ESC Songcheck (24): „Yodel it!“ von Ilinca ft. Alex Florea

Wer geglaubt hat, dass Jodeln nur im Alpenraum stattfindet, hat sich schwer geschnitten. Auch auf dem Balkan gibt es Gebirge, durch die sich seit Jahrhunderten die Menschen zujodeln. Nun auch erstmals beim ESC – zumindest aus diesem Landstrich. Dies ist unser Songcheck.

Die 18-jährige Abiturientin Ilinca sowie der 25-jährige Alex könnten musikstilistisch fast nicht weiter voneinander entfernt sein. Und doch eint sie, dass sie ihre Karrieren in rumänischen Castingshows begonnen haben. In unterschiedlichen Jahren waren sie bei „X-Faktor“ und bei „The Voice“ dabei. Zum Sieg hat es für keinen der beiden gereicht – aber für den Karriereverlauf ist sowas ja heutzutage auch nicht mehr entscheidend.

Ilinca schafft hoffentlich in diesem Jahr noch ihren Schulabschluss und Alex wird versuchen, sein Theaterstudium an der Universität der Schönen Künste in Constanta fortzusetzen. Vorher werden sie aber noch versuchen, beim ESC in Kiew eine gute Figur zu machen. Und mit gemischten Doppeln (2002, 2008, 2010, 2014) hatte Rumänien ja eigentlich immer ordentliche bis sehr gute Platzierungen!

Die Vorentscheidung Anfang März gewannen sie deutlich. HIER könnt ihr dazu noch einmal unseren Live-Blog nachlesen, der ganz anders endete, als ursprünglich geplant und deshalb heute schon zu den absoluten Klassikern auf diesem Blog gezählt werden kann.

 

Der Song

„Yodel it!“ handelt von der alten Weisheit, nichts auf die lange Bank zu schieben, seine Träume zu leben und keinen Tag ungenutzt verstreichen zu lassen. Der Songtitel könnte also passenderweise als zeitgemäßes „Carpe Diem!“ aufgefasst werden:

Now what’s the use of being so confused.
Of doing all this work you really don’t want to be doing
But you’ll be fine, it’s time to feel alive
Don’t stop from reaching for the stars and keep on moving

So bring it on, bring it on, I’m a dreamer
If you don’t believe it, come and see me, I will teach ya
If you never try, you’ll never be alive
You are gonna miss out on this ride!

Musikalisch haben wir es hier eigentlich mit einem Genre zu tun, dass beim ESC bisher eher weniger mit Erfolg gesegnet ist. Alex rappt sich im wesentlichen durch den Song, während Ilinca den melodischen Part übernimmt und um ihr Leben jodelt. Ein Gegensatz, den man gern für einen albernen Gimmick halten könnte, aber dennoch bekommt der Song genau dadurch den für einen ESC-Song so wichtigen Instant Appeal!

Die Idee zu diesem Song hatten Mihai Alexandru und Alexa Niculae. Mihai schreibt schon seit vielen Jahren Songs für die rumänische ESC-Vorauswahl, einmal gelang ihm auch schon ein Sieg. 2003 in Riga sang Nicola das von ihm verfasste „Don’t break my heart„. Texterin Alexa nahm 2009 selbst an der Vorentscheidung teil mit „A Girl like me„, kam allerdings über das Semifinale nicht hinaus.

Der Song beginnt mit einem Trommelwirbel, an den sich ein Rap im Marsch-Rhythmus und ein wenig Gejodel anschließt – gleichsam einer Mini-Ouvertüre zu dem, was dann kommt. Es folgt eine zweimalige Abfolge von Rap-Strophe und Jodel-Refrain, an die sich dann ein Bridge anschließt. Und die hat es in sich und entwickelt innerhalb von 35 Sekunden ein ziemlich dynamisches Eigenleben, bevor Ilinca dann zum ultimativen Zungenbrecher-Jodler ansetzt. Ob sie ihr Abitur bestehen wird, steht noch in den Sternen, das Jodeldiplom kann man ihr getrost mit Sternchen verleihen!

 Rumänien 2017 – Ilinca feat. Alex Florea: Yodel it!

