ESC-Songcheck (12): „Monsters“ von Saara Aalto

Favoritin auf einen Sieg in Lissabon oder möglicher Fan Favourite Fail des Jahres 2018? Beim finnischen Song gehen die Meinungen in diesem Jahr weit auseinander. Und ausbaden muss diese Ungewissheit der Superstar der heimischen Popszene, Saara Aalto. Hier der Songcheck für das Land im hohen Norden, das nur ein einziges Mal in der ESC-Historie so richtig abräumen konnte – ebenfalls mit Monstern in Form der Gruppe Lordi.

 

Die Interpretin

Für Saara Aalto, Sängerin des Jahres 2017 in Finnland, hat das finnische TV die Vorentscheidung in diesem Jahr kurzerhand abgeschafft und sie einfach direkt nominiert. Eine kleine Vorentscheidung mit drei Songs in einer abendfüllenden Show gab es dann doch noch, so ganz wollte man die Zuschauer denn doch nicht ausschließen.

Bereits als Kind nahm Saara an Wettbewerben teil und hat später auch in Helsinki Musik und Gesang studiert. Karrieremäßig ist sie das, was man „die ewige unglückliche Zweite“ nennen würde. Egal, an welchem TV-Wettbewerb sie auch teilnahm – herausgesprungen ist immer Platz zwei. So war das bei „The Voice of Finland“, bei zwei Teilnahmen in der finnischen ESC-Vorentscheidung sowie bei X-Factor in Großbritannien. Insbesondere diese durchaus erfolgreiche Teilnahme einer Finnin bei einer Castingshow im Mutterland der Popmusik machte Saara in ihrer Heimat unerhört populär – dort legte sie den Grundstein für ihre jetzige ESC-Teilnahme.

Inzwischen lebt und arbeitet die 30-jährige auch dauerhaft in London. Ihren nächsten Geburtstag verbringt sie vermutlich probenderweise in Lissabon – am 2. Mai wird Saara 31 Jahre alt.

 

Der Song

„Monsters“ ist ein ausgesprochen melodischer Dance-Pop-Song mit einem relativ klassischen Aufbau. Strophen und Refrain können gut unterschieden werden, die Strophen sind zum Ende hin sehr dynamisch aufgebaut und lassen hoffen, dass der Refrain dann geradezu explodiert. Heraus kommt dann aber eigentlich nur eine mittelgroße Verpuffung.

Zwar hat der Refrain Ohrwurmpotenzial, aber das Arrangement wirkt irgendwie zurückgenommen. Da haben die Komponisten wirklich eine Chance verpasst, der ganze Song könnte ein wenig mehr „Wumms“ durchaus noch vertragen. Apropos – verfasst haben „Monsters“ Saara selbst, die Schwedinnen Joy und Linnea Deb (ESC-Siegerinnen 2015) sowie der Brite Ki Fitzgerald. Letzterer übrigens der Sohn von Scott „ich habe einen Punkt weniger als Céline“ Fitzgerald, der beim ESC 1988 in Dublin für Großbritannien antrat und der Welt ein Herzschlagfinale bescherte. Thematisch geht es in dem Song um die täglichen (und nächtlichen) Ängste, die einen immer wieder umschwirren und denen man sich besser stellen und sie bekämpfen sollte

Die Vorschusslorbeeren, die Saara von Fans und Buchmachern nach ihrer Nominierung erhalten hatte und sie an die Spitze aller Vorhersagen katapultierte, konnten mit dem Song leider nicht ganz unterfüttert werden. Mittlerweile findet sie sich im Niemandsland der Prognosen wieder. Eine Top-Platzierung oder gar ein Sieg scheinen in weite Ferne gerückt zu sein.

Finnland 2018: Saara Aalto – Monsters

 

Die Präsentation

Wo der Song an sich nichts mehr ausrichten kann, muss es eben die Performance richten. Diesen Gedanken hat das finnische Team dann auch bereits bei der Vorentscheidung gnadenlos in die Tat umgesetzt. Ganz getreu dem Motto „Viel bringt viel“ wurde wirklich alles aufgeboten, was man sich für einen solchen Song so vorstellen kann: ein Käfig, eine Kutte, dick aufgetragene Schminke, Blumenblüten, dunkel gekleidetes menschliches Federvieh, Kleidertricks, Hebefiguren und vieles mehr. Offenbar wurde jede Idee, die im vorherigen Brainstorming auf den Tisch geworfen wurde, auch umgesetzt.

Allerdings stellt der Song aufgrund der teilweise großen Range auch eine ziemliche Herausforderung für Saara dar. So ganz sicher wirkte das in Espoo nicht und das ist ja auch kein Wunder, wenn man sich auf alles mögliche konzentrieren und dann noch singen soll – da klingt das dann schon etwas schrill bisweilen.

