ESC-Songcheck (2): „Never Forget“ von Greta Salóme und Jónsi

Und wieder trauen sich die Isländer nicht, in ihrer Landessprache zu singen – wie in früheren Jahren wurde ein ursprünglich auf Isländisch eingespieltes Lied verenglischt. Bombastisch bleibt die Nummer von ESC-Wiederholungstäter Jónsi mit Greta Salóme aber.

Mit „Mundu eftir mér“ (Erinnere dich an mich) gewannen die beiden am 11. Februar 2012 den isländischen Vorentscheid. Darum sind sie die 25. Vertreter der Nordatlantikinsel, die seit 1986 beim Eurovision Song Contest dabei ist. Jónsi selbst war auch schon die laufende Nummer 17 – er war Islands Hoffnung beim ESC 2004, landete in Istanbul aber nur auf Platz 19.

Gemeinsam mit Greta Salóme schlug er im Finale des Söngvakeppni Sjónvarpsins (mit diesem Zungenbrecher bezeichnen die Isländer ihren Vorentscheid) unter anderem Regína Ósk aus dem Rennen, die weibliche Hälfte der Euroband (ESC 2008). Hier ist unser Liveblog vom isländischen Finale (es gab 3 Vorrunden) nachzulesen.

Seit 1999 lassen die Isländer allerdings stets auf Englisch singen – auch wenn beim Vorentscheid 2012 Landessprache wieder mal Pflicht war! So wurde aus „Mundu eftir mér“ nun „Never Forget“. Inhaltlich hat man dabei allerdings keinerlei Veränderungen vorgenommen. Greta Salóme, von welcher die Melodie wie auch beide Textvarianten stammen, hat die Geschichte, die der Originaltext erzählt, schön ins Englische transferiert: Ein Liebespaar, das einst zusammen war und nun getrennt ist, sehnt sich danach, wieder zusammenzukommen.

Island 2012; Greta Salóme & Jónsi – Never forget

Greta Salóme (Stefánsdóttir), die hier im Video so schwungvoll die Geige spielt, ist hauptberuflich Violinistin im isländischen Symphonieorchester in der Hauptstadt Reykjavík. Die 25-Jährige (hier ihre Facebook-Seite) singt in Baku mit dem neun Jahre älteren Jón Jósep Snæbjörnsson alias Jónsi, der zwischen 2000 und 2006 mit der Band Í svörtum fötum mehrere Alben veröffentlicht hatte (laut isländischer Wikipedia gibt’s die Band bis heute).

„Never Forget“ ist ein leicht düsteres Stück mit melancholischem Touch, als eine Art Folk-Hymne strukturiert und mit Greta Salómes Geigenspiel als Höhepunkt nach etwas über der Hälfte des Liedes. Da Jónsi live leider gern mal zum Schreien neigt, ist es vielleicht auch ganz clever, diesmal nicht allein zu singen, sondern eine weibliche Stimme an der Seite zu haben.

Die Isländer waren beim Eurovision Song Contest in den letzten Jahren auf der Erfolgsspur. Seit 2008 erreichten sie jedes Jahr das Finale, 2009 wurde Yohanna Zweite hinter dem Haushoch-Sieger Alexander Rybak, mit der Ballade „Is It True?“. Können Greta Salóme und Jónsi daran anknüpfen? Wenn es nach der Einschätzung der PRINZ-Blogger geht: Nja, bedingt. Für einen Einzug ins Finale sollte es reichen, aber eine hohe Platzierung ist – wenn man die Prognose der Blogger zu Rate zieht – eher unwahrscheinlich.

PRINZ-Blog-Urteil

Songqualität: 7/10
Interpretation: 8/10
Chancen auf Finaleinzug: 64% (Platz 7 nach Ansicht der Blogger im ersten Semifinale)