ESC-Songcheck (24): „Vida minha“ von Filipa Sousa


Portugal setzt 2012 auf Tradition pur und schickt mit Filipa Sousa eine Fado erfahrene Sängerin ins Rennen. Sie besingt ihr Leben in „Vida minha“ und setzte sich mit diesem Song am 10. März 2012 gegen 11 Konkurrenten bei der nationalen Entscheidung „Festival RTP da Canção“ durch.

Geboren am 2. März 1985 in Albufeira an der Algarve begann Filipa Sousa schon mit sechs Jahren, sich für Musik zu interessieren. Ab ihrem zwölften Lebensjahr bestritt sie diverse Festivals und Karaoke-Konkurrenzen.

Per Zufall kam sie im Alter von 16 Jahren mit Fado in Berührung und der Musikstil ließ sie nicht mehr los. Nach verschiedenen Erfolgen bei nationalen Wettbewerben wurde sie Mitglied der Gruppe Al-Mouraria, mit der sie auch ins Ausland reiste.

2003 nahm die Sängerin zum ersten Mal an der Casting Show Operação Triunfo teil, bei der sie unter die 30 Besten kam. Ihre zweite Teilnahme 2007 verlief erfolgreicher. Erst in der siebten von 16 Sendungen wurde sie rausgewählt.

Filipa blieb dem Fado treu und erlebte ihren großen Durchbruch bei der Talentshow „Nasci para o Fado (Ich bin geboren für den Fado)“. Sie schaffte es bis ins Finale.

Hier ein Auftritt aus dem Halbfinale der Sendereihe:

Am 13. Januar 2012 gehörte Filipas Name zu den Glücklichen, die vom Fernsehsender RTP aus dem Riesenangebot von 404 Anmeldungen für das „Festival RTP da Canção“ ausgewählt worden waren.

In Etappen gab der Sender RTP immer mehr Informationen preis. Am 23. Januar 2012 wurden die Namen der Komponisten und am 5. Februar 2012 die der Textdichter und Produzenten bekannt gegeben. Die Teams wurden den jeweiligen Interpreten zugeordnet.

Die nationale Entscheidung stand unter dem Thema Fado, welches 2011 als immatrielles Weltkulturerbe unter dem Schutz der Unesco gestellt wurde. Die am 2. März 2012 veröffentlichen Lieder trugen inhaltlich oder im Arrangement dem Thema Rechnung.

Während der großangelegten TV-Sendung „Festival RTP da Canção“ am 10. März 2012 entschieden sich sowohl die 22 regionalen Fachjuries als auch die Fernsehzuschauer für Filipa Sousas Song „Vida minha“.

Zunächst hieß im Januar Filipas Komponist Jorge Fernando, doch schon eine Woche nach der Bekanntgabe nahm der erfolgreiche Kroate Andrej Babić seinen Platz ein. Zusammen mit Carlos Coelho verfaßte er den Song „Vida minha“.

Aus Andrej Babićs Feder entstammen mittlerweile sechs Eurovisionsbeiträge:

2003 Kroatien Claudia Beni „Više nisam tvoja“ 29 Punkte auf Platz 15
2005 Bosnien-Herzegowina Feminnem „Call Me“ 79 Punkte auf Platz 14
2007 Slowenien Alenka Gotar „Cvet z juga“ 66 Punkte auf Platz 15
2008 Portugal Vânia Fernandes „Senhora do mar“ 69 Punkte auf Platz 13
2009 Slowenien Quartissimo feat. Martina Majerle „Love Symphony“ Halbfinale 14 Punkte auf Platz 16
2012 Portugal Filipa Sousa „Vida minha“

Zudem schrieb er noch je drei weitere Lieder zur kroatischen und slowenischen, zwei weitere zur portugiesischen und jeweils ein weiteres zur serbischen, georgischen, schweizerischen und weißrussischen Vorentscheidung. Dreimal landete er dabei auf Platz 2.

„Vida minha“ ist eine Power-Ballade, die sich stark an den Fado anlehnt. Die Stimme Filipas und der kraftvolle Chor geben dem Titel die nötige Inbrunst. Erinnerungen an Vânia Fernandes von 2008 werden wach, die mit dem Song „Senhora do mar“, geschrieben vom gleichen Team, in Belgrad das Publikum auf ihre Seite zog.
Diese Kraft besitzt der Beitrag von 2012 leider nicht. Trotzdem könnte es Portugal nützen, Traditionelles zum Song Contest zu schicken, denn diese Lieder sammelten stets genügend Punkte für einen Finaleinzug.

Portugal 2012: Filipa Sousa – Vida minha

Persönlich hätte ich lieber Rui Andrade mit seinem starken Song „Amor a preto e branco“ in Baku gesehen, aber die Portugiesen neigen gern mal dazu, meinem Geschmack nicht zu folgen. Ich hoffe, daß der diesjährige Beitrag noch eine kraftvolle Bühnenpräsenz erhält, damit das Finale trotz der starken Konkurrenz im zweiten Halbfinale erreicht werden kann.

Lobenswert ist zu bemerken, daß die Portugiesen stets ihrer Muttersprache beim Wettbewerb treu blieben. Bei den bisher acht Halbfinalteilnahmen erreichte Portugal dreimal das Finale. Portugal ist das Land, das am längsten am Eurovision Song Contest teilnimmt, ohne einen Platz unter den ersten drei ergattert zu haben.

Filipas Startplatz 6 liefert ein durchwachsendes Ergebnis, was die Erfolgschancen für das Finale angeht. Bei 12 Ausgaben kamen bisher 6 Lieder ins Finale. 2009 und 2011 war der Startplatz in beiden Halbfinals eine sichere Bank, während 2010 die dort startenden Länder jeweils scheiterten.

Portugal sang bisher übrigens erst einmal auf dieser Startposition 6: 2009 im Finale mit Flor-de-Lis und ihrem Song „Todas as ruas do amor“: 57 Punkte auf Platz 15.

Die Prinz-Blogger sieht Portugal nicht im Finale. Mit nur 30 % nimmt Filipa Sousa Platz 15 im zweiten Halbfinale ein.

Hier gibt es Filipa Sousa auf Facebook, hier ist ihre offizielle Seite und hier unsere Vorstellung der Beiträge sowie hier der Live-Blog zum Festival RTP da Canção am 10.03.2012.

PRINZ-Blog-Urteil:

Songqualität: 7/10
Interpretation: 5/10
Chancen auf Finaleinzug: 30 % nach Ansicht der Blogger im zweiten Halbfinale