ESC Songcheck (2): „Skeletons“ von DiHaj

„Experimental Doom Pop“ – so nennt die Band DiHaj ihren Musikstil und betont: „Wir sind keine typische ESC-Band“. Das überrascht, wo doch Aserbaidschan in der Vergangenheit immer mal wieder gerne typisch schwedische ESC-Ware eingekauft hat. Wir nehmen nun in unserem zweiten Songcheck den Beitrag „Skeletons“ von DiHaj genauer unter die Lupe.

Kurz vor Ablauf der EBU-Deadline veröffentlichte Aserbaidschan am 11. März 2017 seinen Beitrag „Skeletons“. Der Sender ITV hatte DiHaj bereits im Dezember als Vertreterin Aserbaidschans bestimmt.

DiHaj heißt mit bürgerlichem Namen Diana Hajiyeva und hat bereits eine kleine Tochter namens Savi. Diana hat 2010 erfolgreich ihren Abschluss an der Baku Music Academy gemacht und zog dann weiter nach London an das Institute of Contemporary Music Performance. Während ihrer Zeit in Großbritannien war sie viel in der Underground-Szene unterwegs und sang im Progressive-Trance-Trio „Looper & Mancus“.

Im Jahr 2014 gründete sie DiHaj und schaffte kurze Zeit später mit der Single „I break again“ den Durchbruch. Der typische DiHaj-Sound entsteht durch den Mix des atmosphärischen Gesangs von Diana mit Post-Rock-Gitarren-Riffs und halbakustischen Drums. Im Jahr 2015 gewann DiHaj den Preis „Caucasian Music Award Phoenix“ als Newcomerin des Jahres.

 

Der Song

DiHaj sagen selbst: „Wir wollen mit dem Songtitel ‚Skeletons‘ provozieren. Unsere Message ist, dass es egal ist, ob Du anders bist oder nicht. Wichtig ist, dass Du trotzdem auf der ganzen Welt gehört werden kannst.“

Komponiert wurde der Song von Isa Melikov, einem berühmten aserbaidschanischen Komponisten und Musikproduzenten. Er war bereits für „Running Scared“ von Eldar Qasimov und Nikki Jamal beim ESC 2011 verantwortlich und arbeitete auch schon mit anderen Eurovision-Künstlern wie Dima Bilan und Aysel. Isa startete zudem Aserbaidschans erstes Online-Musikportal BMF, ähnlich dem amerikanischen VEVO und dem russischen ELLO. BMF ist inzwischen offizieller Partner von YouTube.

Getextet wurde „Skeletons“ von Sandra Bjurman aus Schweden, die bereits an unzähligen ESC-Beiträgen in der jüngeren Vergangenheit beteiligt war: Safuras „Drip Drop“ (Aserbaidschan 2010), Ell & Nikkis „Running scared“ (Aserbaidschan 2011), Sabina Babayevas „When the Music dies“ (Aserbaidschan 2012), Maria Yaremchuks „Tick Tock“ (Ukraine 2014) sowie Elnur Huseynovs „Hour of the Wolf“ (Aserbaidschan 2015). 

Trotz schwedischer Beteiligung handelt es sich diesmal nicht um 08/15-Standard-ESC- Ware. Der Song ist vielschichtig aufgebaut und insbesondere in den Strophen kommt der mystische sphärische Sound der Band gut zur Geltung. Im Refrain folgt dann ein Bruch und es wird doch wieder poppiger und eingängiger. Dies führt allerdings dazu, dass der Refrain durchaus im Ohr haften bleibt.

Aserbaidschan 2017 – DiHaj: Skeletons

 

Die Präsentation

Was für eine Empfehlung kann man Aserbaischan hier aussprechen? Aufgrund der mystischen Strophen bietet sich wahrscheinlich ein insgesamt eher dunkles, vielleicht sogar morbides Setting an. DiHaj haben ja bereits angedeutet, dass sie mit der Inszenierung in Kiew provozieren wollen.

Durch den Songtitel „Skeletons“ drängt es sich ja fast schon auf, mit Hologrammen zu arbeiten und zum Beispiel im Taktschlag der Musik zwischen Mensch und Skelett hin- und her zu wechseln. Wobei man hier behutsam vorgehen muss. Wenn es zu arg in Richtung Horror Movie geht, dann verschreckt das natürlich den ein oder anderen Zuschauer, der mit seinem Käseigel und Chips genüsslich vor dem TV sitzt.

Aserbaidschan startet im ersten Halbfinale an Startposition 8 hinter Finnland und vor Portugal. Eingerahmt von zwei Balladen – womöglich ein Vorteil.

