ESC-Songcheck (18): „Stones“ von ZiBBZ

Mit großem Abstand in den Vorab-Online-Votings und deutlichem Vorsprung beim VE-Televoting waren ZiBBZ die eindeutigen Favoriten bei der diesjährigen „Entscheidungsshow“ des Schweizer Fernsehens. Auch musikalisch klingt es diesmal anders als die Songs der Eidgenossen der letzten Jahre. Bringt das auch beim internationalen ESC den lang ersehnten Durchbruch?

 

Die Interpreten

Das Geschwister-Duo ZiBBZ – abgeleitet vom englischen Wort „siblings“ – ist in der Heimat eine erfolgreiche Marke: Corinne ‚Co‘ und Stefan ‚Stee‘ Gfeller haben nicht nur schon zwei eigene Top-20-Alben in den Charts gehabt, sondern arbeiten zusätzlich noch als Studiomusiker für höchst erfolgreiche Kollegen (z.B. den Mundart-Rocker Gölä) und schreiben auch für andere. Ein Teil ihrer 10jährigen Bandgeschichte ist sogar mit einer wöchentlichen TV-Reality-Show begleitet worden. Ausführlich vorgestellt hatten wir die beiden bereits im Songcheck vor dem Schweizer Vorentscheid.

Sie pendeln seit bald sieben Jahren zwischen Kalifornien und der Schweiz und hatten schon immer wieder mal daran gedacht, einen Song für den ESC-Vorentscheid einzureichen. 2018 hat es nun dank eines passenden Songs geklappt.

 

Der Song

Nach „Bones“ vor einigen Tagen darf ich jetzt also auch was zu „Stones“ schreiben.

Ungewöhnlich pop-rockige Töne in diesem Jahr, nachdem die Schweizer sich zuletzt auf eher schlagerhafte-balladeske Werke verlassen haben, die aber regelmäßig in den Semis hängenblieben. Zuletzt 2012 hatte man mit „Unbreakable“ von Sinplus etwas Flotteres am Start.


Das durchaus sozialkritische „Stones“ handelt von Mobbing oder Bullying in der Social-Media-Ära. Geschrieben haben es die beiden mit der Kanadierin Laurell Barker, die es offenbar so richtig wissen wollte dieses Jahr und auch an „All the feels“ (aus der Schweden-VE 2018) sowie „Legends“ (UK-VE 2018) beteiligt war.

Der Indie-Pop-Beitrag hat zwar ein eher gemächliches Tempo, dafür aber einen sehr markanten Beat und eine extrem catchy Melodie. Wer da nicht mitwippt, -klatscht, -singt…! Und das Revamp, das man seit dem Vorentscheid veröffentlicht hat, ist noch definierter und aufs erste Hören sicherlich was zum… Aufhorchen. Ich hatte mich zwar bereits ziemlich sattgehört an „Stones“ (siehe mein Kurzstatement und die Punktzahl weiter unten), bin aber in den letzten Tagen doch wieder etwas angefixt. Und wieder zuversichtlicher, als es unsere Blogger-Gesamtprognose (siehe noch weiter unten) widerspiegelt.

Schweiz 2018: ZiBBZ – Stones

 

Die Präsentation

Bei der Vorentscheidung in Zürich hatte man die beiden noch etwas brav in eine Kulisse von zwei Neon-Pyramiden gestellt, die rot und blau changierten, dazu eine dunkle Rückwand mit grauen symmetrischen Formen. Das wirkte ziemlich aufgeräumt und irgendwie nicht gar so rotzig, wie der Titel eigentlich sein will. Zugegeben, es war dort ja auch noch die etwas poppigere Originalversion. Im PRINZ-Blog-Interview letzte Woche verrieten sie aber schon, dass die Pyramiden nicht den Weg nach Portugal finden werden. Das vollständige Gespräch gibt es demnächst hier auf dem Blog zu lesen.

Geschwisterzuwachs bei den ZiBBZ? Kollege Matthias traf die beiden bei der LEP zum Interview

Der Musikclip hingegen spielt in eine abgedunkelten Industriebrache mit dürftigem, kaltem Neonlicht, dazu lauter eher furchteinflößende vermummte Gestalten, die Krawall machen und sinnbildlich Steine – also Drohungen, Beschimpfungen, Verletzungen – werfen, am Ende dann aber ihr Gesicht zeigen und die aggressive Stimmung auflösen.

Diesen Plot auf die Bühne zu bringen wäre natürlich eine gute Möglichkeit, die Message des Songs auch ohne Videowall zu vermitteln – nur, wie macht man das ohne die beängstigende Masse an Leuten? Bei nur 3-4 Akteuren kann das schnell in merkwürdiges Schülertheater kippen.