 

Die Präsentation

Auch, wenn die Jodelei in unseren Breitengraden gern mal für betulich, rückständig und zu traditionell gehalten wird: Das ist nicht überall so und das demonstriert Ilinca insbesondere durch ihr sexy Outfit eindrücklich. Deshalb erteile ich ihr für Kiew auch absolutes Dirndl-Verbot und auch ansonsten gibt es was auf die Finger, wenn ich sie auch nur in der Nähe einer Tracht sehe. Rein optisch machen die beiden jungen Leute das instinktiv schon richtig und ich denke, dass man sie von der Delegationsleitung her auch ihr Ding machen lässt. Kommt ja auch nicht immer und überall vor…

Bei der Vorentscheidung standen keine LED-Schirme zur Verfügung, dort hat man mit einer heftigen Lichtshow den Song in seiner Dynamik unterstützt. Vielleicht reicht das auch in Kiew – meinetwegen muss es nicht immer eine Bilderorgie aus dem Hintergrund geben – vor allem, wenn man vom Song gar nicht abzulenken braucht, wie in diesem Fall. Deshalb würde ich eine einfarbige Hintergrundbeleuchtung deutlich bevorzugen. Aber egal, wofür man sich entscheidet – solange keine Bergpanoramen an uns vorüberziehen, ist alles gut!

Und bis Kiew werden die Zwei ihren Auftritt auch dermaßen oft absolviert und durchgespielt haben, dass Ilinca nicht – wie beim Vorentscheidungsauftritt – immer mal wieder hin- und her tippelt, bis sie den richtigen Abstand zu Alex und ihre Position für den jeweils anstehenden Dance-Move gefunden hat.

 

Was PRINZ-Blogger darüber denken

DJ Ohrmeister: Ungewöhnliche Kombi, gut performt, aber ein bisschen mehr Pfeffer hätte man der Komposition ja doch gewünscht. Kommt oft vor beim ESC – coole Idee, nur leider eher mittel umgesetzt.

Jan: Wenn irgendetwas Instant Appeal hat, dann das Jodeldiplom aus Bukarest! Wie Ilinca zum Schluss des Songs das zweite Futur bei Sonnenaufgang interpretiert, ist schon beeindruckend! Allerdings setzt bereits ab dem zweiten Zuhören ein gewisser Nervfaktor ein. 

Marc: Ich bin zwar kein Yodel-Fan, aber dieser Beitrag macht den ESC bunt und gehört ins Finale. Der Beitrag polarisiert vermutlich stark, aber diejenigen die es lieben, werden auch dafür anrufen.

OLiver: Tolles Konzept mit höchst geeigneter Ausführung. Die Chemie von Ilinca und Alex stimmt, ein Song, der auf Anhieb Freude macht und wegen seines Alleinstellungsmerkmals in Erinnerung bleibt. Eines der wenigen ESC-Lieder, in dem mich der Rap-Part überhaupt nicht stört.

Peter: Witzig, charmant, originell – I like, like, like. Illinca und Alex sind schlicht klasse und der Song hat exakt den instant appeal und das Augenzwinkern, den bzw. das es für den ESC braucht. Yodel it! wird weit kommen und das ist verdient. Wir haben lernen dürfen, dass Jodeln auch in Rumänien Bestandteil der Musikkultur ist, also unerwartet auch ein Kulturgut jenseits der DACH-Länder ist. Ich habe grundsätzlich einen weak spot für Songs, die traditionelle musikalische „Rituale“ des Absenderlandes zitieren und/oder in Landessprache gesungen werden. Und Rumänien ist ein so schönes, vielfach unentdecktes Land, auch das verdient, in ein superpositives Fazit einbezogen zu werden.

Jeder ESC-Titel wird im Songcheck von allen PRINZ-Bloggern nach ihrem persönlichen Gusto auf einer 11-stufigen Skala (12-10-8-7-6-5-4-3-2-1-0) bewertet, wobei 12 die höchste Wertung darstellt. Die Wertungen werden addiert. Unser persönliches subjektives Gesamtbild:

 

Die Prognose der PRINZ-Blogger

Hier geht es nicht um das persönliche Gefallen, sondern um eine Prognose. Rumänien hat  nach Einschätzung aller PRINZ-Blogger eine Qualifikationschance von 90 Prozent und landet damit auf Platz 1 in Semifinale 2. Hier geht es zur Prognose der PRINZ-Blogger für das zweite Semifinale.