 

Was PRINZ-Blogger darüber denken

DJ Ohrmeister: Anfangs war ich skeptisch, aber ich hab’s mir ein wenig schöngehört. Nicht der große Wurf finde ich, aber es ist modern, vielschichtig, und mit einer guten Präsentation wird das auch in Kiew gut laufen.

Jan: Einer der wenigen Songs in diesem Jahr, die auch nach 2017 klingen. Ein bisschen sperrig und düster, aber das ist hier das Salz in der Suppe. Spannende Sängerin!

Marc: Klingt für mich düster, sphärisch und interessant. Hat Potenzial bei guter Inszenierung auf der linken Scoreboard-Seite im Grand Final zu landen. 

Peter: Das ist sicher einer der am besten produzierten Songs im Wettbewerb und Dihaj macht einen supercoolen Eindruck. Mich persönlich reißt der Titel aber nicht vom Hocker, es fehlt der instand appeal und es stört mich auch das Kalkulierte, was Beiträge aus Aserbaidschan zuweilen haben.

Salman: Ausnahmsweise hat Aserbaidschan dieses Jahr nicht in Schweden eingekauft und trotzdem ist ein sehr moderner Song rausgekommen. Respekt! Skeletons gefällt mir sehr gut und ist in meinen Top Ten!

Jeder ESC-Titel wird im Songcheck von allen PRINZ-Bloggern nach ihrem persönlichen Gusto auf einer 11-stufigen Skala (12-10-8-7-6-5-4-3-2-1-0) bewertet, wobei 12 die höchste Wertung darstellt. Die Wertungen werden addiert. Unser persönliches subjektives Gesamtbild:

 

Die Prognose der PRINZ-Blogger

Hier geht es nicht um das persönliche Gefallen, sondern um eine Prognose. Aserbaidschan hat nach Einschätzung aller PRINZ-Blogger eine Qualifikationschance von 85 Prozent und landet damit auf Platz 2 in Semifinale 1. Hier geht es zur Prognose der PRINZ-Blogger für das erste Semifinale.

 

Was PrinzBlog-Leser darüber denken

Jorge: Zum Glück macht Aserbaidschan nicht Turkvision-like auf Pseudofolklore. Spannendes Intro und Synths-Bassline (SciFi-Thema) – mag ich. Wenn ich denn etwas kritisieren wollte, dann dass ich mir den Refrain mystischer, ohne Softie-Chor (mMn das einzig wirklich ’schwedische‘ am Song), wünschen würde.

Festivalknüller: Warum sollte ich Gefallen an einem Song mit dem Titel „Skelett“ und einer Morbidität in Pop finden. Sorry, nichts für mich.

Jabo72: Ich habe ja fest damit gerechnet, dass nichts à la Gəcəler Keçir (ein geniales Lied) kommt, bin aber doch positiv überrascht. Aserbaidschan mal mit ein paar Ecken und Kanten und irgendwo auf dem Mittelweg zwischen Dihajs experimentellem Stil und eurovisionärer Eingängikeit. Wenn sie das entsprechen düster inszenieren, kann das sehr weit gehen und auch mir gefällt es (wohl mehr wegen der Künstlerin als des Liedes wegen – aber trotzdem: mMn der bisher beste Beitrag aus Aserbaidschan)

Cars10: Aalglatter Anbiederungspop. Das Lied wird das gleiche Schicksal erleiden wie im letzten Jahr Kroatien. Erst hochgelobt und dann Absturz. Es hat nicht die Wärme und Coolness von Belgien, nicht die Schönheit von Portugal und schon gar nicht die Mystik von Finnland. Mittelfeld im Finale, wenn es gut läuft.

DerMoment1608: Ich finde, sie haben eine gute Balance aus eigenständigem Electro und Pop gefunden. Noch etwas lieber hätte ich eine vollständige Produktion im Stil der Strophen gesehen. Der Refrain ist mir dann mit den Drums etwas zu künstlich aufgeblasen. Gleichzeitig habe ich genau diesen Refrain jetzt beim Schreiben als Ohrwurm im Kopf ohne den Song noch mal extra vorher angehört zu haben.

Social Media

DiHaj sind auch im WorldWideWeb aktiv und zwar auf Facebook sowie der eigenen Website und dem DiHaj YouTube-Channel.

 

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Vorschau: Morgen geht es mit Douze Points dann nach Down Under. Wir sind gespannt, ob die Aussies auch 2017 ihre ESC-Erfolgsserie fortsetzen können.

 

Bereits erschienen:

(1) Albanien: „World“ von Lindita