ESC-Songcheck (16): „Woki mit deim Popo“ von Trackshittaz

Sie machen ordentlich Krach, singen in Mundart über einen Körperteil, über den man sonst eher schweigt und haben einen Namen, der vor allem die BBC-Kommentatoren zu debilem Kichern verleiten dürfte. Die Hip-Hopper von Trackshittaz (im Bild mit gutgeöltem Treckerbedienpersonal) wollen für Österreich beim Eurovision Song Contest in Baku auf die Pauke hauen. 

Woki mit deim Popo (Wackel mit Deinem Hintern) heißt das Hip-Hop-Stück von Lukas Plöchl (23) und Manuel Hoffelner (20), die seit 2010 als Trackshittaz Österreichs Musikszene überrollen. Bereits in der letztjährigen Vorentscheidung des ORF sorgten sie für Furore, als sie mit einem Trecker auf die Bühne fuhren und mit Oida Taunz nur Nadine Beiler unterlegen waren. Oida Taunz stürmte an die Spitze der Charts und brachte den beiden Ösis eine goldene Schallplatte ein. Auch das zugehörige Album Oidaah pumpn muas’s wurde Nummer 1 und erreichte gar Platinstatus.

Ihre Musik besteht aus einfachen Raps im Mundart und basiert auf elektronischen Beats mit Einflüssen aus Rock und Electro, Techno und Dirty South. Vergleiche mit den Atzen sind da vorprogrammiert. Gerne wird dieses Genre als Traktorgangsta-Partyrap bezeichnet. Lukas (Künstlername G-Neila) und Manuel (Künstlername Manix) sind aber weder Bauernburschen noch kriminell. Die beiden Youngster kommen aus dem Mühlviertel in Oberösterreich und kennen sich seit jüngster Kindheit aus dem Fußballclub. Plöchl, dessen Vater aus China stammt und die österreichische Tischtennisauswahl trainiert, hat die Handelsschule absolviert und begann sogar ein BWL-Studium.

Der musikalische Durchbruch gelang Ende 2010 mit der ORF-Castingshow „Helden von morgen„. Schon nach Plöchls ersten Auftritt nahm Sony Music ihn und seinen Mitstreiter unter Vertrag. Plöchl kam bis ins Finale, wo er Cornelia Mooswalder unterlag. Mittlerweile haben die beiden Rapper drei Nummer 1 Hits zu Buche stehen und soeben das vierte Album Zruck zu de Ruabm veröffentlicht.

Trotzdem galten Trackshittaz nicht als Favoriten im österreichischen Vorentscheid. Diese Rolle war seit Bekanntgabe der Finalisten für die ebenfalls castingerprobte Conchita Wurst – das bärtige Transen-Alter ego von Tom Neuwirth – vorgesehen. In einem spannenden Final mit einer spektakulären Lichtshow sicherten sich Trackshittaz per Televoting dann knapp das Ticket für Baku (zum Liveblog Woki-Popos schlagen Bart-Transe).

Österreich 2012: Trackshittaz – Woki mit Deim Popo (Live)

Kurz nach der Prämierung entbrannte auch schon ein Streit, ob der Text des Popowackelsongs nicht ausgesprochen frauenfeindlich sei. Textprobe gefällig?

Geht scho Woki mit deim Popo, Woki mit deim (ooh ooh)
Woki mit deim Popo, yeah yeah, so gfoit ma des
Geht scho Woki mit deim Popo, Woki mit deim (ooh ooh)
Woki mit deim Popo, wei wos i wü bist du.

Und i geh nei in Club, de Ladies hom an Feinen Schmuck
Oba er is duat duat, wo man ned glei vamut
I schau nur sie au, sie taunzt auf da Strip Staung
Bin am start oida zig Fraun bei mir brennt nix au.

Nudlsuppn Gang wos geht und olle schrein, ho ho
Und de Weiba san am taunzn, sie gengan nur low low
Sie wicklt mi uman Finger, sie wü an winner winner
Und dann kanns Springa Springa, Bootyshake, schlimma finger.

Dei Popo hot gefühle, dei Popo is a teil von dia
Setz erm ned auf de Stühle, dei Popo hot a meinung yeah
Dei Popo wü bewegung, drum Woki Woki Woki
Dei Popo wü begegnung, geht scho gib erm wos a braucht

In der ORF-Sendung „Club 2“ diskutierte eine illustre Runde zur besten Sendezeit eine Stunde lang über den Popo-Song. Lukas Plöchl verteidigte sich dabei gar nicht ungeschickt gegen die Sexismus-Vorwürfe einer Studentin, die das Lied derart interpretierte, dass „die Frauen sexuell zur Verfügung zu stehen haben und weder Text noch Performance suggerieren, dass die Frau ein Wörtchen mitzureden hat”. Auf die naheliegende Idee, dass sich die Textzeile „Dei Popo hot GefühleDei Popo wü begegnung, geht scho gib erm wos a braucht“ eventuell gar nicht an die weibliche Zielgruppe richtet, kamen die Experten indes nicht.

Hier ein Ausschnitt aus der Diskussionsrunde:

Ausschnitt „Popowackeln beim Song Contest – Provokation oder harmloser Partyspass“ in Club 2 (ORF)

Weitere Teile der Diskussion finden sich hier, hier, hier und hier.

Etwas überraschend ist das offizielle Video – als einziger Beitrag der 42 ESC-Teilnehmer – bei Youtube nicht frei zugänglich. Es sei „möglicherweise für manche Nutzer unangemessen“ und wird erst nach einer Alterskontrolle – für Besitzer eines Youtube- oder Googlekontos freigegeben. Daran, dass Lukas wie im Siegertaumel nach der Vorentscheidung zwanglos reichlich nackte Bubenhaut zeigt, kann es indes nicht liegen.

Der spektakuläre Auftritt aus der Vorentscheidung mit den fluoreszierenden Wackelhintern kann in Baku so nicht wiederholt werden. Dazu hätte die Arena komplett abgedunkelt werden müssen, was die aserbaidschanischen Organisatoren abgelehnt haben. Trackshittaz wollen daher ihre Choreographie überarbeiten und haben viele  Überraschungen angekündig, diese aber noch nicht weiter ausgeführt.

Man darf gespannt sein. Österreich hat eine gute Startnummer erwischt (16 im ersten Semifinale), könnte aber überschattet werden von den direkt nachfolgenden Beiträgen, die zwar nicht rappen, aber ähnlich grell und effekthascherisch daherkommen (Moldawien, Irland). Da wird es entscheidend auf die besten Ideen für die Präsentation ankommen.

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Link zur Website von Trackshittaz

PRINZ-Blog-Urteil

Songqualität: 5/10
Interpretation: 9/10
Chancen auf Finaleinzug: 63 Prozent – Platz 8 (gemeinsam mit Moldawien) nach Ansicht der Blogger im ersten Halbfinale