ESC-Songcheck (18): „Waterline“ von Jedward


Da sind sie wieder – die aufgedrehten Hupfdohlen mit Hochfrisuren, Schulterpolstern und Wackelgesang. Nach einem 8. Platz in Düsseldorf, übrigens dem besten irischen ESC-Ergebnis seit dem Jahr 2000, setzt die grüne Insel ein weiteres Mal auf Jedward. Man muss sich jedoch fragen: ist man in Irland verzweifelt, gelangweilt oder doch genial?

Die Zwillinge haben in der letzten ESC-Saison und auch danach wie kein anderer Teilnehmer dafür gesorgt, dass über sie geredet, geschmunzelt und geschrieben wird. So gelang ihnen tatsächlich nach dem 14. Mai ein Hauch von Nachhaltigkeit. In Deutschland gab es haufenweise Fernsehauftritte, die BRAVO war ebenfalls ganz vernarrt in die beiden, so dass es im September sogar eine kleine Deutschlandtournee gab (die im Januar sogar noch eine Fortsetzung fand), bei der sich kreischende Kinder und alternde ESC-Fans gemeinsam vergnügten. Spaß muss sein!

Bei all dem „Spaß“ ist es dann ja auch gar nicht so schlimm, dass die beiden musikalisch eigentlich nichts drauf haben. Zwei Jungs, die eigentlich immer unisono singen und mit ihrer doch recht geringen stimmlichen Range die Finger von großen irischen Balladen lassen sollten. Tun sie auch, denn wie im letzten Jahr „Lipstick“ ist ihr diesjähriger Beitrag „Waterline“ eine Uptempo-Nummer.

Nun hat „Waterline“ aber ein Problem: es hat nicht den Witz, die Hektik und das Neue von „Lipstick“, nein vielmehr wirkt es wie ein hübscher, aber eigentlch schon gebrauchter Radio-Pop-Song. Dieser Eindruck verstärkt sich, wenn man sich den Auftritt der beiden bei der irischen Vorentscheidungsshow ansieht: Es wird gehüpft, gestampft, gerannt und hektisch gesungen – alles im letzten Jahr schon dagewesen und zwar witziger und besser, da damals noch neu.

Irland 2012: Jedward – Waterline

Anders als Lena, die sich bei ihrem zweiten ESC-Auftritt in Folge von einer ganz anderen Seite zeigte, wirken Jedward im Moment noch wie ein müder Abklatsch ihrer selbst. Ins Finale sollten sie rutschen, auch wegen der günstigen Startnummer (18) im Semi. Was dann kommt, ist ungewiss.

Aber vielleicht haben sie ja noch etwas ganz Besonders für Baku im Köcher, das der grünen Insel zum 8. ESC-Sieg verhilft. Ihre Aprilscherz-Tattoos, die sie sich neulich als erstgroße PR-Aktion der Saison „machen“ ließen, reichen da allerdings noch nicht. (Foto: www.rte.ie)

Hier gibt es Jedward auf Facebook, hier ist ihre offizielle Seite und hier unser Live-Blog über die irische Auswahlshow.

PRINZ-Blog-Urteil:

  • Songqualität: 4/10
  • Interpretation: 3/10
  • Chancen auf Finaleinzug: 88% (Platz 3 im 1. Semifinale nach Ansicht der Prinz-Blogger und eindeutig im Finale!)