ESC-Songcheck (2): „Face the Shadow“ von GENEALOGY

Genealogy

Armenien kann sicher als eines der erfolgreichsten ESC-Länder der letzten 10 Jahre bezeichnet werden. Von 8 Teilnahmen erreichte man 7 Mal das Finale, wobei man dann 6 mal die Top10 erreichen konnte. Die beste Platzierung gelang Sirusho 2008 und Aram MP3 2014 mit dem jeweils 4ten Platz. Mir wurde gesagt, dass die Armenier 2015 unbedingt gewinnen wollen. Ob das mit „Face the Shadow“ und der zusammengewürfelten Truppe „GENEALOGY“ machbar ist und wie die Auftritt inszeniert werden könnte, will ich heute analysieren.

Die Band GENEALOGY setzt sich aus sechs Armeniern zusammen. Fünf von ihnen kommen aus den fünf (belebten) Kontinenten: Asien, Australien, Amerika, Afrika und Europa. Das sechste Mitglied kommt aus Armenien. Es handelt sich hierbei um die Sänger: Stephanie Topalian aus Japan, Mary-Jean O’Doherty Vasmatzian aus Australien, Tamar Kaprelian aus Kalifornien, Vahe Tlipian aus Äthiopien, Essai Altounian aus Frankreich und schließlich Inga Arshakyan aus Yerevan. Letztere ist uns Fans bekannt durch ihre Teilnahme am ESC 2009 in Moskau. Damals mit ihrer Schwester Anush. In Armenien sind die beiden äußerst populär und treten in etlichen TV-Shows und Konzerten auf.

Armenien 2015 GENEALOGY complete
Die Idee hinter dem Projekt GENEALOGY ist darzustellen, wie zerstreut wir Armenier auf dieser Welt sind. Dennoch sind wir alle durch unsere Vorfahren, durch unsere Kultur und unseren Glauben verbunden. Alle Mitglieder der Gruppe kennzeichnen sich durch eine stimmgewaltige Performance aus. Wie das jedoch zusammen funktionieren soll,  werden wir sehen.

Der Song

Face the Shadow“ wurde zunächst angekündigt als „Don’t deny„. Am 12. März gab es eine Minipräsentation im armenischen Fernsehen. Hier könnt ihr den „Live-Blog“ dazu nachlesen.  Es gab wohl im Hintergrund Diskussionen, ob allein der Titel nicht doch zu politisch sei – quasi ein Fingerzeig auf die Türkei, die den armenischen Genozid bis heute nicht anerkannt hat. Dieser jährt sich 2015 zum 100. Mal. Um allen Spekulationen endgültig den Wind aus den Segeln zu nehmen, haben sich die Macher von GENEALOGY entschieden, ihren Titel neu zu benennen (ohne dass sich der Text des Liedes ändert). Ich finde, er ist nicht so eingängig wie der Originaltitel, ich kann jedoch damit leben.

Das Lied beginnt zunächst recht ruhig. Man kommt nicht umhin zu denken: Du meine Güte, schon wieder eine Ballade!? Aber „Face the Shadow“ steigert sich spätestens im Refrain zu einer Hymne, um dann im Finale mit einer Explosion an Rock, armenischen Klängen und eben hymnisch anmutenden Gesängen zu enden.

GENEALOGY ist keine gewachsene Band. Es handelt sich hierbei um sechs Solo-Künstler. So soll natürlich jeder mal im Vordergrund dargestellt werden. Deshalb singt jedes Mitglied der Band einen kleinen Teil des Songs. Die Refrains werden mehr oder weniger gemeinsam gesungen. Natürlich wird der Schlussakkord gemeinsam gesungen. Für meine Ohren klingt das bisher im Video sehr stimmig. Ist allerdings sehr schwierig, auf der Bühne live umzusetzen, kleine Unstimmigkeiten können zu großen Misstönen führen. Wie das aussehen könnte (die Umsetzung, nicht die Misstöne), erfahrt ihr im nächsten Absatz.

Armenien: „Face the Shadow“ von GENEALOGY

 

Die Präsentation

Ich habe letztens mit einem Freund (er heißt auch Armen und lebt in Yerevan) ein kleines Brainstorming veranstaltet, wie man „Face the Shadow“ präsentieren könnte. Wir stimmten überein, dass sich eine einprägsame Darstellung schwierig gestalten wird. Man will ja auffallen, aber nicht den Zuschauer mit Eindrücken erschlagen. Der Song selbst ist ja schon recht überladen. Die Show muss (selbstverständlich) positiv in Erinnerung bleiben. Bisher kennen wir keine Live-Performance von GENEALOGY. So hat bisher keiner von uns auch nur den blassen Schimmer was auf uns zukommen könnte.

