemlos möglich sein.

 

Was PRINZ-Blogger darüber denken

BennyBenny: Für mich ein stimmiges ESC-Gesamtpaket und ein Song mit einer aufregenden Steigerung. Außerdem berührt mich das Lied, auch wenn ich den Text ohne Übersetzungsprogramm nicht verstehe.

DJ Ohrmeister: Hurra! Kein Schwedenplastik und keine kaukasische Soundmatsche à la Artsvik, sondern pures Anschmachten in Muttersprache. So wird der Wind über den armenischen Bergen ihn auch verstehen und ihm die gewünschten Flügel geben. Und der Rest Europas wird mitfliegen.

Matthias: An sich ist „Qami“ ein ganz nettes Lied, aber der moderne Sound, den man in der letzten Minute unterlegen zu müssen glaubte, passt nicht recht, das hätte man sich sparen sollen. Und Sevak lässt dieses peinliche Kunststoff-Waschbrettbauch-Imitat, das er beim Vorentscheid trug, hoffentlich in Yerevan.

Peter: Pluspunkte für die großartige Stimme und den Vortrag in Landesstimme. Wie so vieles andere habe ich mir „Qami“ inzwischen schöngehört, aber erinnere mich, dass ich den Titel beim ersten dreißig, vierzig Mal Hören langweilig fand. Bin gespannt, wie Sevak face to face rüberkommt und würde mich freuen, wenn Armenien mit diesem Stück die Finalqualifikation schafft.

Jeder ESC-Titel wird im Songcheck von allen PRINZ-Bloggern nach ihrem persönlichen Gusto auf einer 11-stufigen Skala (12-10-8-7-6-5-4-3-2-1-0) bewertet, wobei 12 die höchste Wertung darstellt. Die Wertungen werden addiert. Unser persönliches subjektives Gesamtbild:

Die Prognose der PRINZ-Blogger

Hier geht es nicht um das persönliche Gefallen, sondern um eine Prognose. Armenien hat nach Einschätzung aller PRINZ-Blogger eine Qualifikationschance von 62 Prozent und landet damit auf Platz 9 in Semifinale 1. Hier geht es zur Prognose der PRINZ-Blogger für das erste Semifinale.

 

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Vorschau: Morgen stellt Jan an dieser Stelle den finnischen „Monster“-Hit von Saara Aalto vor.

 

Bereits erschienen:

Semifinale 1
(1) Albanien: „Mall“ von Eugent Bushpepa
(2) Aserbaidschan: „X My Heart“ von Aisel
(3) Belgien: „A Matter Of Time“ von Sennek
(4) Bulgarien: „Bones“ von Equinox
(5) Estland: „La Forza“ von Elina Nechayeva
(6) Island: „Our Choice“ von Ari Ólafsson
(7) Israel: „Toy“ von Netta Barzilai
(8) Litauen: „When we’re old“ von Ieva Zasimauskaitė
(9) Tschechien: „Lie to Me“ von Mikolas Josef
(10) Weißrussland: „Forever“ von Alekseev