ESC-Songcheck (19): „Fuego“ von Eleni Foureira

Kaum ein Titel wird in diesem Jahr kontroverser diskutiert. Als der Autor dieser Zeilen Eleni Foureiras Feuer-Eloge augenzwinkend die „Revitalisierung des ESC-Spirits“ nannte, hagelte es umfangreich ironische Spitzen. Nun, für Elenis Ethnopophit und vor allem für das begleitende Video (in der Südfrüchte-Version) könnte das Wort „camp“ erfunden worden sein. Und das ist absolut liebevoll gemeint. Aber hat der mitreißende „Guilty pleasure“-Trashschlager auch ESC-Finalpotential?

Die Interpretin

Eleni Foureira ist soooooo Eurovision, man fragt sich, warum sie 31 Jahre alt werden musste, ehe sie ihr erstes ESC-Ticket bekommen hat?! Sie sieht nicht jünger aus als sie ist und geboren wurde sie in Albanien, was erstens bemerkenswert ist, weil Albanien im ersten Semi abstimmt und zweitens, weil Eleni bis 2014 behauptete, brasilianische Wurzeln zu haben, bis die griechische Boulevardpresse aufdeckte, dass sie als Entela Fureraj in Albanien geboren wurde.

In Griechenland ist Eleni ein Superstar, zunächst als Mitglied der Girlieband „Mystique„, ab 2010 auch solo als Sängerin, Schauspielerin, Tänzerin und Fashion Designer. In der griechischen Unterhaltungsindustrie hat sie so ziemlich alles gemacht, was man so machen kann, zuletzt war sie Jurorin bei der heimischen Version von „Strictly come dancing“. Mit Ivi Adamou und Katy Garbi spielte sie zwei Jahre (2015/2016) in dem 80er Jahre Musical „Barbarella“, das hätte ich supergerne gesehen.

Griechenland darf übrigens im ersten Semi abstimmen.

Dies ist eines der schönsten Originalbilder aller Zeiten, die wir jemals auf dem Blog hatten. Es heißt Ivi Ivi Ivi und stammt vom Red Carpet in Baku und da Ivi zweimal in diesem Beitrag vorkommt und auch für Zypern gesungen hat und zwölf Punkte aus Schweden bekommen hat, gibt es ausreichend Gründe (Vorwände), es nochmal zu veröffentlichen.

Es war eine schlaue Entscheidung Zyperns, Eleni direkt zu nominieren. Neben den Zuwendungen aus Albanien und Griechenland dürfte sie auch größte Aufmerksamkeit aus Spanien bekommen, denn seit 2016 ist sie die Freundin des populären spanischen Fußballers Alberto Botia, hier zu sehen außerhalb seines Trikots von Olympiacos C.F.P., wo er derzeit spielt:

 

Der Song

„Feuer brennt nicht nur im Kamin“ – in der Tat, das ist mega-zutreffend. Um „Fuego“ vollumfängreich zu erfassen, reicht ein Blick auf das Œuvre des maßgeblich verantwortlichen schwedisch-griechischen Songwriters Alexander „Alex P“ Papaconstantinou, der an ungefähr vier Millionen Ethnopopfunk-Schlagern mitgewirkt hat, darunter die ESC-Floorfiller „Die for you“ (Antique), „La La Love“ (Ivi Adamou), „Yassou Maria“ (Sarbel) und das All-Time-Eurovision-Lieblingslied von Måns Z. „Always“ (Aysel and Arash). Außerdem hat Alex P die ultimativen Hymnen „The Game of Love“ und „Protereotita“ für Elena Paparizou geschrieben, allein für Letzteres sollte er den Grammy fürs Lebenswerk bekommen.

Optisch macht Alex P. auch noch Krach, aber das spielt hier bei uns auf dem Blog keine Rolle. Sein „Fuego“ ist im Prinzip ein Crossover aus den o.g. Meisterwerken, nur mit mehr nackter Haut und viel mehr (zu viel?) Schminke.

Zypern 2018: Eleni Foureira – Fuego

 

Die Präsentation

Das oben eingestellte Video ist die unzensierte Version, in die diverse Sponsoren integriert sind, darunter ein Hersteller von Nahrungsergänzungsmitteln und ein Importeur von Südfrüchten. Vor allem Letzterer macht das Video durch die sinnfrei herumliegenden Bananen- und Ananasstauden zu einem Kultclip, der dem Autor dieser Zeilen viel, viel, viel Spaß gemacht hat. Die Unverfrorenheit und Leichtigkeit, mit der in Zypern merkantile Interessen redaktionell verwirklicht werden, hat etwas entwaffenend Sympathisches. Stumpf ist Trumpf.

