ESC-Songcheck (15): „Sound of our hearts“ von Compact Disco

Ungarn stellte letztes Jahr mit Kati Wolf die gestürzte Fan-Favoritin (nur Platz 22) im Eurovision Song Contest. In diesem Jahr entsendet Magyar Televízió mit Compact Disco eine versierte Band, die im Elektronik-Pop zu Hause ist und für eine Überraschung in Baku sorgen könnte.

Csaba Walkó ist kein Castingstar, dennoch hat der charismatische Sänger seiner Teilnahme am ungarischen Idols-Ableger Megasztár 2005 den entscheidenden Karriereschritt zu verdanken. In der dritten Staffel, die von Magdolna „Magdi“ Rusza gewonnen wurde (die Ungarn beim ESC 2007 in Helsinki formidabel vertrat) kam der dunkelhaarige Beau mit dem starken Bartwuchs zwar nicht in die Finalrunde, aber er erregte mit seinen Auftritten Aufmerksamkeit. Dort sah ihn Benham Lotfi, eine Hälfte des Techno-Produzententeams Collins und Benham, die auf der Suche nach einem Sänger waren, um ein Cover von Seals „Killer“ aufzunehmen.

Walkó (damals noch im Monchichi-Look, siehe Bild) sang zu dieser Zeit in der Funkpopband Brownfield und brachte seinen Bandbuddy und Keyboarder Gábor Pál mit. Es sollten aber noch drei weitere Jahre vergehen, bis das Projekt Compact Disco das Licht der Welt erblickte.

Denn erst im Sommer 2008 hatte Lotfi die Idee für eine Band mit der Ausrichtung Elektro-Pop. Die drei Musiker schrieben fleißig Songs, überzeugten das Independent Label CLS Music von dem Projekt und im Dezember 2009 wurde das das erste Album der Gruppe „Stereoid“ veröffentlicht. Gleich die erste Single „I’m in love“ stieg hoch in die ungarischen Dance Charts ein und Compact Disco erhielten auf Anhieb eine Nominierung für die Fonogram Awards 2010 in der Kategorie „Best Performance in Electronic Music.“ Im Laufe der Zeit errangen diverse Remixes des Titels auch Chartserfolge in der Schweiz und in Großbritannien.

Im gleichen Jahr absolvierten Compact Disco viele Liveauftritte auf Sommerfestivals und wurden von der ungarischen Bravo als „Beste neue Künstler“ für einen Otto Award nominiert. Geadelt wurden sie zudem, als der Musiksender MTV (nicht zu verwechseln mit dem staatlichen TV-Sender Magyar Televízió, der das gleiche Kürzel verwendet) sie einlud, den Topstar Ákos zu covern. Für dieses Projekt wurde Bassist Attila Sándor, ebenfalls von Walkós früherer Band Brownflied, als Verstärkung engagiert, der schließlich zu Jahresende das vierte Mitglied der Band wurde. Für renommierte ungarische Künstler wie Ákos und die Folkpop-Band Holdviola schrieben Compact Disco zudem erfolgreiche Remixes.

Ausnahmlos bärtig, die Jungs von Compact Disco (v.l.): Gábor Pál, Benham Lotfi, Csaba Walkó und Attila Sándor.

Kurz vor der Veröffentlichung ihres zweiten Albums „II“ gewannen Compact Disco den Fonogramm Award als „Best Performance in Electronic Music“ und wurden in zwei weiteren Kategorien („Best New Artist“, „Best Song“) nominiert. Ein Jahr später folgte dann die Teilnahme an der ungarischen ESC-Vorentscheidung „A Dal„.

In einer wenig herausragenden – allerdings auch nicht wie etwa in Moldawien oder Georgien ausgesprochen furchtbaren – Vorentscheidung siegten Compact Disco am Ende zurecht (Link zum Liveblog). Ihr ESC-Stück „Sound of our hearts“ ist ein solides und balladesk-sphärisches Stück Elektro-Pop, das insbesondere nach mehrmaligen Hören einen Sog entwickelt, jedoch relativ vorhersehbar rüberkommt.

Ungarn 2012: Compact Disco – Sound of our hearts (Live Fassung A Dal)

Ungarn 2012: Compact Disco – Sound of our hearts (Preview Video Clip)

Damit der wohlgemerkt nicht vom ungarischen TV-Publikum, sondern letztendlich von einer vierköpfigen Jury (die entscheidende Stimme kam von der Vorjahresinterpretin Kati Wolf) ausgewählte Beitrag breitere Akzeptanz findet, haben sich Compact Disco etwas besonderes einfallen lassen: Sie luden erfolgreiche Discjockeys und renommierte Musiker zu einer Kooperation ein.

Daraus entstanden gleich ACHT in Stil und Anmutung völlig unterschiedliche Remixes von „Sound of our hearts“, namentlich das Midnight Run Remix, Analog Cuvée Remix, Karmatronic Radio Remix, Lauer and Canard feat. Greg Note Remix, Julia Carpenter Remix, Dave Martin Remix, Monoscope Remix, und ein Stereo Palma Remix. (Anmerkung der Redaktion: Wer denkt sich solche DJ-Namen aus? Warum nicht auch noch ein Africa Paprika Party Remix, Casual Drive Removal Champagner Remix oder Danube High Fly Moonlight Remix?)

Alle Remixes können hier angehört werden.

Die Vollblutmusiker von Compact Disco können aber auch ganz anders: 2011 zum 200. Todestag des Komponisten Franz Liszt nahmen sie an einem von Red Bull gesponserten Künstlerprojekt teil und interpretierten Liszts ungarische Rhapsodie Nummer 2 in ihrem eigenen Stil. Zudem verpassten sie ihrem Hit „Without you“ einen neuen klassischen Rahmen:

Compact Disco – Without you (Red Bull Liszt Remix)

Bei den Wettanbietern rangiert der ungarische ESC-Beitrag, der eine relativ ungünstige Auslosung erwischt hat (Nummer 15 im ersten Semifinale, direkt nach den russischen Omis und vor der österreichischen Treckerrockern) bislang unter ferner liefen. Auch die PRINZ Blogger trauen den vier Jungs die Finalqualifikation mehrheitlich nicht zu. Voreilig sollte man die live-erfahrenen Magyaren aber keinesfalls abschreiben.

Link zur Facebook-Seite von Compact Disco
Link zur Website von Compact Disco

Das PRINZ-Blog-Urteil

Songqualität: 6/10
Interpretation: 8/10
Chancen auf Finaleinzug: 35 Prozent, Platz 14 (gemeinsam mit der Schweiz) nach Ansicht der Blogger im ersten Semifinale.