ESC-Songcheck (2): „X My Heart“ von Aisel

Aserbaidschan hat seit seiner ersten Teilnahme am Eurovision Song Contest kein einziges Mal den Einzug ins Finale verpasst. Damit dieser Erfolg fortgeführt werden kann, hat man auch in diesem Jahr eine begabte, einheimische Künstlerin ausgewählt – und sie vollumfänglich unter die Fittiche eines internationalen, ESC-erfahrenen Teams gestellt. Die Begeisterung in den Fankreisen scheint begrenzt. Wird es trotzdem wieder reichen?

Die Interpretin

Wir hatten Aisel als Künstlerin bereits bei ihrer Bekanntgabe als diesjährige Vertreterin Aserbaidschans hier auf dem Blog vorgestellt.

Aisel bedient eine breite musikalische Palette. Von Jazz bis Electro ist so ziemlich alles mit dabei. Den Musikstil, den sie in Lissabon vortragen wird, weicht davon etwas ab – und macht es für Außenstehende unglaubwürdig. Andererseits gehört Aisel laut 1News.az zu den glamourösesten Personen im aserbaidschanischen Showbusiness. Insofern passt moderner, auf Hochglanz polierter Mainstream-Pop doch wieder ganz gut zu ihr.

Der Song

Viele Lieder wurden angeblich gesichtethört, bis sich das aserbaidschanische Team für „X My Heart“ entschied. Verantwortlich für diesen Track zeichnen zwei ESC-Granden, die Schwedin Sandra Bjurman („Running Scared“, „Skeletons“) und der Grieche Dimitris Kontopoulos (u.a. „Shady Lady“, „You Are the Only One“). Als Produzent wurde der in London ansässige Tim Bran herangezogen, der im letzten Jahr Blanches „City Lights“ auf musikalischen Hochglanz polierte.

Herausgekommen ist eine energiegeladene, rhythmische Popnummer, die – zumindest in ähnlicher Form – auch eine Katy Perry oder – um im ESC-Umfeld zu bleiben – eine Saara Aalto hätte interpretieren können. Der Song ist zeitgenössisch und der Aufbau klassisch mit zwei Strophen, einem Vor-Refrain und dem eigentlichen Refrain.

Inhaltlich ist es eine optimistische Hymne auf das, was man im Leben erreichen kann, wenn man es nur will. Das soll auch das Kind im offiziellen Video symbolisieren, denn die Phantasie und die Träume der Kinder sind unendlich.

Aserbaidschan 2018: Aisel – X My Heart

Die Präsentation

Aisel mag zwar eine Frau des Glamours sein, sie wirkt aber auch sehr wandelbar. Insofern ist sie in vielen Rollen auf der Bühne vorstellbar. Und wie wir die Aseris kennen, werden sie sich auch wieder etwas besonders Visuelles einfallen lassen, um den Beitrag besser erinnerbar zu machen.

Dabei gibt es bei dieser Art Musik natürlich viele Möglichkeiten. Von einer gläsernen Treppe im Bodennebel würde ich abraten. Auch bei den musikalisch durchaus vergleichbaren Titeln im finnischen Vorentscheid würde ich keine Idee als gesetzt ansehen (wobei mich der sich um 360 Grad drehende Domino-Stein von Saara Aalto schon beeindruckt hatte).

Naheliegend wäre die Einbindung eines Kindes wie im Video, aber das geht natürlich schon wegen der Altersgrenze nicht. Was bleibt also? Ein Bühnenbild, das „tailored by the stars“ ist und sie dann „to the to-o-op“ in Form des Mondes schießt. Da könnte man was mit einer Kanone machen, aus der sie dann (am besten ohne Sicherung) quer durch die Arena über die Leute hinweg zu einem Kunstmond am anderen Ende der Halle fliegt. So wie Carola 2000 beim schwedischen Vorentscheid. That’s it!

Was PRINZ-Blogger darüber denken

DJ Ohrmeister: Bin mittlerweile echt müde von den ganzen schwedisch-eingekauften, seelenlosen Beiträgen vom Kaukasus, bei denen lediglich der Name der Sängerin an das Absenderland erinnert. Die haben doch genug eigene, faszinierende Kultur, da wird sich doch jemand finden, der daraus einen modernen Beitrag stricken kann. Luna, moon me up? Ja, zum Mond schießen wäre eine Alternative. Braucht niemand.

Douze Points: Moderne und top-professionelle Pop-Produktion mit elektronischen Elementen ohne jeglichen Bezug zum entsendenden Land. Sehr gefällig, aber etwas zu sehr auf Hochglanz poliert. Deshalb weitgehend ohne emotionale Ansprache und Nachhall beim Hörer. 

Matthias: „I cross my heaaaaaart…“ kriegt man so schnell nicht mehr aus dem Kopf. Ich weiß zwar nicht, was „Luna moon me up“ bedeuten soll, aber egal. Die hübsche Aisel singt eine großartige Popnummer, die man sofort mitsingt. Top10-Material!

Peter: „X My Heart“ ist gefällig, top produziert und man kann gut darauf tanzen. Leider ist das Titel im Kern in Bezug auf Musik und Text relativ beliebig, das hat Aserbaidschan mit „externer“ Hilfe schon viel, viel besser hingekriegt. Aisel sieht klasse aus, das hebt den Gesamteindruck.

Jeder ESC-Titel wird im Songcheck von allen PRINZ-Bloggern nach ihrem persönlichen Gusto auf einer 11-stufigen Skala (12-10-8-7-6-5-4-3-2-1-0) bewertet, wobei 12 die höchste Wertung darstellt. Die Wertungen werden addiert. Unser persönliches subjektives Gesamtbild:

Die gelbe Markierung zeigt an, dass dieser Beitrag der Favorit des Bloggers unter allen Beiträgen ist.

Persönliche Anmerkung des Autors: Ich weise an dieser Stelle ausdrücklich darauf hin, dass ich mit der musikalischen Zusammenstellung des diesjährigen ESC-Jahrgangs überaus unzufrieden bin und mir deshalb keine andere Wahl blieb, als mir als Favoriten einen einigermaßen fröhlich-beschwingten, schwedischen Song auszuwählen. 

Die Prognose der PRINZ-Blogger

Hier geht es nicht um das persönliche Gefallen, sondern um eine Prognose. Aserbaidschan hat nach Einschätzung aller PRINZ-Blogger eine Qualifikationschance von 73 Prozent und landet damit auf Platz 3 in Semifinale 1. Hier geht es zur Prognose der PRINZ-Blogger für das erste Semifinale.

Social Media

Aisel kann man auf Facebook und Instagram folgen, wobei die Instagram-Fotos auch im Facebook-Account landen.

Vorschau: Es ist keine Frage der Zeit, bis Tjabe den belgischen Beitrag „A Matter of Time“ unter die Lupe nimmt. Konkret ist es morgen bereits soweit. 

 

Bereits erschienen:

Semifinale 1
(1) Albanien: „Mall“ von Eugent Bushpepa