In jedem Fall wird die dunkle, neblige, undurchsichtige Atmosphäre dem (für ESC-Verhältnisse!) rotzigen Sound viel eher gerecht als die Formenlehre aus Zürich. Daher würde ich in jedem Fall schauen, das man diesen Wechsel von Anonymität, Unterdrückung und Angst hin zu Vertrauen, Erleichterung und Gemeinsamkeit auch stimmungsmäßig umsetzt. Und den dreckigen Part ruhig etwas ausreizen, der Beat und die Message brauchen das. Auch wenn es den einen oder anderen etwas verschrecken sollte. Der (textlich wie musikalisch) positive Chorus holt einen am Ende doch wieder ab!

 

Was PRINZ-Blogger darüber denken

DJ Ohrmeister: Ja, im Februar war ich noch begeistert davon, dass die Schweiz sich mal wieder ein bisschen was traut, inzwischen habe ich mich aber sattgehört. Ich erwarte, dass die Eidgenossen damit baden gehen könnten, trotz der Mühen, den Vorentscheid zu entstauben. Falls es so kommt, lasst Euch nicht entmutigen, macht weiter so!

Peter: Das Schwester/Bruder-Konzept ist sympathisch und mit einem anständigen gepimpten Staging vom Schweizer VE (darauf kann man aufbauen) könnte das knapp für’s Finale reichen, weil auch der Chorus sehr dynamisch rüberkommt. Allerdings ist der Song melodiös nicht so überzeugend, dass das drei Minuten tragen würde. Am Ende bleibt ein Schulterzucken – leider.

Salman: „Nein ich werfe keine Steine“…was ist denn das für ein bescheuerter Text? Ich finde den Song recht nervig. Da haben mir die Schweizer Beiträge der letzten 2 Jahre viel besser gefallen. Schade Schweiz, wieder kein Finale.

Tjabe: Musikalisch ist der Song nicht so meins, aber sicherlich besser als die drei Lieder der letzten Jahre. ZIBBZ können wenigstens singen und machen Stimmung. Aber dem Titel fehlt das gewisse Etwas, dass ein Schweizer Lied braucht, um ins Finale zu kommen.

Jeder ESC-Titel wird im Songcheck von allen PRINZ-Bloggern nach ihrem persönlichen Gusto auf einer 11-stufigen Skala (12-10-8-7-6-5-4-3-2-1-0) bewertet, wobei 12 die höchste Wertung darstellt. Die Wertungen werden addiert. Unser persönliches subjektives Gesamtbild:

 

Die Prognose der PRINZ-Blogger

Hier geht es nicht um das persönliche Gefallen, sondern um eine Prognose. Die Schweiz hat nach Einschätzung aller PRINZ-Blogger eine Qualifikationschance von 29 Prozent und landet damit auf Platz 17 in Semifinale 1. Hier geht es zur Prognose der PRINZ-Blogger für das erste Semifinale.

 

Social Media

Das Geschwister-Gespann hat eine eigene Website namens zibbz.com sowie einen Facebook-Account. Auch sonst sind ZiBBZ auf allen wichtigen Kanälen unterwegs: Instagram, Twitter und mit einem eigenen YouTube-Channel. Wer mehr von ihnen hören will, kann das außerdem auf Soundcloud hier tun.

 

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Vorschau: Morgen früh gibt’s den feurigen Obstsalat aus Zypern, abgeschmeckt und kommentiert vom Kollegen Peter.

 

Bereits erschienen:

Semifinale 1
(1) Albanien: „Mall“ von Eugent Bushpepa
(2) Aserbaidschan: „X My Heart“ von Aisel
(3) Belgien: „A Matter Of Time“ von Sennek
(4) Bulgarien: „Bones“ von Equinox
(5) Estland: „La Forza“ von Elina Nechayeva
(6) Island: „Our Choice“ von Ari Ólafsson
(7) Israel: „Toy“ von Netta Barzilai
(8) Litauen: „When we’re old“ von Ieva Zasimauskaitė
(9) Tschechien: „Lie to Me“ von Mikolas Josef
(10) Weißrussland: „Forever“ von Alekseev
(11) Armenien: Qami von Sevak Khanagyan
(12) Finnland: „Monsters“ von Saara Aalto
(13) Griechenland: „Oneiro Mou“ von Yianna Terzi
(14) Irland: „Together“ von Ryan O’Shaughnessy
(15) Kroatien: „Crazy“ von Franka
(16) Mazedonien: „Lost and found“ von Eye Cue
(17) Österreich: „Nobody but you“ von Cesár Sampson