Wie bringt man nun den Style, den Funk, die Sexyness und die Lässigkeit von „Fuego“ so auf die Bühne, dass sich die Jurys nicht gleich abwenden (wenigstens die männlichen Jurymitglieder nicht)?! Das ist schwer! Mein Lösungsvorschlag: Weniger dürfte mehr sein. Und in Sachen Bekleidung wird sich Eleni sicher dran halten. Ich empfehle ihr ein kleines Schwarzes, dazu reduzierte edle Accessoires-Akzente (Goldschmuck! Jimmy Choos!). Damit dürfte keiner rechnen. Die Basis-Erotik-Signale würde ich den Tänzerinnen überlassen (wenn überhaupt). Pyrotechnik ist ein Must – logo – dazu gutes Studio54-Licht (rot!) eine ausgefeilte dynamische und stringente Choreo (nichts überdrehen!) mit vielen Repeat-Momenten (besser für den Schnelldurchlauf), dann müsste der Finaleinzug ein Spaziergang werden. Mal sehen, ob sich die verantwortliche Choreo-Goddess Sacha Jean-Baptiste von diesen Zeilen inspirieren lässt (Idts).

 

Was PRINZ-Blogger darüber denken

BennyBenny: Für mich ist das klassische ESC-Tanz-Ware aus Zypern. Und was soll ich sagen? Funktioniert. Dieses Jahr bin ich schon zufrieden, wenn ich mich darauf freuen kann, ein Stück im Euroclub zu hören und das ist hier der Fall. Das Video möchte ich mir aber nicht mehr anschauen und bitte keine Früchte auf der Bühne.

Douze Points: Leider liefert Eleni nicht die schäbig-billige Uptempo-Ethno-Popnummer, auf die ich mich gefreut hatte. Stattdessen ist „Fuego“ trotz (oder gerade wegen?) des Ein-Wort-Refrains hochwertiger und moderner als gedacht. Wenn sie es ins Finale schafft, ist das dort durchaus eine Bereicherung.

Jan: Die große Frage wird sein – wird es Obst auf der ESC-Bühne geben? Spielt Eleni am Ende gar mit EU-gerecht gekrümmten Bananen herum? Das interessiert mich wirklich – der hundertste Sexy-Latino-Aufguss musikalischer Art hingegen weniger!

Peter: Ich hatte ja schon an anderer Stelle verkündet, dass dieser Song die „Wiederauferstehung des ESC-Spirits“ zelebriert. Das ist mein RunnerUp- GuiltyPleasures-TopFavorit in diesem Jahr direkt nach Saara Aalto. Mal ganz abgesehen davon, dass ich der Delegation aus Zypern superdankbar bin, endlich Superstar Eleni Foureira zum ESC zu holen. Und dann auch noch das Trash-Video mit den „integrierten“ Südfrüchten. Brilliant, mehr geht nicht. Fuego in der Tat. Nicht nur im Kamin.

Jeder ESC-Titel wird im Songcheck von allen PRINZ-Bloggern nach ihrem persönlichen Gusto auf einer 11-stufigen Skala (12-10-8-7-6-5-4-3-2-1-0) bewertet, wobei 12 die höchste Wertung darstellt. Die Wertungen werden addiert. Unser persönliches subjektives Gesamtbild:

 

Die Prognose der PRINZ-Blogger

Hier geht es nicht um das persönliche Gefallen, sondern um eine Prognose. Zypern hat nach Einschätzung aller PRINZ-Blogger eine Qualifikationschance von 53 Prozent und landet damit auf Platz 11 in Semifinale 1. Hier geht es zur Prognose der PRINZ-Blogger für das erste Semifinale.

 

Social Media

Bei Facebook trefft ihr Eleni hier, auch via Instagram und Twitter kommuniziert sie (und dort gerne nackte Haut zeigt).

 

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Vorschau: Morgen beschäftigt sich Salman mit der Rückkehr von Jessica Mauboy zum ESC als Vertreterin Australiens, nachdem sie die Bubble 2014 als Interval Act kennenlernen durfte.

 

Bereits erschienen:

Semifinale 1
(1) Albanien: „Mall“ von Eugent Bushpepa
(2) Aserbaidschan: „X My Heart“ von Aisel
(3) Belgien: „A Matter Of Time“ von Sennek
(4) Bulgarien: „Bones“ von Equinox
(5) Estland: „La Forza“ von Elina Nechayeva
(6) Island: „Our Choice“ von Ari Ólafsson
(7) Israel: „Toy“ von Netta Barzilai
(8) Litauen: „When we’re old“ von Ieva Zasimauskaitė
(9) Tschechien: „Lie to Me“ von Mikolas Josef
(10) Weißrussland: „Forever“ von Alekseev
(11) Armenien: Qami von Sevak Khanagyan
(12) Finnland: „Monsters“ von Saara Aalto
(13) Griechenland: „Oneiro Mou“ von Yianna Terzi
(14) Irland: „Together“ von Ryan O’Shaughnessy
(15) Kroatien: „Crazy“ von Franka
(16) Mazedonien: „Lost and found“ von Eye Cue
(17) Österreich: „Nobody but you“ von Cesár Sampson
(18) Schweiz: „Stones“ von ZiBBZ