ESC-Songcheck (22): „My lucky day“ von DoReDos

Moldawien setzt in diesem Jahr wieder einmal auf fröhlichen Folk-Pop, der direkt in die Füße geht. Das funktioniert so lange, bis man anfängt sich mit dem Text des Liedes zu beschäftigen. Der ist ab 2 Promille durchaus erheiternd, für einen klar denkenden Menschen aber eine intellektuelle Zumutung. Wie gut, dass das in den drei Minuten des Auftritts kaum einem auffallen wird.

Die Interpreten

Die drei Bandmitglieder Marina Djundiet, Eugeniu Andrianov und Sergiu Mîța stammen aus dem Städtchen Rîbnița, das im quasi-unabhängigen Transnistrien liegt. 2011 gründeten sie dort ihre Formation DoReDoS. Der Name leitet sich von den ersten beiden Tönen der klassischen Do-Re-Mi-Tonleiter ab.

Später zogen sie in die moldawische Hauptstadt Chișinău, um sich weiterzuentwickeln. Dort machten sie auch jeweils den Abschluss an der Musikhochschule. 2014 gewann die Gruppe den George Grigoriu International Pop Music Contest in Rumänien. In den beiden Folgejahren nahmen sie am moldawischen ESC-Vorentscheid teil. Bei X Factor Rumänien kamen sie sogar bis ins Finale.

Wandler zwischen zwei moldadischen Welten: oben mit dem transnistrischen Präsidenten, Wadim Krasnoselski, unten mit dem moldawischen, Igor Dodon.

2017 gewannen die DoReDos, die auch regelmäßig bei Hochzeiten auftreten (siehe Foto oben), das besonders in der ehemaligen Sowjetunion populäre New-Wave-Festival, das aufgrund der Visa-Bestimmungen der EU gegen einige russische Künstler (Stichwort: Krim-Krise) nicht mehr im lettischen Jurmala, sondern in Sotschi stattfindet. Dort wurde der ehemalige russische ESC-Teilnehmer Filipp Kirkorow auf das Trio aufmerksam.

Er schrieb „My Lucky Day“, mit dem die Gruppe beim moldawischen Vorentscheid sowohl bei den Zuschauern als auch der Jury einen überwältigenden Sieg einfuhr.

Der Song

Die Musik zu „My Lucky Day“ stammt also von Filipp Kirkorow, der seit Jahren eine enge Bindung zum Eurovision Song Contest hat und fest in der russischen Musikszene verankert ist. Der Text wurde von John Ballard geschrieben, der schottischer Abstammung ist, in Schweden lebt und zuletzt an ESC-Beiträgen wie „This Is Love“ oder „You Are the Only One“ beteiligt war.

Die DoReDos mit Filipp Kirkorow irgendwo in Litauen

„My Lucky Day“ passt exakt in das Uptempo-Folkpop-Repertoire der DoReDos, für das sie bekannt sein dürften. Es hat von Beginn an ein hohes, sehr rhythmisches Tempo, das nur während der Strophen etwas reduziert wird. Der intensive Einsatz von Blasinstrumenten unterstreicht den traditionell-moldawischen Charakter des Songs, wie wir ihn z. B. schon in „Hora din Moldova“ zu hören bekommen haben.

Der Song beginnt mit der instrumentalen Hookline. Dann setzt die erste Strophe ein, gesungen von Sergiu. Die Brücke zum Refrain wird dann immer im Duett des Mannes mit Marina gesungen. Es folgt der sehr lange Refrain, der doppelt so lang ist wie die jeweiligen Strophen. Das ganze wird in der zweiten Strophe wiederholt, dann natürlich mit Eugeniu. Zum Schluss reicht es nicht mehr für eine nochmalige Wiederholung des Refrains, so dass einfach ein weiterer Instrumentalteil mit ein paar Naj-Naj-Najs drangehängt wird.

Das eigentlich Schlimme an diesem Lied ist nicht die große musikalische Ähnlichkeit zu bisherigen Beiträgen aus dem Land. Es ist der Text. Allein der Einstieg: „You got secrets to unfold – You got stories never told – You’re holding information“ ist an Absurdität nicht zu überbieten. Das völlig zusammenhanglose „Something tells me we can make some music –
The rhythm is drivin’ me wild“ macht es nur noch grotesker. Mein persönliches Highlight folgt aber in Strophe 2: „So is this my lucky day – Will you stay or walk away – Right now you’re stoppin’ traffic“. Dass der Refrain dann nur noch aus sinnlos aus der Holzhammerreimmaschine ausgeworfenen Phrasen besteht, überrascht nicht mehr wirklich.

Moldawien 2018: DoReDos – My Lucky Day 

Die Präsentation

Beim moldawischen Vorentscheid präsentierten sich die drei Sänger mit drei Tänzern und einer durchaus sehenswerten Spiegelwandshow. Gut, sie war nicht auf dem Niveau von der Ukraine 2008, aber damit ließe sich arbeiten – wenn es denn zum Song passen würde.

