ESC-Songcheck (23): „Outlaw in ´em“ von Waylon

Passend zu „Eurovision in Concert“, das heute Abend in Amsterdam über die Bühne geht, wenden wir mit unserem heutigen Songcheck unseren Blick in unser westliches Nachbarland. Von dort kommt in diesem Jahr mit Waylon ein weiterer Wiederholungstäter, der platzierungsmäßig nur noch ganz wenig Luft nach oben hat und bei seiner zweiten ESC-Teilnahme nicht im Duett, sondern solo auftritt.

 

Der Interpret

Waylon heißt eigentlich Willem Bijkerk, hat sich aber nach einem seiner Idole, dem bekannten Countrysänger Waylon Jennings benannt. Der inzwischen 37-jährige wurde in den Niederlanden insbesondere durch seine Teilnahme bei „Holland’s got talent“ im Jahr 2008 bekannt. In den darauffolgenden Jahren konnte er sich eine solide Karriere aufbauen.

2014 tat er sich dann mit Ilse de Lange zusammen und bildete für den Eurovision Song Contest in Kopenhagen ein Einmal-Duo. Mit „Calm after the storm“ und einem wunderschönen Auftritt gelang den beiden für viele völlig überraschend ein zweiter Platz hinter Conchita Wurst – auch aus Deutschland kamen damals 12 Punkte! Der Rest war Geschichte. „Calm after the storm“ wurde ein Riesenhit und hat auch Waylon sicher weitere Türen geöffnet.

Seit einigen Jahren ist er nun auch Coach bei „The Voice of Holland“ und hilft dort Talenten auf die Sprünge. Ganz aktuell tourt er mit seinem neuen Album „The World can wait“ durch die Heimat – auf diesem Album befinden sich auch alle fünf Songs, die Waylon dem heimischen Publikum als mögliche Songs für den ESC in Lissabon zur Abstimmung präsentierte. Abgestimmt werden durfte allerdings nicht, Waylon hat sich seinen Beitrag für den ESC vielmehr selbst ausgesucht. Nochmal nachlesen könnt Ihr auf dem Blog folgendes: Waylons Direktnominierung, die Vorstellung seiner fünf Vorentscheidungssongs und die Präsentation seines Songs für Lissabon.

 

Der Song

„Outlaw in ‚em“ ist ein kraftvoller Country-Blues-Rock-Song. Die Niederlande bleiben ihrem Stil, country-angehauchte Songs zum ESC zu schicken, also treu – und waren damit ja auch in den vergangenen Jahren durchaus immer mal wieder recht erfolgreich.

Geschrieben hat Waylon den Song selbst. Allerdings nicht ganz allein, sondern unter Mithilfe des in Nashville lebenden Russen Ilja Toshinskiy sowie einem echten Texaner, Jim Beavers, auf dessen Konto diverse Nummer-Eins-Hits in den USA gehen.

Inhaltlich geht es darum, dass jeder Mensch irgendwelche Brüche in seinem Leben hat. Dunkle Flecken und persönliche Niederlagen auf der ansonsten weißen Weste, die einen aber nicht aus der Bahn werfen dürfen, sondern von denen man sich wieder erholen kann. Ganz getreu dem Motto: Aufstehen, Krone richten, weitermachen. Dieser Songinhalt dürfte insbesondere in Waylons Leben ziemlich authentisch sein – er hat nämlich bereits einen Drogen- und Alkoholentzug hinter sich. Und wenn man der niederländischen Regenbogenpresse Glauben schenken darf, ist es wohl insbesondere der Alkohol, der Waylon von Zeit zu Zeit ein bisschen zu schaffen macht.

Rein musikalisch ist der Song ziemlich E-Gitarren-basiert und lebt von Waylons wirklich guter Stimme, die er hier facettenreich präsentieren kann und die wie geschaffen zu sein scheint für solch rockige Countrymusik. Der Aufbau ist eher klassisch, anstelle einer gesungenen Bridge vor dem letzten Refrain tritt in diesem Fall (natürlich) ein E-Gitarren-Solo.

Niederlande 2018: Waylon – Outlaw in ‚em

 

Die Präsentation

Die Inszenierung, wie sie das offizielle Video bietet (siehe oben) ist im Grunde genau das, was Waylon auch in Lissabon auf die Bühne bringen sollte. Zwei Bassisten an seiner Seite, ein Drummer und ein Keyboarder im Hintergrund. Dazu leicht verrauchte Kneipenstimmung, Jeans- und Lederklamotten und fertig ist die Performance. Leider gibt es die Musik beim ESC ja nur vom Band. Tatsächlich fände ich einen kompletten Liveauftritt wie im Video noch viel authentischer.