Deshalb, liebe Finninnen: lieber viel mit Licht arbeiten als die Interpretin über die Bühne zu hetzen und mit Nebentätigkeiten zu beschweren. Von dunkel zu hell und wieder zurück und wieder von vorn. Saara muss man möglichst in Ruhe ihren Song singen lassen – warum nicht die ganze Zeit im Käfig? Oder alternativ in einem Bett, schließlich geht es im Song auch um die Kreaturen der Nacht! Wäre mal etwas Neues auf der ESC-Bühne und wenn man schon ein Schauspiel aufführen möchte, dann bitte auch richtig!

Und dann sollen die Tänzerinnen und Tänzer mal schön für Dynamik auf der Bühne sorgen. Und wie wir bereits vernommen haben, wird die Performance aus der Vorentscheidung nicht die sein, die wir in Lissabon zu sehen bekommen. Vielleicht ist für Saara also doch noch nicht alles verloren!

 

Was PRINZ-Blogger darüber denken

Douze Points: Moderner Popsong mit allen heute gängigen Zutaten. Trotzdem fehlt dem Gesamtpaket ein Quäntchen zum richtigen Hit. Dazu kommen die Schwächen bei der Umsetzung auf der Bühne. Bleibt zu hoffen, dass Saara da bis Lissabon noch einiges rausholen kann.

Peter: Here you go. Let’s goooooo Finnland. Das ist mein „Verona“ 2018. Juicy, funny, funky, catchy. Easy Listening Radiopop so wie ich ihn mag – und tausend andere auch im Euroclub, mag ich prognostizieren. „Tonight I’m making friends with all the creatures that are hiding there under my bed.“ Da muss man erstmal drauf kommen. 100% Spaß! I like like like.

Salman: Meine Erwartungen an Saara Aalto waren sehr hoch. Deshalb bin ich insgesamt etwas enttäuscht. Es ist zwar ein guter Dance-Song und wird auch oft im Euroclub gespielt werden, aber leider ist es nicht der von mir erwartete absolute Knaller.

Tjabe: Meine finnische Kollegin war sehr enttäuscht von der Umsetzung von „Monsters“, aber aufgrund massiver Kritik hat sich das Team um Saara Aalto schon hingesetzt und wird die gesamte Präsentation revampen. Hoffentlich ist es noch nicht zu spät. Von der Stimme und der Machart des Songs her ist Finnland wieder ein Kandidat für das Hängenbleiben im Halbfinale. Ich hoffe, die Finnen unterlassen es, sie in Weißblau (wie bei Laura Voutilainen 2002 und Geir Rönning 2005) auftreten zu lassen. Nationalfarben tragen nicht unbedingt zu erhöhtem Punktesammeln bei.

Jeder ESC-Titel wird im Songcheck von allen PRINZ-Bloggern nach ihrem persönlichen Gusto auf einer 11-stufigen Skala (12-10-8-7-6-5-4-3-2-1-0) bewertet, wobei 12 die höchste Wertung darstellt. Die Wertungen werden addiert. Unser persönliches subjektives Gesamtbild:

Die gelbe Markierung zeigt an, dass dieser Beitrag der Favorit des Bloggers unter allen Beiträgen ist.

 

Die Prognose der PRINZ-Blogger

Hier geht es nicht um das persönliche Gefallen, sondern um eine Prognose. Finnland hat nach Einschätzung aller PRINZ-Blogger eine Qualifikationschance von 60 Prozent und landet damit auf Platz 10 in Semifinale 1. Hier geht es zur Prognose der PRINZ-Blogger für das erste Semifinale.

 

Social Media

Wer von Saara nicht genug bekommen kann, dem seien ihre sozialen Kanäle ans Herz gelegt, nämlich Facebook, Twitter und Instagram. Und auch bei youtube ist sie mit einem eigenen Angebot zu finden.

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Vorschau: Morgen früh geht es in den Süden Europas, wenn sich DJ Ohrmeister dem „traumhaften“ Song aus Griechenland widmet.

 

Bereits erschienen:

Semifinale 1
(1) Albanien: „Mall“ von Eugent Bushpepa
(2) Aserbaidschan: „X My Heart“ von Aisel
(3) Belgien: „A Matter Of Time“ von Sennek
(4) Bulgarien: „Bones“ von Equinox
(5) Estland: „La Forza“ von Elina Nechayeva
(6) Island: „Our Choice“ von Ari Ólafsson
(7) Israel: „Toy“ von Netta Barzilai
(8) Litauen: „When we’re old“ von Ieva Zasimauskaitė
(9) Tschechien: „Lie to Me“ von Mikolas Josef
(10) Weißrussland: „Forever“ von Alekseev
(11) Armenien: Qami von Sevak Khanagyan