 

Was PrinzBlog-Leser darüber denken

Little Imp: Ich find die Nummer spaßig. Kann aber auch an dem Wein liegen, den ich mittlerweile intus habe. 😉

Inge Periotte: Ich bin nicht gerade ein Jodel-Fan und ich hasse Rap, aber das da, das ist sowas von genial! Die nutzen nicht mal die vollen drei Minuten aus, und trotzdem passiert in diesem Song mehr als in jedem anderen Song dieses Jahrgangs (Italien vielleicht mal ausgenommen). Super Komposition, tolles Arrangement und vor allem geniales Crossover. Und vor allem schön: Man merkt der Audio-Version schon an, dass der ganze Act nicht so bierernst nimmt (Gegenbeispiel zu Kroatien). Sowas macht einfach nur Spaß und spielt hoffentlich ganz vorne mit!

Frederic: Ein Song mit hohem Wiedererkennungswert, über den schon seit Wochen geredet wird und der (zumindest in Rumänien) auch bei Juroren ankommt. Nicht mein Favorit, aber sicher obere Hälfte und ich wüsste nicht, wie er im Semi scheitern sollte.

Kathrin: Ich komme mir mal wieder vor wie ein Alien. 67x ausgezeichnet und 61x gut für die Jodelnummer, ich glaub es nicht. Für mich ist das ein Lied zum Fremdschämen, sorry, und mit großem Abstand auf dem letzten Platz bei mir. Keine Ahnung, wie einem sowas gefallen kann, aber mein Musikgeschmack ist ja bekanntlich eh nicht mehrheitsfähig hier :-)).

Manboy: Das Lied hat großen Wiedererkennungswert. Hab das Lied schon die ganze Zeit im Kopf und es will nicht wieder raus. Er macht seine Sache ganz gut (auch vom Styling viel besser als der vorherige Auftritt). Sie ist für mich der Problemfall. Sie singt so hoch, dass es teilweise richtig nervig wird. Dabei auch etwas zu viel Gejodele. Das schlimmste wäre, wenn sie jetzt so eine Karpaden-Dirndel-Nummer draus machen würden. Es sollte aus meiner Sicht lieber modern rüberkommen. Insgesamt ein guter/unterhaltsamer Beitrag.

 

Social Media

Sowohl Ilinca als auch Alex haben eigene Accounts, eine längerfristige Zusammenarbeit der beiden scheint – jedenfalls momentan – noch nicht vorgesehen zu sein:

Facebook Ilinca, Facebook Alex
Instagram Ilinca, Instagram Alex
Twitter Alex (Ilinca hat auch einen Account, der ist aber leer…)

 

[poll id=“689″]

 

Vorschau: Morgen geht es hier weiter mit den hübschen Schwestern aus den Niederlanden, die sich Tjabe (wer sonst?) mal näher vorknöpft.

 

Bereits erschienen:

Semifinal 1:
(1) Albanien: „World“ von Lindita
(2) Aserbaidschan: „Skeletons“ von DiHaj
(3) Australien: „Don’t come easy“ von Isaiah
(4) Belgien: „City Lights“ von Blanche
(5) Finnland: „Blackbird“ von Norma John
(6) Georgien: „Keep the faith“ von Tamara Gachechiladze
(7) Montenegro: „Space“ von Slavko Kalezić
(8) Portugal: „Amar pelos dois“ von Salvador Sobral
(9) Schweden: „I can’t go on“ von Robin Bengtsson
(10) Griechenland: „This is love“ von Demy
(11) Polen: „Flashlight“ von Kasia Moś
(12) Moldawien: „Hey Mamma!“ von SunStroke Project
(13) Island: „Paper“ von Svala
(14) Tschechien: „My turn“ von Martina Bárta
(15) Zypern: „Gravity“ von Hovig
(16) Armenien: „Fly with me“ von Artsvik
(17) Slowenien: „On my way“ von Omar Naber
(18) Lettland: „Line“ von Triana Park

Semifinal 2:
(19) Serbien: „In too deep“ von Tijana Bogićević
(20) Österreich: „Running on air“ von Nathan Trent
(21) Russland: „Flame is burning“ von Yulia Samoylova
(22) Mazedonien: „Dance alone“ von Jana Burčeska
(23) Malta: „Breathlessly“ von Claudia Faniello