Einig waren wir uns, dass Effekte mit Licht ein zentraler Punkt der Präsentation sein sollte. So kam folgende Idee auf: Die Bühne ist fast komplett im Dunkeln. Nur der jeweils singende Solist soll von oben mit einem Spot angestrahlt werden. Während die Sänger zu Beginn im Halbkreis weit entfernt voneinander stehen, nähern sie sich im Lauf des Songs bis sie am Ende Hand in Hand vorne stehen. Klingt kitschig, passt doch aber zum Song.

Außerdem wäre eine Möglichkeit, eine Art Schattenspiel im Hintergrund zu inszenieren. Ähnlich wie das mal auf einer Britain’s got talent-Sendung zu sehen war.

Britain’s got talent – Attraction

Die Sänger können das live natürlich nicht liefern, weil sie ja zu sehen sein sollten, während sie singen. Vorstellbar wäre alternativ eine Videoeinspielung per Computer auf einer weißen Leinwand oder einem Vorhang – oder einfach auf der LED-Wand. Zum Beispiel könnte als Schatten auf dem weißen Vorhang ein Baby zu sehen sein, dass während des Liedes heranwächst und immer älter wird und am Ende als greiser Mensch zu erkennen ist.

Es ist verdammt schwierig, sich hier etwas einfallen zu lassen, denn wie gesagt: das Lied ist bereits überladen mit sechs Solisten und gefühlt ebenso vielen 6 Musikrichtungen. Die Präsentation muss zwar bemerkenswert, aber nicht erschreckenswert sein. Ein schmaler Grat, wie wir wissen.

Was PRINZ-Blogger darüber denken:

DJ Ohrmeister: Künstlich zusammen gesetzte Truppe präsentiert weinerliches Epos, das wohl aufrütteln soll. Der ESC ist meines Erachtens nicht die richtige Bühne für solche Projekte. 3/10 P.

Douze Points: Wirrer musikalischer Stilmix mit chaotischem Finale. Das hätte Ralph Siegel besser hingekriegt. 3/10 Punkte.

Matthias: Eine Musical-Nummer mit zu vielen Stimmen. Die Melodie der Strophen ist stärker als der Refrain, ganz schlimm das Opern-Zwischenspiel. 2/10 Punkte.

OLiver: Viele gute Einzelstimmen geben nicht zwangsläufig ein harmonisches Ganzes, zumal Ingas Stimme unangenehm dominiert. Erscheint mir wie ein extrem forciertes Großprojekt einer überambitionierten Delegationsleiterin. 4/10 P.

WM: Gesanglich und kompositorisch recht dick aufgetragen, aber weniger schwülstig als erwartet. Das rettet die 4/10 Punkte.

Jeder ESC-Titel wird im Songcheck von 5 Prinz-Bloggern nach ihren persönlichen Gusto bewertet. Im Durchschnitt erhält Armenien hier einen Wert von 3,2 von 10 Punkten. Dies ist in der Blogger-Favoritenliste bisher Rang 2 im ersten Semifinale. Moldawien führt mit wenig überzeugenden 3,4 Punkten.

Ich persönlich halte das Lied für sehr viel stärker als meine Blogger-Kollegen. Es ist kitschig und überladen, aber auch eine Hymne, die für den ESC gemacht wurde. Sowas fand ich schon immer toll. Das kann total in die Hose gehen. Insofern drück ich auf jeden fall die Daumen.

GENEALOGY 2015

Die Prognose der PRINZ-Blogger

Armenien hat nach Einschätzung aller PRINZ-Blogger eine Qualifikationschance von 69,1 Prozent und landet damit auf Platz 6 in Semifinale 1. Hier geht es zu der Prognose der PrinzBlogger für das erste Semifinale.

Social Media

GENEALOGY kann man auf Facebook verfolgen. Youtube. Twitter. Instagramm.
HP von Essai Altounian.
HP von Mary-Jean O’Doherty Vasmatzian.
HP von Stephanie Topalian.
HP von Inga & Anush.

[poll id=“333″]

 

Vorschau: Morgen stellt Euch mein Blogger-Kollege Marc Belgien vor, mit dem Song „Rhythm Inside“ von Loic Nottet.

Bisher erschienen im ESC Songcheck:

(1) Moldawien: „I want your love“ von Eduard Romanyuta