Was sicher gar nicht zu diesem Song passt, wäre irgendein Feuerwerk, Goldregen oder zu bunte Farben. Schön dunkel und leicht düster sollte es sein, eben wie in einer leicht heruntergekommen Rock-Spelunke in irgendeinem Vergnügungsviertel.

 

Was PRINZ-Blogger darüber denken

Jan: Eigentlich so gar nicht meine Musik und am besten gefallen mir eigentlich die Instrumentalteile. Aber mit diesem Song hat Waylon ein Alleinstellungsmerkmal im Wettbewerb. Könnte also klappen mit dem Finale!

Peter: Countryrockpop ist jetzt keine Gattung, für die ich eine Spotify Playlist anlegen würde und Waylon ist (sorry Tjabe) nicht mein Favorite Common Linnet. „Outlaw“ gehört aber in das Cluster der Songs, die man sich gut schönhören kann. Und Waylon trägt den Song authentisch vor und wird in Lissabon sicher eine gute Figur machen – mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auch im Finale übrigens.

Salman: Sehr schwierig einzuschätzen. Vor allem ob es aus Osteuropa dafür Punkte gibt, ist mehr als fraglich. Finale könnte in diesem Jahr für die Niederlande knapp werden.

Tjabe: Song und Interpret sind überhaupt nicht mein Fall, aber ich werde natürlich für das Land die Daumen halten. In diesem Jahr wagt sich das Königreich wieder etwas, auch wenn es wieder in den Countrystil geht. Rockige Klänge kommen manchmal besser an als vermutet. Wir denken nur an Georgien 2016. Die Niederlande offerieren ein Lied fern vom Einheitsbrei.

Jeder ESC-Titel wird im Songcheck von allen PRINZ-Bloggern nach ihrem persönlichen Gusto auf einer 11-stufigen Skala (12-10-8-7-6-5-4-3-2-1-0) bewertet, wobei 12 die höchste Wertung darstellt. Die Wertungen werden addiert. Unser persönliches subjektives Gesamtbild:

Die Prognose der PRINZ-Blogger

Hier geht es nicht um das persönliche Gefallen, sondern um eine Prognose. Die Niederlande haben nach Einschätzung aller PRINZ-Blogger eine Qualifikationschance von 58 Prozent und landen damit auf Platz 9 in Semifinale 2. Hier geht es zur Prognose der PRINZ-Blogger für das zweite Semifinale.

 

Social Media

Auch in den Niederlanden wird natürlich fleißig getwittert, gefacebooked und geinstagrammed.

 

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Vorschau: Morgen früh wird uns Tjabe erklären, ob Alexander Rybak aus Norwegen seinen eigenen Songwriter-Ansprüchen gerecht wird.

 

Bereits erschienen:

Semifinale 1
(1) Albanien: „Mall“ von Eugent Bushpepa
(2) Aserbaidschan: „X My Heart“ von Aisel
(3) Belgien: „A Matter Of Time“ von Sennek
(4) Bulgarien: „Bones“ von Equinox
(5) Estland: „La Forza“ von Elina Nechayeva
(6) Island: „Our Choice“ von Ari Ólafsson
(7) Israel: „Toy“ von Netta Barzilai
(8) Litauen: „When we’re old“ von Ieva Zasimauskaitė
(9) Tschechien: „Lie to Me“ von Mikolas Josef
(10) Weißrussland: „Forever“ von Alekseev
(11) Armenien: Qami von Sevak Khanagyan
(12) Finnland: „Monsters“ von Saara Aalto
(13) Griechenland: „Oneiro Mou“ von Yianna Terzi
(14) Irland: „Together“ von Ryan O’Shaughnessy
(15) Kroatien: „Crazy“ von Franka
(16) Mazedonien: „Lost and found“ von Eye Cue
(17) Österreich: „Nobody but you“ von Cesár Sampson
(18) Schweiz: „Stones“ von ZiBBZ
(19) Zypern: „Fuego“ von Eleni Foureira

Semifinale 2
(20) Australien: „We Got Love“ von Jessica Mauboy
(21) Dänemark: Higher Ground von Rasmussen
(22) Moldawien: My lucky day von DoReDos