Und das tut es im Moment nicht. Denn die drei Künstler treten in Abendgarderobe auf. Für mich gibt es da einen deutlichen logischen Schnitt zur Musik, die einfach viel bodenständiger und folkloristischer ist. Authentischer wäre also zumindest ein visueller Flirt mit der moldawischen Tradition, wenn das in der Musik schon so deutlich gespielt wird.

DoReDos – My Lucky Day beim nationalen Vorentscheid

Ob dann wieder die Spiegelshow aus dem Vorentscheid noch so gut passt, weiß ich nicht. Allerdings hatten die drei Tänzer durchaus Potenzial, so dass auf die nicht verzichtet werden sollte.

Was PRINZ-Blogger darüber denken

DJ Ohrmeister: Finde es ja immer gut, wie die Moldawier traditionelle Klänge in ihre meist albernen Disco-Liedchen mit einflechten, und auch dieses Jahr klappt das ziemlich gut. Highlight ist hier sicherlich der Text, den wir mit dem Kollegen Douze Points an einem feuchtfröhlichen Abend in Stockholm näher analysiert haben. „Something tells me we can make some music“ ist bereits ein geflügeltes Wort in Blogger-DJ-Kreisen. Literaturpreisverdächtig.

Douze Points: Musikalisch und textliche eine Zumutung, die auch nicht mehr als ironische Satire durchgeht. Erst ab 2 Promille zu ertragen. Aber auch nur einmal. Lediglich der Rhythmus ist ein paar Punkte wert.

Marc: Mein Guilty Pleasure: höre diesen Ethno-Trash-Schlager ganz gerne und bekomme davon gute Laune. Kann aber nachvollziehen, dass dieser Kirkorov-Song für manche auch Nerv-Potenzial besitzt.

Peter: Nach drei, vier, fünf GinTonic ist das der beste Hit Europas im Euroclub. Nüchtern betrachtet ist „My lucky day“ mäßig interessant, Retro überstrapaziert und DoReDos schielt mir ein wenig zu stark auf den Überraschungserfolg von SunStroke Project im Vorjahr. Immerhin, choreographisch werden die Moldawier wieder im ersten Drittel mitspielen.

Jeder ESC-Titel wird im Songcheck von allen PRINZ-Bloggern nach ihrem persönlichen Gusto auf einer 11-stufigen Skala (12-10-8-7-6-5-4-3-2-1-0) bewertet, wobei 12 die höchste Wertung darstellt. Die Wertungen werden addiert. Unser persönliches subjektives Gesamtbild:

Die Prognose der PRINZ-Blogger

Hier geht es nicht um das persönliche Gefallen, sondern um eine Prognose. Moldawien hat nach Einschätzung aller PRINZ-Blogger eine Qualifikationschance von 51 Prozent und landet damit auf Platz 10 in Semifinale 2. Hier geht es zur Prognose der PRINZ-Blogger für das zweite Semifinale.

Social Media

Neben einer Website sind die drei DoReDos auch auf Facebook und Instagram zu finden.

Vorschau: Morgen geht es zu unseren westlichen Nachbarn in die Niederlande. Jan checkt, ob Waylon auch ohne Ilse DeLange das Zeug zu einer Top-ESC-Platzierung hat. 

Bereits erschienen:

Semifinale 1
(1) Albanien: „Mall“ von Eugent Bushpepa
(2) Aserbaidschan: „X My Heart“ von Aisel
(3) Belgien: „A Matter Of Time“ von Sennek
(4) Bulgarien: „Bones“ von Equinox
(5) Estland: „La Forza“ von Elina Nechayeva
(6) Island: „Our Choice“ von Ari Ólafsson
(7) Israel: „Toy“ von Netta Barzilai
(8) Litauen: „When we’re old“ von Ieva Zasimauskaitė
(9) Tschechien: „Lie to Me“ von Mikolas Josef
(10) Weißrussland: „Forever“ von Alekseev
(11) Armenien: Qami von Sevak Khanagyan
(12) Finnland: „Monsters“ von Saara Aalto
(13) Griechenland: „Oneiro Mou“ von Yianna Terzi
(14) Irland: „Together“ von Ryan O’Shaughnessy
(15) Kroatien: „Crazy“ von Franka
(16) Mazedonien: „Lost and found“ von Eye Cue
(17) Österreich: „Nobody but you“ von Cesár Sampson
(18) Schweiz: „Stones“ von ZiBBZ
(19) Zypern: „Fuego“ von Eleni Foureira

Semifinale 2
(20) Australien: „We Got Love“ von Jessica Mauboy
(21) Dänemark: Higher Ground von Rasmussen